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Opeth im Konzert (Essen, April 2010)

Besser kann ein Abend nicht laufen

Mal was anderes: Opeth im Sitzen

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Wenn Opeth zu ihrem 20-jährigen Jubiläum laden, dann kann man schon mal eine mehrere hundert Kilometer lange Strecke bis nach Essen auf sich nehmen. In der Ruhrpott-Metropole nämlich findet das einzige Deutschland-Konzert einer ganz speziellen Tour der Schweden statt, die sie anlässlich ihres runden Geburtstag veranstalten. Das Spezielle ist: Auf den nur sechs Gigs (neben Essen noch in Stockholm, Paris, London, New York und Los Angeles) will der Fünfer ohne Vorband gleich zwei Sets spielen (ähnlich wie Dream Theater seinerzeit mit ihren „An Evening With“-Konzerten), wobei beim ersten das legendäre „Blackwater Park“-Album komplett dargeboten werden soll, während das zweite weitere, sorgsam ausgewählte Klassiker aus allen Epochen der Band beinhaltet. Dass die heutigen Zuschauer erwartungsgemäß nicht nur aus Essen kommen, zeigt sich schon am Bahnhof, wo bereits einige Opeth-Jünger anhand ihrer Shirts auszumachen sind.

Zweifellos etwas ganz Besonderes stellt auch die Location dar, die sich Opeth für ihren Essener Gig ausgesucht haben: Die Lichtburg ist eigentlich ein Kino – mit 1250 Plätzen das größte in Deutschland – und so scheint es, als könnte man sich an diesem Abend darauf gefasst machen, Opeth im Sitzen zu genießen. Man kommt sich vor wie in der Oper, wenn man, nachdem man seine Jacke an der Garderobe abgegeben hat, noch mal einen Blick auf seine Eintrittskarte wirft, um sich zu vergewissern, welchen Platz man hat, und dann die Treppen hinaufschreitet, um den Saal zu betreten, der wahrlich nicht zu Unrecht als „schönster Kinosaal Deutschlands“ bezeichnet wird. Durch die Empore und den wirklich riesigen Vorhang kommt auch gleich Konzertatmosphäre auf; es kann ja durchaus auch mal seinen Reiz haben, ein Rockkonzert im Sitzen zu verfolgen – mal sehen.

Pünktlich um exakt 20:30 Uhr legt die Band dann mit „The Leper Affinity“, dem Opener von „Blackwater Park“, fulminant los. Der Sound ist schlichtweg als brillant zu bezeichnen, außer Porcupine Tree letztes Jahr in Bremen habe ich selten etwas vergleichbar Gutes zu Ohren bekommen. Und bereits nach den ersten paar Tönen hält es ein paar Metalheads nicht mehr in ihren Sitzen, sie springen auf und begeben sich in den Mittelgang des Parketts, um dort die Matten kreisen zu lassen, ekstatisch Luftgitarre zu spielen und lauthals mitzusingen. Die Leute wissen zwar natürlich alle, welcher Song als nächstes kommt, dennoch wird bei jedem Stück extra gejubelt – schließlich hat jeder auch auf „Blackwater Park“ seinen persönlichen Favoriten. „Bleak“ mit seinen orientalischen Läufen wird genauso abgefeiert wie das monströs geniale „The Drapery Falls“ und natürlich der infernalische Titelsong, der immer wieder aufs Neue fasziniert; diese Spannungspause in der Mitte, die das wahrhaft höllische Finale einläutet, ist die perfekte Ruhe vor dem Sturm.

Sehr gelungen ist auch die äußerst psychedelische Version der mit so schönen harmonischen Schlenkern versehenen Ballade „Harvest“: Hier hat man Keyboarder Per Wiberg, der bei der Produktion von „Blackwater Park“ ja noch lange nicht in der Band war, ein bisschen Raum gelassen, damit auch sein Spiel etwas deutlicher zum Vorschein kommt. Allerdings ist Opeth seit der Zunahme von Wiberg ja ohnehin um einiges psychedelischer geworden; in die alten Stücke kann dieses Element bestens integriert werden, ohne sie zu verwässern.

Bei „The Drapery Falls“ hält es auch mich nicht mehr auf dem Platz – ich muss raus und abgehen, bei dieser Musik kann ich nicht sitzen bleiben. Ich gehe ja gerne in die Oper und sitze da auch mal vier Stunden, aber das ist halt etwas anderes. Dennoch auf jeden Fall auch mal eine witzige Erfahrung, Opeth live im Plüschsitz zu verfolgen – wenn auch lediglich für die ersten drei Songs.
 
Nach diesem großartigen ersten Set ist dann eine zehnminütige Pause angesagt, die für eine Zigarette oder den Gang aufs Klo genutzt wird. Schnell wird jedoch deutlich, dass man sich besser beeilen sollte, denn Opeth legen wieder sehr pünktlich los. Noch während die typische Eröffnungsmucke erklingt, zu der die Band die Bühne betritt, fragt sich bestimmt jeder im Saal, was die Schweden wohl jetzt für besondere Überraschungen in petto haben. Und siehe da: Mit einer ganz alten Nummer wird begonnen, mit der man sicherlich nicht unbedingt rechnen konnte, über die ich persönlich mich aber sehr freue. „Forest Of October“ ist mein Favorit auf dem Debütalbum „Orchid“ und live habe ich das noch nie gehört.

Nach diesem viertelstündigen Opener hält Mikael Åkerfeldt dann erstmals eine seiner berühmt-berüchtigten Ansagen – der erste Set wurde nämlich so ziemlich komplett ohne Ansagen durchgezogen, was auch gut war, da das Album-Feeling so noch besser herüberkam.
Jedenfalls verspricht uns Mikael, dass er jetzt „a lot of shit“ labern würde, da ja alle mitbekommen haben dürften, dass er im Gegensatz zu seinen sonstigen Gewohnheiten im ersten Set nicht wirklich viel gesagt habe.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann