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Opeth & The Vintage Caravan im Konzert (Berlin, November 2019)

Stimmungsvoller Abend mit zwei motivierten Bands

The Vintage Caravan rissen sich wie gewohnt auf der Bühne den Allerwertesten auf.

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Dass sie immer wieder neue Ideen haben, bewiesen Opeth jüngst mit ihrem neuesten Streich „In Cauda Venenum“, ihrem nunmehr 13. Studioalbum: Musikalisch das bislang vielfältigste der Post-Growl-Ära, zeichnet es sich besonders dadurch aus, dass die Band das erste Mal eine Platte in schwedischer Sprache aufnahm. Zwar gibt es bekanntermaßen auch eine englische Variante, doch – so gibt es Frontmann Mikael Åkerfeldt selbst zu – wurde diese eigentlich nur quasi zur Sicherheit veröffentlicht, weil es eben weniger Schwedisch sprechende Fans der Truppe gibt als solche, die diese Sprache nicht beherrschen, die „richtige“ Platte jedenfalls stellt die schwedische Version dar. Dennoch ist es natürlich eine interessante Frage, ob Opeth in der Livesituation die neuen Songs auch außerhalb Schwedens in ihrer Muttersprache performen werden oder doch aufs Englische zurückgreifen.

Warum diesmal der Norden Deutschlands im Tourplan komplett vernachlässigt wurde, ist fraglich, da sie sonst eigentlich auf jeder Tour Hamburg mitnehmen, aber angesichts dieses Juwels von einem Album muss man dann eben eine längere Anreise auf sich nehmen, denn verpassen darf man diese Tournee selbstverständlich nicht. Das Huxley’s Neue Welt in der Bundeshauptstadt Berlin erweist sich als recht großer, aber sehr schmucker Club mit guter Akustik und neue Locations kennenzulernen kann schließlich nicht schaden. Auch wenn „In Cauda Venenum“ es nicht wie sein Vorgänger „Sorceress“ auf die Pole Position der deutschen Albumcharts schaffte, sondern „nur“ auf Platz 5, ist der Andrang groß und der Laden bereits seit längerem ausverkauft.

The Vintage Caravan

Bevor Mikael Åkerfeldt und seine Mitstreiter jedoch auf den Plan treten, sind noch die drei Jungspunde von The Vintage Caravan an der Reihe. Die Isländer haben im letzten Jahr ihr drittes Full-Length-Album „Gateways“ herausgebracht, sind immer mal wieder im Vorprogramm von stilistisch mehr oder weniger ähnlich gelagerten Combos zu sehen und haben sich mittlerweile eine respektable Fanbasis erspielt. Jedenfalls finden sich schon etliche Nasen ein, um dem Powertrio ihre Ehrerbietung zu erweisen; dass da trotzdem noch einige Lücken im Publikum klaffen, liegt wohl auch daran, dass die Show einfach wieder einmal früher anfängt als angekündigt. Obwohl 20 Uhr angegeben ist, wird bereits um 19:45 Uhr begonnen, was – ich wiederhole mich zum eine Millionsten Mal – selbstredend eine Frechheit ist.

Wie gewohnt, glänzt die Band nicht unbedingt mit originellen Ansagen („I wanna see you go crazy for the next song, it’s called ,Crazy Horse‘" – nun ja…), entfacht dafür aber auf der Bühne ein Feuerwerk. Fronter Óskar Logi Ágústsson lebt jeden einzelnen Ton, pest über die Bretter, beherrscht sämtliche Gitarrenhelden-Posen und wird gesanglich von Mal zu Mal besser. Und über seine Fähigkeiten an der Klampfe braucht man wohl keine weiteren Worte zu verlieren: Sagenhaft – und der Kerl ist ja erst zarte 25 Jahre alt.

Doch Energiebündel sind sie alle: Selbst Drummer Stefán Ari, wenn auch zum Sitzen gezwungen, hat sichtlich Hummeln im Arsch und Bassist Alexander Örn Númason packt die Saiten zum Teil mit einer Wucht an, dass man streckenweise denkt, er müsse sie ausreißen; immer wieder grinst er Beifall heischend ins Rund und kann zudem als Zweitsänger überzeugen. Auch teilt er sich die Ansagen und Publikumsanimationen mit Óskar; dieses macht bei den Mitsing- und Mitklatschspielchen bei „Set Your Sights“ oder dem supereingängigen „Babylon“ gern mit, wenngleich unten noch nicht ganz die Power da ist, die man auf der Bühne sieht.

Setlisttechnisch hat man im Vergleich zum Auftritt beim diesjährigen Rock Hard Festival zum Beispiel nicht wahnsinnig viel geändert, aber Spaß macht es zu jeder Sekunde: TVC sind und bleiben vor allem eine Liveband, die auf Konzerten viel mehr Rotz und Dreck als auf Konserve verbreitet und genau deswegen gehören sie längst zur Speerspitze der sogenannten „Retrorock“-Bands. Die Verschnaufpause zwischen den ganzen Rock-Arschtretern in Form des melancholischen „Innerverse“ (das in der zweiten Hälfte allerdings ebenfalls gut abgeht) tut trotzdem gut, anschließend gibt es mit „Expand Your Mind“ eine unverzichtbare Nummer, die inzwischen schon so etwas wie Klassikerstatus innehat.

Danach haben sie dann doch zumindest eine wirklich coole und amüsante Ansage in petto: Als Óskar wissen will, ob schon mal jemand in Island war und einige sich melden, erklärt er trocken: „Cool. Der nächste Song handelt davon, nicht in Island zu sein. Er heißt ,On The Run‘.“ Dann ist es schon wieder Zeit für den letzten Song und dass es sich hierbei um „Midnight Meditation“ handelt, kann niemanden überraschen, der die Band bereits kennt. Ein fantastischer Ohrwurm, der bestens als Rausschmeißer funktioniert und bei dem alle Anwesenden den Refrain nur zu gerne mitgrölen. Das Publikum ist nach dieser intensiven Dreiviertelstunde, die zum Glück auch soundmäßig absolut überzeugen konnte, gut auf Betriebstemperatur gebracht – solch einen Supportact wünscht sich wohl jeder. Dennoch hätten sie es verdient, auch mal als Headliner zu touren – vielleicht ja mit dem nächsten Album. Eine ultrasympathische Band, die nach dem Opeth-Gig für Selfies mit den Fans und einen Schnack nur zu gern bereit steht. 

Setlist:

Reflections
Set Your Sights
Crazy Horses
Innerverse
Babylon
Expand Your Mind
On The Run
Midnight Meditation

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