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Pain Of Salvation, Anneke van Giersbergen, Árstíðir im Konzert (Essen, April 2013)

Wohnzimmer-Feeling im Rockclub

Eigentlich fehlt heute Abend nur eines: Der Ohrensessel. Oder zumindest eine Bestuhlung, denn genau das dürfte man beim anstehenden Akustikset erwarten, was heute im Turocker Angebot steht. Nun gut, es gibt dann doch nur Stehplätze (was wohl die Feuerwehr bei der Bestuhlungsabnahme gesagt hätte?; Anm. d. Red.), was aber niemanden schert, mischen sich doch hier die unterschiedlichsten KonzertgängerInnen, die es gewohnt sind, auch gleich mehrere Stunden auszuharren.

Wie speziell der Abend dann wirklich wird, macht schon allein die Bühnengestaltung deutlich, denn dem Gast offenbart sich ein Wohnzimmer im eher antiken Flair mit Blümchentapete, Teppich, Ledercouch, der nicht fehlen dürfenden Stehlampe (die zuerst auch ein bisschen streikt) sowie diversen Accessoires. Dazu kommen unzählige Instrumente, Kabel und Mikrofone, das Schlagzeug selbst ist direkt ganz ungewohnt rechts vorne am vorderen Bühnenrand aufgebaut.

Und eine weitere Angelegenheit macht diesen Abend so besonders: Es ist der letzte Tag der Tour, was natürlich so einige Gimmicks verspricht, wenn sich die Herren Musiker schon traditionell daran halten sollten, Dönekes zu veranstalten. Schon beim Opener

Árstíðir

stehen die Fans dicht gedrängt vor der Bühne und man könnte fast erwarten, dass bei dem weiteren Zuschauerzustrom das Ganze sogar ausverkauft werden könnte – am Ende tummeln sich aber dann doch „nur“ knapp 400 Fans im Turock, um diesem sehr speziellen Abend beizuwohnen.

Nun darf man aber nicht erwarten, dass die Isländer von Arstidir einfach auf die Bühne spazieren und loslegen, denn zuerst tappert Pain Of Salvation-Frontmann Daniel Gildenlöw ins „Wohnzimmer“, erklärt den Aufbau der Bühne und warum sie dieses Flair umsetzen wollten. Dabei plaudert er so ganz nebenbei über den Tod nicht nach Marke „Kill Bill“, sondern eher „wer will denn tot sein“ fragend, wenn man doch die ganze Zeit zu einem Bündel an Erfahrungen geworden ist. Dabei setzt er sich gemütlich auf die Ledercouch, mit Obst herumspielend, mit der Wehmut, dass es der letzte Gig im Wohnzimmer sei, herumschwelgend, bis es dann plötzlich klingelt und nach der „sollen wir sie hereinholen“ und der „Herein“-Aufforderung Arstidir unter lautem Applaus die Bühne entern.

Und wenn schon Daniel einmal anwesend ist, da kann er doch gleich auch ein bisschen mitmachen, was er dann mit einer Gesangseinlage bei „Road Salt“ umsetzt. Ansonsten setzen die Reykjavíker auf zerbrechliche Arrangements mit abwechselndem, mehr- bis sechsstimmigem  Gesang sowie dem spärlichen Einsatz von Gitarre, Violine, Cello, Piano. Für das Anathema-Cover „Everwake“ lässt sich auch Anneke van Giersbergen auf der Bühne blicken und setzt mit ihrer Stimme ein schönes Highlight, irgendwo zwischen zerbrechlicher Magie und knisternder Melancholie – die Zuschauer haben offenbar so richtig Spaß, lauschen sie doch andächtig der Musik, sodass sogar das Auslösen der Spiegelreflexkameras zum Begleitgeräusch im Arstidir-Takt wird – in den Pausen dagegen wird dann umso heftiger und hemmungsloser applaudiert, wenn sie nicht noch ihren Körper in ekstatischen Zuckungen wenig unter Kontrolle haben.

Setlist:

Road Salt
Á Meðan Jörðin Sefur
Heiðin
Ljóð í Sand
Everwake (Anathema-Cover)
Icelandic Song
Nú Gleymist Ég
Shades
Tárin

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