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Opeth & The Vintage Caravan im Konzert (Berlin, November 2019)

Stimmungsvoller Abend mit zwei motivierten Bands

Opeth

Ziemlich genau Punkt neun ist es, als der Headliner nach einer rund halbstündigen Umbaupause endlich aufschlägt. Nun ist das Huxley’s tatsächlich rappelvoll und der Jubel entsprechend, als der Fünfer während des Intros „Livets Trädgård“ die Bühne betritt. Anschließend wird gleich mit „Svekets Prins“ losgelegt – sehr erfreulich, dass sich wie erhofft gleich bestätigt, dass die schwedische Version dargeboten wird. Mikael Åkerfeldt tritt mal eher ungewohnt mit Hut und Jackett auf, was aber definitiv Stil hat und gerade zur Ästhetik der neuen Platte passt, während es bei Bassist Martín Méndez inzwischen immer lichter auf der Rübe wird, die Matte ist bereits ab.

Zudem fallen die Visuals auf: Vielleicht nicht so spektakulär wie beim Kollegen Steven Wilson, aber dennoch optisch ansprechend und eine passende Untermalung zur Opeth’schen Magie. Die Sternenteppiche auf der Leinwand hinter der Formation sowie auf den Seiten des Drumpodests sehen toll aus und sind sicherlich vor allem für die Fotografen vorne im Graben ein großartiges Motiv. Der Sound ist glücklicherweise erneut gut und bleibt auch den Rest des Gigs über solide, bis auf vereinzelte Bass-Übersteuerungen zwischendurch, die der Tonmensch jedoch schnell wieder in den Griff bekommt.

Übergangslos folgt als zweite Nummer mit „The Leper Affinity“ ein Klassiker, der alle alteingesessenen Fans natürlich durchdrehen lässt, zumal es ja seitens einiger Anhänger Befürchtungen gab, inzwischen würden Opeth auch live auf Songs mit Growls verzichten. Wobei das Berliner Publikum insgesamt, obgleich es doch durch The Vintage Caravan aufgeheizt sein sollte, ein wenig braucht, um tatsächlich aufzutauen. Allerdings wer kann es den Leuten verdenken, wenn sie einfach nur in Ehrfurcht erstarren ob der musikalischen Fähigkeiten des Quintetts? Nach und nach wird die Stimmung zwischen den Songs immer frenetischer, entsprechend bedankt sich Mikael Åkerfeldt immer wieder – doch es dauert erstaunlich lange, bis er sich erstmals ans Publikum wendet.

Denn dies geschieht erst nach „Hjärtat Vet Vad Handen Gör“, dem zweiten neuen Song am heutigen Abend – düster grummelt er auf Deutsch zunächst nur: „Vielen Dank!“ Danach kommen schon die ersten Rufe aus dem Zuschauerbereich – natürlich wollen die Leute wieder mal, dass er irgendwelchen Schwachsinn oder irgendetwas Lustiges von sich gibt. So erklärt er erst einmal, dass jeder, der Opeth schon mal gesehen hat, wisse, dass er unglaublich viel Scheiße auf der Bühne reden würde, doch wenn man Glück hätte, würde er „einfach die Fresse halten und spielen“.

Die Frage, ob die Leute wegen seiner bekloppten Ansagen oder der Musik kommen, steht tatsächlich immer wieder im Raum. Da wird sich über Kopenhagen, wo die Band am nächsten Tag auftritt, lustig gemacht („Dänemark ist langweilig“), erklärt, was genau „Scheiße labern“ auf Schwedisch heißt oder es werden die anderen Bandmitglieder getadelt, weil sie bis in den frühen Morgen Scorpions gehört haben, sodass Mikael nicht schlafen konnte. Obwohl er die Scorpions ansonsten natürlich liebt, wie er noch einmal betont – „…nur halt nicht um fünf Uhr morgens“. Auch „beschwert“ er sich darüber, dass die anderen so komplizierte Stücke spielen wollen, in denen es hin- und her- und auf- und abgeht, während er lieber einfachere Sachen ausgesucht hätte.

Gut, dass die anderen hartnäckig blieben, denn sonst wäre man auf dieser Tour nicht in den Genuss einer Perle wie „Moon Above, Sun Below“ gekommen. Eine echte Überraschung, wobei die Setlist ohnehin im Vergleich zur „Sorceress“-Tour komplett umgestellt wurde. Außer drei Stücken von der neuen Scheibe kommt ab „Blackwater Park“ jeweils ein Song von jedem Album zum Zuge – Abwechslung ist also wieder einmal garantiert. Eine weitere dicke Überraschung markiert dabei vor allem die „Heritage“-Nummer „Nepenthe“; ein wunderbar entspannter Track mit fantastischen Jazzakkorden, auch die wesentlich härteren Epen „Reverie/Harlequin Forest“ und „The Lotus Eater“ (bei dem Fredrik Åkesson sich den Leadgesang mit Åkerfeldt teilt; überhaupt singt er auch deutlich mehr Backing Vocals als früher, ursprünglich lag diese Aufgabe ja fast ausschließlich bei Keyboarder Joakim Svalberg) hat man länger nicht mehr gehört.

Nach eben dieser Achterbahnfahrt-Nummer von „Watershed“ erklärt Mikael, dass er es hasst, „der Überbringer von schlechten Nachrichten zu sein, deswegen überlasse ich diese Aufgabe Fredrik Åkesson“. Dieser lässt sich nicht lumpen und haut ebenfalls einen Spruch vom Stapel: „Wir haben keine Currywurst mehr“, um dann zu korrigieren: „Das ist unser letzter Song heute Abend“. Das obligatorische „Awww“ folgt, jeder weiß ja sowieso, dass danach noch etwas kommen wird. Zunächst handelt es sich wieder um eine kleine Überraschung, denn mit dem elegischen, teils doomig angehauchten „Allting Tar Slut“ hätte man als weitere neue Nummer sicher nicht unbedingt gerechnet, auch wenn es sich als Albumabschluss natürlich genauso für ein Konzertfinish eignet.

Unter lautem Jubel geht die Band nach diesem vorläufigen Finale ab, lässt sich aber nicht lange bitten und kommt sofort zurück, um „Sorceress“ zum Besten zu geben und danach eine spontane Einlage zu bringen, die bislang auf dieser Tour nicht stattfand. Man geht tatsächlich auf Song-Requests ein, wobei sich dies dann doch als Trugschluss erweist: Nur kurz werden „Face Of Melinda“, „Harvest“, „The Drapery Falls“ und weitere Classics in akustischer Form angespielt, dann jedoch wieder abgebrochen und stattdessen lieber die Band vorgestellt. „Ich weiß den Text nicht mehr weiter“, lacht Mikael bei „Face Of Melinda“ und als jemand „Beneath The Mire“ verlangt, erklärt er gar, er könne sich nicht erinnern, wie der überhaupt noch mal ging.

Auch wenn dieses Intermezzo zeigt, dass Opeth heute offenbar besonders gut gelaunt sind, wird ein Fan, der schon die ganze Zeit jeden einzelnen Ton mit entsprechenden Gesten, Luftgitarre und Mitsingen abfeierte (nein, ich meine nicht mich selbst), richtig ungeduldig und brüllt: „Play a fucking song now!“ – Dies passiert dann auch endlich und mit „Deliverance“ werden die Leute nach rund zwei Stunden Spielzeit nach Hause geschickt. Jenes Epos ist inzwischen wohl standardmäßig der Abschluss eines Opeth-Konzerts; natürlich hat man das als Fan schon x-mal gehört und vielleicht dürfte es auch mal ein anderes Stück sein, aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau. Bis auf die beiden (regulären) Zugaben war nicht ein Song identisch mit dem Set der letzten Tour und sogar für den Autor dieser Zeilen, der die Schweden nun zum 17. Mal live gesehen hat, gab es noch Premieren. Was will man also mehr? Vielleicht noch ein paar ältere Sachen aus der Prä-„Blackwater Park“-Zeit, aber ansonsten darf man hochzufrieden sein.

Setlist:

Livets Trädgård (Intro)
Svekets Prins
The Leper Affinity
Hjärtat Vet Vad Handen Gör
Reverie/Harlequin Forest
Nepenthe
Moon Above, Sun Below
Hope Leaves
The Lotus Eater
Allting Tar Slut

Sorceress
Acoustic Jams (Face Of Melinda / Harvest / The Drapery Falls / Bleak / The Moor / Under The Weeping Moon / Windowpane)
Deliverance

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