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Oomph!, Samsas Traum im Konzert (Berlin 2006)

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Eine halbe Stunde vor Einlass und es sind gerade einmal um die 200 Personen anwesend. Dabei spielen doch Oomph! und Samsas Traum auf. Erstgenannte Band hatte erst letztes Jahr einen umwerfenden Erfolg mit dem Album „Wahrheit oder Pflicht“ und erregte auch mit ihrer letzten Single „Gott ist ein Popstar“ eine Menge Aufsehen. Letztere sind bekannt für ihre fanatischen Fans aus den Reihen der Gothics. Nun gut, wir haben Dienstag Abend, das arbeitende Volk muss ausgeruht sein für den folgenden Tag. Des Weiteren findet das Konzert in der nicht ganz so beliebten Columbiahalle statt, aber viele Ausweichmöglichkeiten in dieser Größenordnung gibt es in Berlin nicht.

 

Trotz der wenigen Leute war gut zu tun. Flyerverteiler gingen um und auch das Team des französischen Oomph!-Fanclubs versuchte mehr schlecht als recht einige Fans der Band zu interviewen. Jaja, wenn Franzosen und Deutsche versuchen, Englisch zu reden.

Drinnen angekommen schaut man sich erst einmal in der fast leeren Halle um, die man ja sonst selten in dieser Weise zu Gesicht bekommt. Die Ränge sind den Kameras und Scheinwerfern vorbehalten. Ob hier wohl heute eine DVD gedreht wird? Wenn ja, dann habe ich böse Befürchtungen.

 

Es eröffnet die Band mit dem kompliziert geschriebenen Bandnamen a_liFe [DivideD]. Sie präsentieren druckvollen Nu Metal mit ein paar elektronischen Samples. Aber auch die Melancholie kommt nicht zu kurz, vor allem im Gesang. Eine ganze Menge Lob aus der Fachpresse konnten sie schon einheimsen – und das zu Recht. Eine solide, knackige Show wird heruntergezockt und begeistert damit noch so manchen treuen Oomph!-Anhänger. Hightlight: Ein Coversong von Alphaville mit Original-Sänger Marian Gold am Mikrofon.

 

Samsas Traum und insbesondere Mastermind Alexander Kaschte sind bekannt für ihren fanatischen Fankreis. Dies hält sich beim heutigen Konzert zum Glück in Grenzen. Auf der anderen Seite könnte ich es aber auch keinem Die Hard-Samsas Traum-Fan verübeln, wenn er an diesem Abend wenig ekstatisch gewesen ist. Der Fünfköpfer (inkl. neuem, peinlichem Zweitkeyboarder „Psycho666“) bringt kaum Atmosphäre rüber. Begonnen wird mit dem Song „Es war einmal“, der mit der Textzeile „ich werde Taliban“ besonders gut im Gedächtnis geblieben ist. Großes Manko: Der Sound. Bei a_liFe [DivideD] noch äußerst gute Qualität, hat Samsas Traum jetzt das Los der Band mit dem miesesten Sound gezogen. Das Saxophon hört man fast gar nicht, die Gitarre könnte mehr Druck vertragen, Alex' Gesang kommt auch nicht perfekt rüber und insgesamt ist einfach alles zu leise. Ein wahrlich enttäuschender Auftritt, nicht nur für Nichtkenner.

 

Lange, lange Zeit lassen sich die neuen Popstars am Gothic-Himmel nicht blicken. Doch dann, endlich, kommen die Musiker auf die Bühne. Will heißen die zwei Saitenspezialisten Crap und Flux, in edlen Mänteln, noch nach den Gastmusikern, die Schlagzeug und zweite Gitarre bedienen. Als letztes kommt Publikumsliebling und Sänger Dero auf die Bühne – in weißer Irrenhauskluft. So etwas hat Stil und ergänzt sich wunderbar mit seiner Mimik und Gestik auf der Bühne. Für einige Eindrücke schaue man sich die Bilder an. Songtechnisch ist eine große Bandbreite dabei, selbstverständlich mit Hauptaugenmerk auf der letzten Platte „GlaubeLiebeTod“. „Ich weiß du willst es doch auch“ und „Die Schlinge“ inkl. Mundharmonika-Intro vom Band bekommen viel Applaus, aber noch mehr ab geht das Publikum, welches sich überwiegend aus Mädchen und Frauen zusammensetzt, bei älteren Songs wie „Fieber“ und „Unsere Rettung“. Selbst die Songs vom letzten Hitalbum wie „Wenn du weinst“ und „Sex hat keine Macht“ werden wohlwollend aufgenommen. Die befürchtete DVD-Aufnahme scheint sich zu bewahrheiten, denn vom Rang wird eine verlängerte Über-die-Köpfe-der-Zuschauer-Schwenkkamera geführt. Am Bühnenrücken unterstützt eine Videoinstallation den industriell-brachialen Sound der Wolfsburger, der mit ordentlich Druck daherkommt. Scheinbar zu viel Druck für die Musiker. Denn wie ich schmerzhaft feststellen musste sind die Monitore dem Publikum und somit auch dem herben Getümmel im Fotograben zugewandt. Aua! Jedenfalls hat die Band das Publikum auf seiner Seite, auch wenn es für eine DVD-Aufzeichnung wohl nicht optimal ist.

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