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Opeth, Anathema im Konzert (Hamburg, November 2012)

Freaks auf dem Kiez

Live eine Bank: Anathema

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Man kann kaum glauben, dass Opeth-Mastermind Mikael Åkerfeldt eine glückliche Ehe führt. Zu Hause hat er eine Frau und zwei Töchter, doch stellt sich die Frage, wann er überhaupt Zeit für seine Lieben hat, da er sich mit seiner Band permanent auf Tour befindet. In einem Interview, das The-Pit.de mit Zweitgitarrist Fredrik Åkesson wenige Stunden vor der Show führte und das demnächst ebenfalls hier zu lesen sein wird, erklärte dieser, dass das heutige Konzert bereits das 152. der „Heritage“-Tour sei – eine Menge Holz, die Jungs müssen wirklich sehr tolerante Frauen haben.

Im Rahmen der „Heritage“-Rundreise ist es nun auch schon das zweite Mal, dass die Schweden in Hamburg gastieren, nachdem man erst im letzten Dezember in der Hansestadt aufschlug. Damals spielte das Quintett konsequent ausschließlich Songs ohne Growls, doch wer dachte, Opeth würden ihre Vergangenheit von nun an komplett ignorieren, sah sich glücklicherweise bereits auf den diesjährigen Festivals getäuscht, als auch wieder Stücke mit todesmetallischen Elementen Berücksichtigung fanden. Zweimal wartete man auf dem momentanen Tourabschnitt in Deutschland zwar auch mit Unplugged-Shows auf (in Frankfurt und in Bochum), die anscheinend nicht gerade nach Meinung aller Fans besonders großartig waren, doch bei den restlichen Dates war die Ankündigung, es definitiv ordentlich krachen zu lassen.

Als Support fungieren die Engländer Anathema, die ebenfalls innerhalb weniger Monate zum zweiten Mal Hamburg beehren, und gerade zur neuen musikalischen Ausrichtung von Opeth gut passen - so oder so ein tolles Doppelpack!

Anathema

Wieder einmal etwas früher als auf den Eintrittskarten vermerkt betreten die Cavanagh-Brüder und ihre Mitmusiker die Bühne – zum Glück jedoch nur fünf Minuten, so dass diesmal wenigstens keine Tirade vonnöten ist wie zuletzt des Öfteren. Mit einem Klassiker legen Anathema los, „Deep“, der Opener des von vielen als bestes Album der Band angesehenen „Judgement“, markiert die Set-Eröffnung und dass der Laden bereits ganz gut gefüllt ist, verwundert nicht, schließlich sind die Liverpooler mittlerweile auch schon lange im Geschäft und keine Unbekannten mehr – und machen wir uns nichts vor: Im Prinzip ist diese großartige Band viel zu schade, um als bloßer Opener verheizt zu werden. Gut gelaunt sind sie trotzdem, vor allem Fronter Vince und Bassist Jamie fahren zwischendurch immer mal wieder ein paar gesunde Headbang-Attacken auf, während Gitarrist und Hauptsongwriter Danny sich weitestgehend darauf beschränkt, hin und wieder ins Publikum zu lächeln. Für Opeth kann man auch schon mal die Vorband machen, zumindest bedankt sich Danny gegen Ende der Darbietung bei Åkerfeldt und seinen Jungs, die, wie er sagt, nicht nur musikalisch fantastisch seien, sondern vor allem – was noch viel wichtiger sei – richtig nette Typen.

Für den zweiten Song des Sets, „Thin Air“ (wiederum ein Opener, diesmal von der 2010er „We’re Here Because We’re Here“), kommt dann auch Sängerin Lee Douglas auf die Bühne und verzaubert einmal mehr mit ihrer makellosen Stimme – und in ihrem silbernen Glitzerkleid sieht sie auch noch atemberaubend aus. So richtig gefeaturet werden kann sie heute allerdings nicht, da Anathema natürlich wesentlich weniger Spielzeit haben als noch im April im Knust, und beispielsweise der traumhafte „Lightning Song“, den sie ja alleine performt, nicht gespielt wird. Stattdessen wird mit „Untouchable Part 1“ der nächste Albumopener präsentiert, dem der zweite Teil sogleich folgt.

Vincent singt wie immer sehr gut und sehr emotional und bewegt sich charismatisch über die Bühne; auch der Sound ist erfreulich brauchbar, und spätestens beim harten Endteil von „A Simple Mistake“ und dem hypnotischen „Closer“, das so untypisch für die Gruppe ist und trotzdem – oder gerade deswegen – längst zum Livestandard avanciert ist, sind auch die letzten Schnarchnasen dabei und feiern die Combo ab. Wie erwähnt, harmonieren die beiden Bands stilistisch durchaus, so dass es eine nicht unerhebliche Schnittmenge aus beiden Fanlagern geben dürfte; viele sind sicherlich für beide Bands gekommen, weswegen Anathema sich sehr wohlwollender Reaktionen erfreuen dürften.

Die Forderung nach ganz altem Material aus ihrer Doom-Metal-Zeit, die vereinzelt aus dem Publikum zu hören ist, wird übergangen; wie um diese Leute zu ärgern, spielt Danny lediglich kurz ein Riff von damals an, um dann aber grinsend abzuwinken. Stattdessen wird lieber ein wenig darüber philosophiert, dass auf dem Kiez einst die Beatles auftraten und hier richtig groß wurden, und am Ende des letzten Stückes „Fragile Dreams“ – einem Song für die Ewigkeit mit seinen ebenso wunderschönen wie eingängigen Melodien – singt Vince noch kurz den Beatles-Evergreen „A Hard Day’s Night“ an. Kein Zweifel, Anathema sind live genauso eine Bank wie die Band, die gleich nach ihr die Bretter betreten wird – man kann ihrer gar nicht überdrüssig werden. Wer behauptet, diese Gruppe sei zu soft oder gar langweilig, hat schlichtweg keine Ahnung – ’nuff said!

Setlist:

Deep
Thin Air
Untouchable Part 1
Untouchable Part 2
A Simple Mistake
Closer
Fragile Dreams

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