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Opeth, Amplifier im Konzert (Berlin 2006)

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Opeth wollen anscheinend einen Preis als die Band gewinnen, die ein Album am längsten live supportet. Immerhin hat „Ghost Reveries“ bereits 16 Monate auf dem Buckel und die Schweden sind damit immer noch auf Tour. Vereinzelte Tage waren sie sicherlich zuhause, doch insgesamt wurden die letzten Monate „on the road“ verbracht. Und das merkt man ihnen sofort. Nicht das hier von Ermüdungserscheinungen gesprochen werden darf, das nicht. Es ist eher das Lässige, wie sie auch mit einer ausverkauften Halle umgehen, dabei einen professionellen und trotzdem spontanen Gig durchziehen. Opeth verzichten auf überirdische Bühnenaufbauten oder sonst irgendwelchen optischen Schnickschnack. Eine abgestimmte Lichtshow und die eigentliche Atmosphäre während der Songs reicht aus, um hier von ganz großem Kino sprechen zu können. Klar sind die Skandinavier keine neue Band am Musikhimmel, jedoch haben sie in den letzten zwei Jahre erst den großen Sprung nach oben geschafft. Ein Beispiel dazu? Für die laufende Tour wurde der Columbia-Club in Berlin gebucht. Die gleiche Stätte, wo Opeth vor knapp einem Jahr schon zu sehen waren. Damals sind eine handvoll Leute nicht mehr reingekommen, da komplett ausverkauft. Heuer war der Columbia-Club schon weit früher restlos bedient. Kurzerhand verlegte man die Show in den Postbahnhof in Berlin. Da passen 1000 Leute rein und sollte doch eigentlich ausreichen dachte man sich. Pustekuchen, wieder restlos ausverkauft. Und das soll doch schon was heißen denke ich.

 

Doch bevor die Schweden ihre Songs in die Massen tönen konnten, schafften sich als Opener Amplifier aus Manchester, England. Es scheint das Los einer jeden Vorband von Opeth zu sein, in Berlin schon vor dem offiziellen Beginn auf die Bühne zu müssen. Beim letzten Mal waren es Extol, die eine halbe Stunde vor Beginn auf die Bühne gejagt wurden. Jetzt eben Amplifier, die zwar nur 15 Minuten früher ran mussten, doch immerhin. Der ein oder andere war da noch draußen mit Getränke holen oder quatschen beschäftigt.

Aber was solls, schließlich war die Halle schon zu etwa 80% gefüllt. Und das ist für den Opener beachtlich. Mir selber sagte die Band nur vom Hörensagen etwas. Ihr progressiver Psychedelic Rock mit viel Stoner Rock gemischt ist dann auch nicht wirklich meine musikalische Lieblingsbaustelle. Klingt ein bisschen nach Porcupine Tree, A Perfect Circle oder manchmal nach Tool. Obwohl es von der Mucke her zwischen Opener und Headliner heute Abend doch Parallelen gibt, will der Funke nicht gänzlich überspringen. Der anfängliche Höflichkeitsapplaus steigerte sich zwar noch ein bisschen, doch wirkliche Begeisterung blieb aus. Die drei Mannen bemühten sich redlich, jedoch sieht es bei drei Akteuren auf der Bühne doch naturgemäß etwas mager aus mit einer ordentlichen Show. Zumal ja der Drummer logischerweise hinterm Kit gefangen ist und der Gitarrist aufgrund des Gesanges nur selten vom Mirkoständer weg kann. Einzig der Bassmann spielte sich in einen rauschähnlichen Zustand mit allerlei Körperfasching.

Trotzdem haben Amplifier einen wirklich fantastischen Sänger mit einer geilen Stimme in ihren Reihen. Das muss ich zugeben. Das Zusammenspiel zwischen glasklarem Sound, einer effektiven Lichtshow und dieser Prise Melancholie in ihren progressiven Song- und Melodielinien sorgen für ordentlich Atmosphäre. Da hat die Band nach 35 Minuten sicherlich ein paar Leute auf sich aufmerksam gemacht. Würde ich drauf wetten. Na mal sehen, was aus der Band noch wird…

 

Dann war logischerweise Umbaupause angesagt. Aber warum diese Feststellung? Weil ich das Gefühl habe, dass alle Soundtechniker zur Zeit auf dem Johnny Cash-Trip sind. Schon letztens bei Vader oder Amon Amarth ist mir aufgefallen, dass in den Umbaupausen dauernd good old Johnny zu hören war. Hm, vielleicht ist das auch eine große Marketingstrategie der Plattenfirma…nichts Genaues weiß man nicht.

 

Umbaumucke hin oder her…der Headliner war jetzt endlich dran. Opeth, Opeth-Sprechchöre schon in der Umbaupause sorgten dafür, dass die Musiker mit einem breiten Grinsen die Bühne betraten. Und der Jubel wollte einfach nicht verstummen. Beeindruckend.

 

Besonders auffällig war, dass sich hier Fans jeden Alters versammelten. Frisch geschlüpfte Jungmetaller standen neben gestandenen Metalfreaks und die wiederum neben ergrauten Hardrockern. Also mal wieder eine Band, die nen perfekten Brückenschlag zu allen Generationen hinbekommt.

 

„Ghost Of Perdition“ hieß es dann auch gleich mit voller Wucht Richtung Menschenmasse. Bleibt zu hoffen, dass sich die Setlist nicht wie vor einem Jahr liest, wo sie auch mit dem Titel angefangen haben. Aber den Großteil der Fans interessiert das nicht. Frenetischer Jubel und Fanchöre bei den cleanen Passagen – das ist das vorherrschende Bild. Soundtechnisch machte sich der Wechsel in den Postbahnhof deutlich bemerkbar. Absolute Weltklasse wie sich alle Details im Sound in der Halle auflösen. Noch so zerbrechliche Gesangspassagen gehen nie im Instrumentenwust unter, trotzdem bleiben die Klampfen stets druckvoll und präsent.

 

Hier wird eindeutig klar, dass Berlin ein wirklich geiles Pflaster für die Band ist. Von den überschwänglichen Reaktionen, die jedem Song folgten, brauch ich hier nicht reden denke ich. So gab es dann einen moderaten Querschnitt durch die meisten Alben der Bandkarriere. Ok, so einfach ist das bei den ausufernden Kompositionen von Opeth gar nicht. Das fand auch Mikael Akerfeldt, der meinte, dass andere Bands vielleicht drei Songs je Set mehr schaffen würden als Opeth, weil bei ihnen die Songs doch etwas länger sind. Naja, zu seiner Ironie in den Ansagen später mehr.

„The Night And The Silent River“ und „The Grand Conjuration“ will ich mal als größte Perlen der regulären Setlist anführen. Den vorläufigen Schlusspunkt setzte dann „Blackwater Park“, welches noch mal für richtig Bewegung in der Bude sorgte. Doch jedem war klar, dass hier eine Zugabe fällig sein musste.

 

Und genau diese kam auch in Form von „Deliverance“ einem absolut übermächtigen Song. Gehört definitiv zu den besten Stücken, die die Band je geschrieben hat. Kollektives Ausrasten war angesagt. Bis hinten gab es nur vereinzelte Personen, die sich nicht bewegten. Warum auch immer.

 

Nach knapp zwei Stunden war dann Schicht im Schacht. Was bleibt ist die Gewissheit, dass man hier ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk bekommen hat. Absolut fetter Gig und in meiner Alltime-Favorit-Gigliste ganz weit oben. Übrigens auch ein geiler Konzertabschluss meinerseits für 2006, denn nach so vielen Festivals und Konzerten in diesem Jahr hab ich die Nase voll. Irgendwann ist auch mal Schluss hehe.

 

Erwähnung sollten hier aber noch die ironischen oder einfach nur lustigen Monologe des Herrn Akerfeldt zwischen den Songs finden. Damit schafft er es immer wieder, eine Mischung aus Stand-up-Comedy und kurzweiliger Verschnaufpause zu kreieren. Und mal ehrlich…Lachen ist gesund. Hier also ein paar Beispiele:

Herr Ackerfeldt stellt seine neue Gitarre vor, lobt deren Schönheit über Minuten und gibt gleich zu bedenken, dass die keineswegs schwul aussieht.

Ein andermal gibt er zu Protokoll, dass Opeth aus Stockholm, Schweden kommen. Er fragt das Publikum nach anderen Bands aus Stockholm. Mit dem Angebot von Abba und Europe lag er weit daneben. Katatonia, Dismember, und Konsorten setzten jedoch Jubelschreie frei.

Wichtig war auch die kleine Exkursion in die Welten des Stimmens einer Gitarre und wie wichtig die E-Seite doch für jede Death Metal-Band sei, weil doch darauf alle Songs basieren würden.

Die Krönung war jedoch die Story zum Song „Deliverance“. Nach seinen Erzählungen ist es eigentlich ein Song von den Scorpions. Jedoch war ihnen dieser vor 20 Jahren zu soft und zu langsam. Also haben sie ihn dann vor kurzem an eine kleine dumme Band namens Opeth aus Schweden verkauft. So kanns gehen, haha.

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