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Opeth & Sahg im Konzert (Hamburg, November 2016)

Beste Mischung aus Entertainment und musikalischem Können – wie immer

Opeth

Als der Hauptact bereits um kurz nach acht auf der Bühne steht, ist der Laden ziemlich voll geworden, ausverkauft ist er allerdings nicht komplett. Der gute Sound, der bei Sahg zu hören war, herrscht glücklicherweise auch bei dem Stockholmer Quintett vor, auch die Lautstärke hat genau den richtigen Pegel, um alles ohne Gehörschutz genießen zu können, ohne dass einem die Ohren bluten.

Das Intro des Set-Openers „Sorceress“ beginnt, als noch gar nicht alle Protagonisten auf der Bühne anwesend sind; zunächst haben lediglich Bassist Martin Méndez, Drummer Martin Axenroth und Tastenmann Joakim Svalberg unter lautem Jubel den Ort des Geschehens betreten, erst als die Gitarrenriffs im nächsten Part das Zepter übernehmen, erscheinen auch Fredrik Åkesson und Mikael Åkerfeldt auf der Bildfläche.  

Gleich nach diesem wenig überraschenden Set-Opener werden alle Old-Schooler, die die Growls bei den heutigen Opeth vermissen, zufriedengestellt, als in Gestalt von „Ghost Of Perdition“ der erste Klassiker ansteht. Selige „Yeah!“-Rufe hallen durch den Saal, schon als die ersten Töne dieses Epos erklingen, Gänsehautschauer stellen sich auch beim hundertsten Hören dieses monumentalen Stückes ein und alle Behauptungen einiger Fans, Mikael könne nicht mehr ordentlich growlen, werden entkräftet. Woher auch immer diese Unterstellungen kommen, sie stimmen schlichtweg nicht.

Bevor mit „Demon Of The Fall“ eine weitere alte Nummer hervorgekramt wird, wendet Åkerfeldt sich erstmals ans Publikum und versichert, die Band sei heute bester Laune und hoffentlich seien die Zuschauer das ebenfalls, was erwartungsgemäß mit lautem Jubelgeschrei bestätigt wird. Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass der Frontmann auch heute wieder mit jeder Menge Anekdoten und absurden Sprüchen glänzt. Martin Méndez wird diesmal allerdings weitestgehend verschont, er muss sich lediglich die flapsig-sarkastische Bemerkung „Just take a look at him and you know: ,Man this guy is excited!‘“ gefallen lassen, die dem Basser allerdings selbst ein Grinsen entlockt.

Auch direkte, spontane Interaktion mit dem Publikum ist bekanntlich eine von Mikaels Stärken: So erzählt er beispielsweise, einen Fan auf den Schultern eines anderen sitzend erblickend, das hätte er als Kind auch bei seinem Vater gemacht, „and I didn’t like it“. Und für den Ausruf einer Frau „You’re fucking awesome“, hat er umgehend ein knochentrockenes „Yes“ als Entgegnung parat. Da über jedes Wort, dass der Opeth-Chef sagt, inzwischen gelacht wird und man unbedingt will, dass er irgendetwas Lustiges sagt, provozieren die Zuschauer dies mittels jeder Menge Zwischenrufe inzwischen bis zum Geht-nicht-mehr. Eine Antwort hat Åkerfeldt jedoch fast immer griffbereit: Als einer – aus welchen Gründen auch immer – „Demons And Wizards“ brüllt, gibt er den Funfact zum Besten, dass es einen schwedischen Gitarristen gäbe, der fast genau den gleichen Namen wie Jon Schaffer (Iced Earth-Boss und neben Blind Guardians Hansi Kürsch Mitglied bei Demons And Wizards) trage – was das wohl bedeuten würde? „Nichts“, löst er das Ganze ebenso denkbar einfach wie auch relativ sinnbefreit auf.

Selbst Celtic Frost-Legende Tom G. Warrior ist in einer kleinen Geschichte vertreten; als ein Fan ein „Ugh“ loslässt, muss der Sänger und Gitarrist sofort an die Schweizer Metal-Ikone denken und erklärt, wenn Warrior zu Shows geladen ist, würde er nie kommen, um Hallo zu sagen, sondern stattdessen eine E-Mail schreiben, in der es lapidar „Good show“ heißt. Mal sehen, wie es auf dieser Tour wird, am 13. November jedenfalls ist Tom bei der Show in Zürich auf der Gästeliste, wie Mikael Åkerfeldt berichtet.

All diese kleinen Entertainment-Einlagen kommen in der Retrospektive natürlich längst nicht so trocken und witzig herüber, wie wenn man selbst dabei war, aber jeder, der mal ein Opeth-Konzert besucht hat, kann es sich sicher ausmalen. Musik wurde übrigens auch noch gespielt und Performance-technisch ist die Band heute wirklich auf einem hohen Level. Was für tolle Musiker sie alle sind, weiß ohnehin jeder, aber das allein ist ja keine Garantie für einen mitreißenden Auftritt. Allein die sauberen und akkuraten Backings und Harmonys von Keyboarder Joakim Svalberg sind ein Hochgenuss und wenn man die Songs kennt, macht es Spaß, kleine zusätzliche Details auszuspähen, die sich überall verstecken.

In der Mitte des Sets wird die Songauswahl ruhiger; auf „Face Of Melinda“ folgt „In My Time Of Need“ und der ganze Saal scheint in den herrlichen, ausufernden Mellotron-Ozeanen vor Glückseligkeit zu versinken, und erst nach „Cusp Of Eternity“ gibt es bei „The Drapery Falls“ und „Heir Apparent“ (vom Album „Watershit“ – O-Ton Åkerfeldt) wieder kräftiger auf die Zwölf. Bei ersterem setzt der Frontmann zwischendurch plötzlich mit dem Gesang aus, wofür er sich später entschuldigt, er habe ein Haar in der Kehle gehabt. Drauf geschissen, genau wie darauf, dass Fredrik Åkesson bei den tricky Clean-Passagen von „Heir Apparent“ leichte Schwierigkeiten hat.

Ehe man sich versieht, sind fast zwei Stunden herum und mit „The Grand Conjuration“ erklingt bereits der letzte reguläre Song des Sets. Klar, dass es hier noch eine Zugabe gibt, direkt nachdem Mikael Åkerfeldt die Band ausgiebig vorgestellt und sich ausnahmsweise mal kein bescheuertes Pseudonym verpasst hat. Die Fans fordern alles Mögliche, doch der Meister erklärt kurzerhand – trotz des gespielt überheblichen „Yeah, I know, so many Classics“-Seufzers – man würde nur auf Forderungen eingehen, wenn dies zufällig der nächste Song auf der Setlist ist. Allerdings nimmt er sich die Zeit, sich ausführlich für den Support in Deutschland zu bedanken. Anfangs sei es nicht leicht gewesen, doch nun habe man mit „Sorceress“ sogar die Nummer eins der deutschen Albumcharts geknackt.

„Deliverance“ mobilisiert bei allen Anwesenden die letzten Kräfte und lässt besonders beim legendären Endriffing noch einmal amtlich die Matten kreisen. Da die Show bereits um 19 Uhr startete und ja nur eine Vorband anwesend war, ist das Ganze dann schon um kurz nach zehn beendet. Wohl mit Rücksicht auf die arbeitende Bevölkerung, denn auch das wollte der Boss augenzwinkernd wissen – ob man am nächsten Tag arbeiten müsse oder ob hier auch einige Faulpelze („slackers“) anwesend wären, die nur auf der Couch herumlungern und sich von Mami bedienen lassen. Er selbst habe eine lange Zeit so gelebt. Zusammengefasst: Opeth haben mal wieder beste Unterhaltung in jeglicher Hinsicht geboten. Seltsam eigentlich, dass sie lediglich zwei Songs von der aktuellen Platte gespielt haben („Chrysalis“ und „Strange Brew“ hätte ich schon gerne im Livegewand gehört), großartig dafür, wie sie es jedes Mal hinbekommen, fast alle Alben zu berücksichtigen und dabei eine abwechslungsreiche Setlist zu spielen, die sich nicht bei fast jeder Tour mehr oder weniger wiederholt.         

Setlist:

Sorceress
Ghost Of Perdition
Demon Of The Fall
The Wilde Flowers
Face Of Melinda
In My Time Of Need
Cusp Of Eternity
The Drapery Falls
Heir Apparent
The Grand Conjuration
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Deliverance

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