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Opeth, Cynic, The Ocean im Konzert (Dezember 2008)

Chaotische Organisation, geniales Konzert
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Vorfreude ist für viele bekanntlich die schönste Freude. Seit Monaten hatte ich meine Karte, und seit Monaten freuten meine Freunde und ich uns auf dieses Konzert. Bereits zwölf Tage vor Heiligabend erwartete uns also quasi das erste Weihnachtsgeschenk und dementsprechend war bei uns der Plan, sowohl vor als auch nach dem Gig ordentlich zu feiern – an einem Freitag kann man sich das ja schon gerne mal erlauben.

An der Markthalle angekommen, gehen uns dann allerdings gleich mal die Augen über: Obwohl es bereits viertel vor acht, also eine Viertelstunde vor Beginn der Veranstaltung ist, steht draußen noch eine riesige Schlange Fans, die darauf wartet, eingelassen zu werden. Es ist weiß Gott nicht das erste Mal, dass die Markthalle durch eine katastrophale Organisation auffällt. Dass Opeth inzwischen eine große Band geworden sind und es dementsprechend voll werden würde, dürfte doch wohl jedem vorher klar gewesen sein. Und trotzdem kriegt man es anscheinend nicht gebacken, mal ein paar Mann mehr zum Durchsuchen der Leute zu rekrutieren. Da nur zwei Typen dastehen, zieht sich das Ganze dementsprechend in die Länge. Noch dazu findet parallel im kleineren Marx noch ein anderer Gig statt – was bedeutet, dass natürlich noch mehr Zuschauer als ohnehin vor Ort sind.

Als wir dann endlich drinnen sind, spielt die erste Band – The Ocean – bereits und wir kriegen so gut wie nichts mehr davon mit. Übrigens ist es im Inneren der Halle brütend heiß und mit Lederjacke und Schal schwitze ich wie ein Eisbär in der Wüste. Den Krempel an der Garderobe abzugeben, darauf habe ich allerdings auch nicht wirklich Lust, schließlich wird nach dem Konzert dort wiederum ein Wahnsinns-Gedränge herrschen. Also heißt es schwitzen – aber was soll’s, für Opeth kann man auch mal ölen.

Cynic

Cynic, die zweite Band des Abends, machen eine gute Figur. Ein bisschen vorbereitet habe ich mich auch, indem ich auf deren MySpace-Seite mal ein wenig in deren Musik reingehört habe. Die Amis gibt es ja schon etwas länger und mit ihrem sehr jazzigen, verfrickelten Prog Metal sind sie auf ihre Art sogar noch abgefahrener als Opeth.
In jedem Fall ein solider und interessanter Auftritt, der von den Fans auch mit anerkennendem Beifall honoriert wird.

Opeth

Als der Main-Act dann endlich die Bühne betritt, ist es bereits 22.40 Uhr. Der Jubel ist dementsprechend groß. Da der Laden brechend voll ist, herrscht sowieso eine Bombenstimmung. Einmal mehr wird somit deutlich, wie groß diese Band geworden ist, was ich keineswegs als selbstverständlich ansehe, schließlich handelt es sich hier immer noch um eine Gruppe mit extremem Gesang und größtenteils ziemlich komplexen und langen Stücken. Aber nachdem man fast drei Stunden bis zur Hauptband hatte warten müssen, gibt es nun gleich doppelt Anlass zum Durchdrehen.

„Heir Apparent“, der Quasi-Opener vom neuen Album „Watershed“, markiert wegen seines anfangs eher getragenem Tempo aus meiner Sicht einen ungewöhnlichen Einsteiger ins Set, ist aber trotzdem bestens zum Headbangen geeignet.
Es folgt das herrlich böse, satanische „The Grand Conjuration“ vom Vorgänger „Ghost Reveries“ und bereits jetzt bin ich völlig erledigt. Das ist natürlich kein Grund, mit dem Headbangen und Luftgitarre-spielen aufzuhören, zumal Mikael Akerfeldt „Godhead’s Lament“ ankündigt. Ich drehe komplett am Rad, brüll meinem Nachbarn nur ins Ohr: „Wie geil ist das bitte? Hammer!“ und freu mich, als hätte der HSV gerade die Meisterschaft geholt.
Für mich ist es das fünfte Mal Opeth live und außer „Face Of Melinda“ hab ich noch nie etwas von meinem Lieblingsalbum „Still Life“ auf der Bühne hören dürfen.

Inzwischen hat auch der Soundmann auch Mikaels wildes Gestikulieren verstanden und macht den zu Beginn viel zu leisen Gesang endlich lauter. Jetzt kann man mit dem Sound leben, auch wenn mir von Leuten, die weiter vorne standen, berichtet wurde, die Bässe seien immer noch etwas zu dominant.

Aber egal, trotzdem ist der Auftritt einfach nur ein einziger Rausch der Glückseligkeit und Mikael macht wie üblich seine lustigen Ansagen und kommuniziert auf seine kumpelhafte Art mit dem Publikum. So erzählt er etwas von Tattoos auf dem besten Stück des Mannes und gibt zu, noch nie auf der Reeperbahn gewesen zu sein. „Is it good there?“, will er wissen, was mit dem Zwischenruf „Yeah, but don’t tell your wife“ von Seiten meines Bruders quittiert wird.

Dann feiert Akerfeldts derzeitiger Opeth-Lieblingssong (laut Opeth-Website), die Achterbahnfahrt „The Lotus Eater“, seine Hamburger Livepremiere, bevor man die Menge mit „Hope Leaves“ etwas verschnaufen lässt. Dafür drehen bei „Deliverance“ mit seinem unglaublichen End-Riff wieder alle durch, genauso wie bei „Demon Of The Fall“, das bereits als letzter Song angekündigt wird. Wie bitte? Jetzt schon? Das ist doch nicht euer Ernst. Oder dürfte das mit dem verspäteten Beginn zusammenhängen?

Na ja, einmal kommt die Band noch zurück, um das grandiose „The Drapery Falls“ zum Besten zu geben, danach ist allerdings wirklich Schicht im Schacht. Gute 95 Minuten sind zwar okay, aber ein, zwei Songs mehr hätten schon drin sein können, zumal ich später über das Internet entdecke, dass man beispielsweise in London dieselbe Setlist in derselben Reihenfolge spielte, nur dass man zwischen „The Lotus Eater“ und „Hope Leaves“ noch „Bleak“ eingeschoben hatte.
Das ist natürlich ein bisschen gemein, aber bei Konzertende ist es auch schon 0.20 Uhr – einmal mehr also ein herzliches Dankeschön an die „tolle“ Organisation der Markthalle.

Trotzdem soll hier nicht der Eindruck einer Enttäuschung entstehen, denn Opeth können live eigentlich gar nicht enttäuschen. Das Konzert hat Riesenspaß gemacht und als Location mag ich die Markthalle trotz allem. Nicht nur wir verlassen die Halle mit einem zufriedenen Grinsen und sogar ein T-Shirt ist heute mal wieder drin. Preise von 15 bis 20 Euro sind mehr als vertretbar, da können sich viele andere Bands eine Scheibe abschneiden.
 
Setlist:

Heir Apparent
The Grand Conjuration
Godhead’s Lament
The Lotus Eater
Hope Leaves
Deliverance
Demon Of The Fall
------------------
The Drapery Falls

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