Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Opeth, Alcest im Konzert (Hamburg, November 2014)

Immer wieder ein Erlebnis!

Opeth

Etwa viertel vor acht betritt der Headliner die Bühne, umjubelt vom inzwischen wirklich sehr zahlreichen Publikum, das erwartungsgemäß recht gemischt daherkommt. Nicht so durcheinandergewürfelt wie bei Blues Pills vor einigen Wochen vielleicht, aber doch auffällig bunt durch alle Sparten. Mikael Åkerfeldts Stimme erschien schon beim Interview kurz vor der Show (demnächst auf The-Pit.de zu lesen) etwas heiser, sodass man befürchten musste, dass in dieser Hinsicht deutlich Abstriche gemacht werden müssen – zum Glück aber hält es sich in Grenzen. Gerade zu Beginn des Konzerts hat er ein paar Probleme, steigert sich im Laufe des Gigs aber deutlich; gerade in solchen Situationen braucht ein Sänger häufig ja auch ein bisschen, um erst in das Set quasi reinzufinden.

Mit „Eternal Rains Will Come“ und „Cusp Of Eternity“ eröffnen zwei Songs des neuen Albums das Set, das man ähnlich wie seinerzeit bei der Jubiläumstour vor vier Jahren als Querschnitt durch das gesamte Schaffen angelegt hat. Von jedem Album wird letztlich ein Stück gespielt, lediglich die Debütscheibe „Orchid“ wird ausgeklammert. So folgt auf „Cusp Of Eternity“ in Form von „Bleak“ der erste Klassiker und somit auch der erste Song, bei dem Åkerfeldt die Growls auspackt. Und die immer wieder kolportierte Behauptung, er würde sich in dieser Disziplin inzwischen mehr schlecht als recht schlagen, wird erneut ad absurdum geführt. Wie gesagt, er hat anfänglich seine Schwierigkeiten, aber insgesamt klingt das immer noch sehr mächtig und überzeugend.

Überzeugend ist glücklicherweise auch der Sound, auch wenn es zwischendurch einmal kurz mit Fredrik Åkessons Gitarre Schwierigkeiten gibt; „we had technical issues on every show so far“, erklärt Åkerfeldt daraufhin – ein trauriger Rekord, aber heute gibt es ansonsten keine gravierenden Probleme. Im Gegenteil, alle Beteiligten haben sichtbaren Spaß und natürlich lässt es sich Mikael nicht nehmen, wieder jede Menge Blödsinn zu verzapfen, das ist ja für viele ein ebenfalls nicht unerheblicher Grund, ein Opeth-Konzert zu besuchen. So meint der Frontmann, der Kiez sei eigentlich eine Touristenfalle für Familien. Nach dem Motto: „Okay, let’s go to the museums, then we have lunch and after that we check out the whores“.

Seine Kommunikation mit dem Publikum ist und bleibt einzigartig, wobei die Leute in den Songpausen alles Mögliche zwischenschreien, in der Hoffnung, dass Åkerfeldt irgendwie lustig darauf reagieren wird. Es ist inzwischen ja schon so weit, dass wirklich über jeden Scheiß, den er sagt oder macht, gelacht wird, selbst wenn er bloß ankündigt, dass er jetzt einen Schluck Wasser trinkt und man danach den nächsten Song spielt. Sehr amüsant ist in jedem Fall die Anekdote, als jemand vorne einen gellenden Power-Metal-Schrei bringt und der Opeth-Boss feststellt: „Ah, King Diamond is here“. Anschließend erzählt er, dass ihr Gitarrentechniker Per „Sodomizer“ Eriksson (auch als Gitarrist für Bloodbath tätig) in einer King-Diamond-Coverband spielen würde, „wo er King Diamond ist“. Sodomizer, bis vor kurzem auch als Gitarrist für Katatonia aktiv, darf sich daraufhin Applaus vom Publikum abholen – kommt wohl auch nicht so häufig vor, dass Crewmitglieder Extraapplaus bekommen.

Doch apropos Publikum: Zwischen den Songs herrscht wahnsinnige Ausgelassenheit, während der Stücke jedoch scheint es (aber das kann auch täuschen, wenn man sich selbst an einer Stelle befindet, wo die meisten Leute nur dastehen), als sei ein Großteil der Anwesenden nahezu apathisch. Wie kann man bei Götterepen wie „The Moor“ oder „Advent“ einfach nur mit verschränkten Armen das Geschehen verfolgen und nicht mal ein wenig Headbangen betreiben? Unbegreiflich, doch im zweiten Teil taut die Masse ein wenig auf; nachdem beim herrlichen und lange nicht mehr gehörten „Windowpane“ zwischendurch Entspannung angesagt war, gehen bei „April Ethereal“, der unfassbaren Achterbahnfahrt „The Lotus Eater“ und insbesondere beim dämonischen „The Grand Conjuration“, bei dem Keyboarder Joakim Svalberg an die Percussions wechselt, dann endlich doch ein paar mehr Leute steil. Und als die Schweden danach die Bühne verlassen, werden sie selbstverständlich lautstark zurückgebrüllt, um mit der Zugabe „Deliverance“ (Åkerfeldt: „We will play one more song. It’s two days long.“) die Große Freiheit 36 in Schutt und Asche zu legen. Dabei wird außerdem die komplette Band vorgestellt, bei der Mikael selbst sich – nicht zum ersten Mal – Udo Dirkschneider nennt, was augenblicklich „Udo“-Sprechchöre initiiert.

Ja, Auftritte dieser Ausnahmeband sind immer ein Erlebnis, selbst wenn man sie vorher schon ein Dutzend Mal gesehen hat. Nicht nur wegen Åkerfeldts Entertainerqualitäten, sondern in erster Linie wegen der Intensität, der Performance dieser grandiosen Musiker und natürlich wegen des Songmaterials. Bei jeder Tour gibt es immer wieder neue Überraschungen – mit „Advent“ oder „The Grand Conjuration“ hätte ich persönlich jedenfalls nicht gerechnet, und dass man bei den neuen Stücken angesichts von Åkerfeldts Heiserkeit auch bei diesem Konzert beim schwer zu singenden „Elysian Woes“ geblieben ist, war ebenfalls nicht zu erwarten. Gerne hätte ich „Moon Above, Sun Below“ live gehört, aber man kann schließlich nicht alles haben. Nächstes Mal vielleicht.

Setlist:

Eternal Rains Will Come
Cusp Of Eternity
Bleak
The Moor
Advent
Elysian Woes
Windowpane
The Devil’s Orchard
April Ethereal
The Lotus Eater
The Grand Conjuration
---------------------------
Deliverance

Seite
  • 1
  • 2
comments powered by Disqus