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One Fine Day, Royal Republic, Donots im Konzert (Heidelberg, Oktober 2010)

Trotz studentisch angehauchtem Publikum ging ordentlich die Post ab
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Donots

Eine knappe halbe Stunde dauert das Umbauen und schon jetzt ist die Luft in der Halle 02 zum Schneiden dick. Während One Fine Day-Drummer Erik-Mac und Royal Republic-Schlagwerker Per noch aussahen, als würden sie auf Kinderstühlchen sitzen, darf nun endlich das große Drumset ausgepackt werden. Die Lichtshow, die OFD schon zu rockigeren Ausflügen verhalf und auch den Schweden gut zu Gesicht stand, darf nun pompöser ausgerichtet und eingesetzt werden. Entsprechend episch fällt der Auftakt mit „Changes“ und großartigen Lichteffekten aus. Gänsehaut gibt es bei Intros live des Öfteren mal, aber so etwas hat man wirklich schon lange nicht mehr erlebt. Dabei erinnert das Stück fast ein bisschen an 30 Seconds To Mars, vor allem, weil bei Sänger Ingo hier große Gesten und große Stimme Hand in Hand gehen. Mit „Calling“, der ersten Single des aktuellen Albums, schieben die Jungs gleich einen Gassenhauer hinter und geben den Leuten reichlich Gelegenheit zum Ausrasten. Die Halle kocht, der Schweiß läuft und, meine Freunde, wir sind erst beim zweiten Song!

Leider schluckt die Bassdrum einen kleinen Teil des Gesangs. Was die Soundmenschen sich dabei wohl gedacht haben? Das klang neulich bei den Hardcore-Haudegen von Sick Of It All noch sehr viel differenzierter, schade. Das tut der guten Laune aber keinen Abbruch: Vor lauter klatschenden Händen sieht man Ingo kaum noch, obwohl der ohnehin nicht gerade hünenhafte Sänger sich schon auf einer der kleinen Rampen am Bühnenrand postiert hat, die von ihm und seinem Bruder Guido an den Saiten mit zunehmender Begeisterung in Beschlag genommen werden. Nachdem Ingo die anwesende Meute mit seinem Geständnis geschockt hat, per SMS über die neuesten Storys beim Fernseh-Event „Schwiegertochter gesucht“ aufgeklärt zu werden – kleiner Tipp von mir: Punkrock ist was anderes! – wird ein Song angekündigt, den die Donots „bestimmt schon sechs Jahre“ nicht mehr live gespielt haben. Dementsprechend frenetisch wird „We Got The Noise“ umjubelt und überhaupt ist es Wahnsinn, was die Leute bei diesen Temperaturen leisten: Auf das geringste Zeichen der Bandmitglieder wird geklatscht und Körpergulasch fabriziert. Die Crowdsurfer machen sich bereit zum fröhlichen Tanz in luftigen Höhen und im Gegensatz zu One Fine Day zu Beginn des Abends funktionieren jetzt bei „Pick Up The Pieces“ auch die Circle Pits einwandfrei, die sich durch die komplette Halle ziehen - was für ein Anblick. Bei so viel Bewegung ist es kein Wunder, dass im Konzertraum inzwischen gefühlte und gerochene 50 Grad herrschen. Trotzdem singen die Fans zeitweise fast lauter als Ingo, der dem Ganzen ein wenig überrascht gegenüber zu stehen scheint.

Ein Herz für Tiere wird von den vegetarischen Donots eingefordert, als ein Stoffpferdchen auf wilde Crowdsurfing-Tour geht und tatsächlich heil und mit allen vier Beinen wieder auf die Bühne zurückkehrt. Nachdem der Tierliebe genüge getan wurde, kann man sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren und startet direkt die erste und – soweit ich sehen konnte – einzige Wall Of Death des Abends. Das ist in so kleinem Raum mutig, aber trägt immer wieder sehr zum Vergnügen aller Anwesenden bei. Das gleiche Spielchen, das auch schon Royal Republic in Slipknot-mäßige Gefilde hat tendieren lassen, wird auch jetzt durchgezogen: Hinhocken, abwarten, aufspringen – es ist immer wieder ein Bild für Götter, wenn eine ganze Menschenmasse auf einmal in Bewegung kommt. Endgültiges Gänsehaut-Feeling kommt auf, als bei „Stop The Clocks“ die komplette Halle aus vollem Hals mitsingt – das geht jetzt auch wieder, nachdem kästenweise Mineralwasser unter das Volk gebracht wurde, was ich übrigens sehr sozial von den Jungs finde. Normalerweise sind Bands eher sparsam mit den ihnen zugedachten Flüssigkeitsvorräten, aber hier wird brüderlich geteilt. Wer sich zwischendurch wundert: Ja, die Jungs haben nicht nur James Brown mit in die Setlist gepackt („I Feel Good“), sondern zollen auch dem deutschen Hip Hop mit einem kleinen Abstecher Tribut („Türlich Türlich“). Dass die Donots nicht ohne Zugabe verschwinden, ist klar: „Let It Go“ gibt es sogar mit zünftigem Mundharmonika-Einsatz von Ingo! Es klingt gar nicht mal schlecht, auch wenn uns die Luft in der Halle zwingt, das Weite zu suchen. Wie ich hörte, wurde noch „We’re Not Gonna Take It“ zur Zugabenliste dazugepackt – der einzige Song von den Jungs, auf den wahrscheinlich die Hälfte der Konzertbesucher hätte verzichten können.

Übrigens, liebe Lichtmenschen: Ihr habt euch selbst übertroffen. Mit der Lichtshow könnte man ein ganzes Fußballstadion bis in die letzte Ecke ausleuchten. Noch Stunden später habe ich kleine schwarze Punkte vor der Linse. Aber schön war es trotzdem.

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