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Pain Of Salvation, Beardfish im Konzert (Hamburg, Oktober 2010)

Tolle Stimmung trotz überschaubaren Publikumandrangs und eine inspirierte Performance zwei toller Bands

Pain Of Salvation rissen das Publikum mit

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Pain Of Salvation

Nach einer unverständlicherweise sehr langen Umbauphase von einer guten Dreiviertelstunde und damit einhergehendem Frönen der Nikotinsucht im Vorraum ist es dann Zeit für Pain Of Salvation, die umjubelt und, zumindest was die Saitenfraktion angeht, komplett barfüßig die Bühne betreten, dort allerdings zunächst in völliger Dunkelheit verharren. Bandchef Daniel Gildenlöw erklärt, es gäbe technische Probleme, wahrscheinlich „weil wir Windows verwenden“. Auch wenn man sich als Zuschauer denkt, Na, das geht ja gut los! – gerade nach der extrem langen Pause, hat der Frontmann damit natürlich gleich ein paar Lacher auf seiner Seite. Ebenso, als er verkündet, dass es darauf hinauslaufen könnte, dass er die gesamten 90 Minuten, die für das Konzert eingeplant waren, reden muss. „Na ja, dann könntet ihr allen Freunden zumindest erzählen, dass ihr einen im wahrsten Sinne des Wortes speziellen Abend erlebt habt“, fährt er fort, bevor es dann endlich mit dem Doppelpack „Of Two Beginnings“ und „Ending Theme“ vom göttlichen 2002er Output „Remedy Lane“ losgeht. Ein überraschender Auftakt, schließlich fangen die meisten Bands eher mit dem Opener ihres neuesten Albums an, aber ein Auftakt, der selbstverständlich zu gefallen weiß. Beeindruckend, wie Gildenlöw die sehr schnell gesprochenen Textpassagen in „Ending Theme“ problemlos auf der Bühne wiedergibt. Ozzy Osbourne oder Rob Halford hätten da ohne Teleprompter sicherlich ernste Schwierigkeiten bekommen...

Danach hätte es gerne auch gleich mit „Fandango“ weitergehen können (eine Gesamtperformance von „Remedy Lane“ wäre einfach nur ein Traum!), doch es folgt mit „People Passing By“ ein ganz alter Track vom Debüt „Entropia“. Diese neunminütige, extrem abwechslungsreiche Nummer ist allerdings auch nicht schlecht und der Jubel groß. Überhaupt zeigt sich erfreulicherweise von Anfang an, dass das Publikum gewillt ist, alles zu geben. Klar, es ist schade, dass ein Konzert einer so talentierten Band wie Pain Of Salvation an einem Freitagabend nicht ausverkauft ist – nicht einmal ansatzweise –, doch die Anwesenden machen das Beste draus, wie man fairerweise sagen muss. Schon bei Beardfish war die Stimmung nicht übel, doch jetzt geht es wirklich richtig gut ab. Für einen Entertainer wie Daniel Gildenlöw natürlich ein wunderbarer Grund, ein paar Scherzchen und Mitsingspielchen vom Stapel zu lassen. So verlangt er zwischendurch von den Fans, sie sollten wie schwedische Zuschauer jubeln – was bedeutet, gar nichts zu tun und nur mit vor der Brust verschränkten Armen dazustehen –, um sich dann nach und nach zu steigern: italienisch, spanisch und schließlich südamerikanisch jubeln. Na ja, an die an Wahnsinn grenzende Euphorie eines südamerikanischen Publikums werden wir Europäer wohl nie heranreichen, aber zumindest ein Mädchen versucht mit äußerst schrillen Schreien, womit sie auch den Meister zum Grinsen bringt, dieses Level zu erreichen.

Doch Gildenlöw, der heute einen putzigen Zopf auf der linken Seite des Kopfes trägt, hat noch weitaus mehr Sprüche auf Lager – in puncto liebenswerten Quatsch erzählen hat er wohl vor, seinem Landsmann Mikael Åkerfeldt Konkurrenz zu machen. „Wir sind wohl die einzige Prog-Metal-Band, die auch weibliches Publikum hat und die sich außerdem auf der Bühne bewegt“, verkündet er.

Na ja, bewegen tun sie sich weiß Gott mehr als zum Beispiel Dream Theater, was allerdings nicht schwer ist. Daniel, Zweitgitarrist und Muskelpaket Johan Hallgren sowie Bassist Per Schelander, der erst seit 2009 im Line-up ist, wechseln des öfteren die Positionen, grinsen sich an und machen Faxen. Doch damit keine Missverständnisse aufkommen: Musik wurde auch noch gespielt. Das Set ist ein guter Querschnitt durch die gesamte Karriere der Band; außer „One Hour At The Concrete Lake“ wird kein Album ausgelassen, und die neue Langrille wird nicht unbedingt vor den anderen Scheiben bevorzugt. Zwar sind von ihr insgesamt vier Tracks im Programm wiederzufinden, doch sind „Of Dust“ und der Titelsong recht kurze Stücke (gerade „Road Salt“ ist allerdings eine wunderschön intensive Ballade, die Gildenlöw mit Inbrunst vorträgt), im Gegensatz zu Nummern wie dem mächtig stampfenden „Diffidentia (Breaching The Core)“ (eines der stärksten Stücke von „BE“), „Winning A War“ oder dem abschließenden „The Perfect Element“.

Gegen Ende wird eine große Kanzel auf die Bühne getragen, von der Daniel dann wie ein Priester „Kingdom Of Loss“ heruntersingt – nicht zu verwechseln mit „King Of Loss“, welches heute leider keine Beachtung findet. Dies mag ein bisschen sehr belehrend und theatralisch wirken, zumal der Text des Liedes wie nicht selten bei den Schweden sehr gesellschaftskritisch ist, aber sei’s drum: So lange dieser Mann so göttlich singt mit seinem unfassbaren Stimmumfang und die Band sich so spielfreudig zeigt wie bei diesem ersten Deutschland-Konzert der aktuellen Tour, können sie sich meinetwegen auch Spiegeleier auf der Bühne braten.

Einen mehr als würdigen Abschluss bildet der bereits erwähnte fantastische Longtrack „The Perfect Element“, bei dessen Finale die gesamte Saitenfraktion auf extra bereitgestellten Toms Drummer Léo Margarit unterstützt und dem Gildenlöw das Gitarrensolo „Falling“ vorausschickt, wie es auch auf dem Album der Fall ist. Live klingt das aber natürlich noch erheblich intensiver und man erwischt sich dabei, wie man an David Gilmour denkt – zum Versinken, einfach wunderschön! Doch bevor man sich in die Katakomben verabschiedet, weist der Sänger noch einmal auf das Merchandising hin und erklärt scherzhaft, dass man einen Euro Rabatt bekommen würde, wenn man das T-Shirt, das man gerade trägt, dort vorlegen würde. Hm, na ja, aber bei stattlichen 25 Euro dürfte es dann schon etwas mehr Rabatt sein, die Herren – die Kollegen von Beardfish verlangen jedenfalls nur 15 Piepen.

Doch zum Merchandisestand will eh noch keiner gehen, auch nicht nachdem der letzte Ton von „The Perfect Element“ verklungen ist. Die Fans brüllen schlichtweg so lange weiter, bis die Band erneut auf der Bühne erscheint, offenbar durchaus angetan von der Kulisse: „Wir haben uns gesagt, dass wir eigentlich keine Zugaben geben, weil das jeder macht, aber eben hat man uns gesagt: ,Ihr müsst da wieder raus!’“ – Im Prinzip hat er ja recht, der gute Daniel, Zugaben sind eigentlich nichts als pure Theatralik, da sie sowieso von vornherein eingeplant sind, aber dennoch hat sicher niemand etwas dagegen, dass die Band sich aufrafft und noch einen zum Besten gibt. Und so kommt noch einmal Gänsehaut auf, als man das Leonard Cohen-Cover „Hallelujah“ anstimmt, bei dem alle mitsingen, und Daniel einmal unfreiwillig lachen muss, als irgendjemand im Publikum den Ton im Chorus länger hält als alle anderen. Das passt irgendwie gut ins Bild, sowohl was den Abend als auch diese Band selbst betrifft: Gesellschaftskritische Texte, aber den Spaß lässt man sich nicht verderben, besinnliche Klänge zum Abschluss, doch ohne dass es zu pathetisch oder affektiert wirkt.

Setlist:

Of Two Beginnings
Ending Theme
People Passing By
Linoleum
Ashes
Diffidentia (Breaching The Core)
Welcome To Entropia (Intro)
Winning A War
No Way
Road Salt
Of Dust
Kingdom Of Loss
Falling
The Perfect Element
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Halleluja  

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