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Opeth im Konzert (Berlin, Oktober 2015)

„Mein Hund ist dunkelblau“

Beste Mischung aus Anspruch und Unterhaltung: Opeth und Mikael Åkerfeldt.

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Wir erinnern uns: Vor fünf Jahren feierten Opeth ihr 20-jähriges Bandjubiläum, was gleichzeitig zehn Jahre „Blackwater Park“ bedeutete, weswegen die Schweden eine kleine Jubiläumstour antraten, bei der sie das gesamte 2000er Album darboten und in einem zweiten Set von jedem weiteren Studio-Output jeweils einen Song spielten. 2015 nun steht ein ähnliches an, diesmal ist die „Ghost Reveries“-Scheibe dran, insgesamt sollen es wieder zwei Sets werden.

Da ist man als glühender Fan natürlich am Start und macht gerne einen kleinen Ausflug in die Hauptstadt, ist Berlin doch einer von drei deutschen Orten, denen die Jungs ihre Aufwartung machen. Ursprünglich sollte nur eine Specialshow in London stattfinden, letztlich aber entschloss man sich dazu, doch gleich eine ganze Tour zu absolvieren. Der schmucke Admiralspalast in der Berliner Innenstadt bietet genau das richtige Ambiente für diese Band; wer sitzen will, hat sich Karten für die Ränge reserviert, das Parkett hingegen ist für die Leute, die es (wie es sich bei einem Rockkonzert eigentlich ja auch gehört) bevorzugen zu stehen, hergerichtet.

Pünktlich um acht Uhr geht es los und man startet (logisch) mit „Ghost Of Perdition“ – Mikael Åkerfeldt ist gut bei Stimme (nur ganz selten hat er mal ein paar nicht weiter ins Gewicht fallende Probleme bei den Höhen), allerdings tönt der Gesang zu leise und auch seine Gitarre ist leider weniger präsent als die seines Kollegen Fredrik Åkesson. Außerdem sind Keyboard und Schlagzeug zu dominant. Daran wird sich den gesamten Gig nichts großartig ändern, da man die Lautstärkedifferenzen jedoch nicht eklatant nennen muss, kann man damit leben, und insgesamt geht der Sound trotz den akustischen Gegebenheiten geschuldetem vielen Hall auch in Ordnung.

Im Gegensatz zu den Konzerten 2010, wo die Band das erste Set komplett ohne Ansage durchzog, wendet sich Åkerfeldt direkt nach dem ersten Stück ans Publikum und sorgt sogleich für Irritation und den ersten Brüller. „I have something very important to say“, erklärt er, „Mein Hund ist dunkelblau.“ – Okay, dann wäre das ja geklärt… Hatte er nicht Katzen und keinen Hund? Egal, zumindest überrascht der Frontmann immer wieder, neben seinen überragenden musikalischen Fähigkeiten bleibt er einer der größten Entertainer der Szene und hat offensichtlich nun auch Gefallen an dadaistischen Tendenzen gefunden.

Außerdem stellt er fest, dass das „Ghost Reveries“-Album damals schon vor der Veröffentlichung als „Sell-out“ diskreditiert wurde, doch jetzt, zehn Jahre später, würden es auf einmal alle lieben. „Business as usual“, konstatiert der Sänger und Gitarrist und damit hat er weiß Gott nicht Unrecht – die Metalszene ist manchmal wirklich ein Mysterium. Track Numero zwei, „The Baying Of The Hounds“, haben Opeth schon lange nicht mehr live gespielt und Åkesson hat mit den cleanen Parts ein paar Schwierigkeiten, das klingt nicht ganz sauber, ohne einen Staatsakt daraus machen zu wollen.

Andere Songs des Albums wurden vor dieser Tour allerdings sogar noch gar nicht live zum Besten gegeben: So zum Beispiel „Beneath The Mire“, eine wahrhaft progressive Nummer, bei der kein Part wiederholt wird, das also gänzlich ohne Strophe/Refrain-Schema auskommt. Auch die wundervollen Balladen „Hours Of Wealth“ und „Isolation Years“ feiern auf dieser Jubiläumsrundreise ihre Premiere und laden zum Schwelgen ein. In der Livesituation wird der alles andere als typische Aufbau des Albums besonders deutlich: Zwischen den genannten ruhigen Komposition ist das dämonisch-düstere „The Grand Conjuration“ gebettet, bei dem Joakim Svalberg neben den Tasten auch die Percussions bedient und das Publikum total am Rad dreht, sodass Mikael die Zuschauer danach erst einmal beruhigen muss, nach dem Motto: „Moment mal, Leute, ihr wisst schon, dass da noch ein Stück fehlt!?“ Klar, dass bei einem solch besonderen Gig, der netto zwei Stunden und fünfundvierzig Minuten dauern soll, vor allem die Die-Hard-Supporter angereist sind und entsprechend ausgelassen feiern, auch wenn man natürlich ebenso immer wieder erstaunt und fasziniert von der unglaublichen Musikalität dieser Truppe ist und wie gebannt zuhört.

Höhepunkt bleibt wohl dennoch vor allem das geniale „Reverie/Harlequin Forest“ mit seinem vertrackten Riffing am Ende, sehr cool ist jedoch auch die Performance von „Atonement“, wo sich Keyboarder Joakim Svalberg mit zwei Soli hervortun darf (der Tastenmann erweist sich außerdem erneut als großartiger Sänger, der mit tollen Backing Vocals glänzt) und auch Fredrik Åkesson haut ein Extrasolo raus.

Nach einer viertelstündigen Pause geht es weiter, diesmal jedoch nicht mit einem Song pro Album. „Eternal Rains Will Come“ und „Cusp Of Eternity“ sind inzwischen schon Standard im Set, bei „The Leper Affinity“ ist dann wieder kollektives Durchdrehen angesagt, bevor man mit To Rid The Disease“ wieder ein bisschen auf den Teppich geholt wird. Anschließend ist es Zeit für eine längere Sänger/Publikum-Interaktion. Åkerfeldt verteilt mit gespielt ungeschickter Geste Plektren an die Fans und ruft dann Roadie Per „Sodomizer“ Eriksson heran, weil er neue Saitenbearbeitungswerkzeuge benötigt. Die Leute werfen inzwischen alle möglichen Songtitel ins Rund, Mikael hört geduldig zu, Åkesson spielt ein paar Schnipsel aus u.a. „Bleak“, Åkerfeldt aus „Face Of Melinda“, wobei er behauptet, er wüsste gar nicht mehr, wie das Stück gehen würde. So würden sie jetzt stattdessen etwas spielen, was niemand gerufen hat, „so fuck you!“  

In der Tat hat wohl niemand „I Feel The Dark“ gebrüllt, die meisten hätten sich wohl eher noch ein paar ältere Sachen gewünscht, die ersten vier Alben finden jedoch heute keine Berücksichtigung, trotzdem liegt definitiv eine interessante Setlist vor. „Master’s Apprentices“ beispielsweise hat man schon lange nicht mehr live gehört und „Voice Of Treasons“ gehört mit Sicherheit zu den stärksten Tracks der aktuellen Platte „Pale Communion“.

Bevor es mit „The Lotus Eater“ ein Encore gibt, stellt der Bandboss noch seine Truppe vor und verlangt dabei zum Beispiel von Joakim Svalberg, dass dieser doch bitte ein klassisches Stück spielen solle, woraufhin dieser heftig mit dem Kopf schüttelt und ein großes „No!“ auf seinen Lippen zu lesen ist, letztlich aber zieht er sich doch ganz gut aus der Affäre (ich komme jetzt nur gerade nicht darauf, welches an sich bekannte Klavierstück er da angerissen hat). Der Fronter selbst nennt sich wieder mal Udo Dirkschneider, räumt allerdings ein, dass das inzwischen eigentlich überhaupt nicht mehr lustig sei, weil zu abgenutzt.

Wie immer ist bei Opeth ein geiles Konzerterlebnis garantiert, die Mischung aus Unterhaltung und Anspruch passt wohl bei kaum einer anderen Band so gut und angesichts einer Performance mit solch prall gefüllter Setlist kann man auch die leichten Abstriche beim Sound verkraften. Unzufrieden geht jedenfalls wohl kaum einer nach Hause.

Setlist:

Ghost Of Perdition
The Baying Of The Hounds
Beneath The Mire
Atonement
Reverie/Harlequin Forest
Hours Of Wealth
The Grand Conjuration
Isolation Years

---Intermission---

Eternal Rains Will Come
Cusp Of Eternity
The Leper Affinity
To Rid The Disease
I Feel The Dark
Voice Of Treason
Master’s Apprentices
-------------------
The Lotus Eater

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