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Obscura, Spawn Of Possession, Gorod, Exivious im Konzert (Köln, April 2012)

Ein Abend voll harter komplexer Musik sowie einer Menge Blödsinn

Exivious überzeugten mit einer eigenständigen Mischung aus Jazz, Fusion und Metal

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Die Technical-Death-Metaller Obscura gehören spätestens seit ihrem dritten Schaffenswerk "Omnivium" ganz klar zu den größeren Kalibern der Szene. Die Platte ist im März 2011 erschienen und ein Jahr später gönnt sich die vierköpfige Truppe eine groß angelegte Tour durch halb Europa. Mit Exivious, Gorod und Spawn Of Possession hatten die Münchner außerdem einen hochkarätigen Support an Bord, der sich keineswegs vor den Headlinern verstecken muss, sondern sich genauso mit deren Material messen kann. So hat sich die Multikulti-Fraktion mit technischer Ausrichtung Anfang März 2012 aufgemacht zur "Omnivium Europe 2012"-Tour und hat am 7. April, am letzten Konzertabend, auch Halt im Underground Club in Köln gemacht. Dabei wurde vorher während der einmonatigen Tour durch die umliegenden Länder kein einziges Day-Off eingelegt und das merkt man zumindest den Headlinern auch ein wenig an. Nichtsdestotrotz konnte sich die Performance der Bands sehen lassen.

Allerdings schien in dem mit rund 200 Leuten gefüllten Club verhältnismäßig wenig los zu sein, richtig Stimmung kam jedenfalls nur gelegentlich und vor allem erst gegen Ende hin auf, Bewegung war in der Menge kaum vorhanden. Kopfnicken schien das Gebot der Stunde zu sein. Mal ganz ehrlich, wer ein Technical-Death-Metal-Konzert besucht, sollte kein ekstatisch um sich moshendes Publikum erwarten und Tech Death mit all seinen hohen Ansprüchen, vertrackten Arrangements, ausgefeilten Riffs und rhytmischen Spielereien lädt natürlich viel eher zum Zuhören, zum Analysieren und zum Genießen als zum Moshpit ein und daher ist es verständlich, dass während der Songs hauptsächlich im Takt genickt und vereinzelt geheadbangt wird. Dennoch war das eine recht schwache Leistung vom Kölner Publikum am Samstagabend im Underground, die platte Stimmung und der flaue Applaus, da hätte man sich doch mehr erhofft vom letzten Tourkonzert. Immerhin haben die Bands allesamt eine überragende Show abgegeben. Die vielschichtige Musik wurde wunderbar live umgesetzt und konnte vollends überzeugen.

Der Sound im Underground war in den vorderen Reihen sehr unausgeglichen, sodass man oft von den Vocals kein Sterbenswörtchen mitbekam. Das lag zum einen daran, dass die Boxen von dieser Position aus quasi hinter einem stehen und man hauptsächlich von den Bandmonitoren beschallt wird, und zum anderen, dass man direkt vor der Bühne kaum einen Meter vom lautstärkemäßig dominierenden Schlagzeug entfernt steht. Hinten schien der Sound hingegen astrein anzukommen, gut abgemischt und präzise, alle Instrumente ließen sich klar heraushören. Somit musste man sich entscheiden, ob man lieber direkt beim Geschehen sein wollte oder doch eher Wert auf einen ausgewogenen Sound legte.

Allgegenwärtig war am Samstag vor allem die ausgelassene Stimmung, mit der die Musiker auftraten, angeführt durch die niederländischen Opener Exivious, die den letzten Tourabend angemessen feiern wollten. So ließen es sich die Mitglieder aller vier Bands bei aller Ernsthaftigkeit der Musik am letzten Abend der Tour nicht nehmen, mit einer guten Portion Spaß aufzutreten und den anderen hin und wieder ein paar Streiche zu spielen. So wurden bei Obscura beispielsweise Essenslisten anstatt der eigentlichen Setlists vorne an die Monitore geklebt. Zwischen den Blödeleien fanden zudem auch einige Gastauftritte Platz, bei dem sich die Bands untereinander aushalfen. Was dabei zum Vorschein kam, war vor allem wie gut sich die Musiker untereinander zu verstehen schienen. Der starke Zusammenhalt zwischen den einzelnen Bands war besonders schön anzusehen.

So verging letztendlich ein Abend voll technischer Finesse und musikalischem Talent auf allerhöchstem Niveau, aber auch einer Menge Jux und Dollerei. Kurzum: Ein überaus gelungener Tour-Abschluss.

Exivious

Den Anfang machen Exivious aus den Niederlanden, die mehr als zehn Jahre nach der Gründung ihr gleichnamiges Debüt rausgebracht haben, das seit 2009 erhältlich ist. Die Truppe setzt sich aus ehemaligen Cynic- und Textures-Mitgliedern zuammen und spielt einen ganz eigenen Mix aus sphärischem Fusion/Jazz-Metal in relativ entspanntem Flair und gemütlicher Atmosphäre. Es macht daher eine Menge Spaß, den vier Virtuosen bei der Arbeit zuzusehen und der relaxten und doch anspruchsvollen Muse zu lauschen. Zu erwähnen ist dabei noch, dass Exivious gänzlich auf Gesang verzichten, was der Musik aber gerade zugute kommt, denn Gesang wäre hier auch völlig überflüssig. Gerade bei dieser Spielart steht das Instrumentale ganz klar im Vordergrund und die Musik kann für sich selbst sprechen.

Die Niederländer scheinen frohen Gemüts und deutlich angeheitert die Bühne zu betreten, davon zeugt jedenfalls das unkonventionelle Outfit, in dem die vier allesamt auftreten: In die langen Strümpfe gestopfte Pyjamahose, Badeschlappen, schlichtes Unterhemd, Sonnenbrille und eine ulkige Kopfbedeckung (Drummer Yuma trägt einen riesigen St. Patricks Day Hut). Die Aufmachung wird aber auch wenig später erklärt, als Gitarrist Michel den bereits in anständiger Anzahl erschienenen Gästen mitteilt, dass dies der letzte Abend der aktuellen Europatour ist und es für unsere Landesnachbarn so Brauch sei, am letzten Tourtag etwas ausgefallenes, lustiges zu machen. So wird der Verlauf des Abend im Weiteren noch mehr durch allerlei Späße unter den Musikern gezeichnet sein, doch dazu später mehr.

Die Niederländer verbreiten schon eine spaßige Atmosphäre durch allerlei Blödeleien auf der Bühne: So beginnt Michel zum Beispiel mitten im Solo von "Asurim" wie bessessen hin und her zu rudern, wälzt sich auf den Boden und wird anschließend, als der vermeintlich aus der Bahn geratene Gitarrist wieder zur Besinnung kommt, freundlicherweise von seinen Mitstreitern wieder auf die Beine geholfen. Die haben doch nur Blödsinn im Kopp! Abseits davon wird die Musik 1a vorgetragen, die Niederländer verstehen ihr Werk und beherrschen ihre Instrumente wie im Schlaf und bleiben mit bester Laune dabei. Ansagen werden kaum gemacht, wobei es den Bandlaien natürlich schwer fällt, auszumachen, welche Songs gerade gespielt werden, aber viel wichtiger ist, dass man sich, auch wenn man die Band kaum kennt, sofort wie in den Bann gezogen fühlt und sich unweigerlich den vollendeten Klängen hingeben kann. Exivious entpuppen sich so für einige als vollkommen überzeugender Überraschungsact und so werden später am Merchstand noch die ein oder anderen Autogramme vergeben und diverse Ausgaben der auf 1000 Kopien limitierten Debütplatte aufgegriffen.

Setlist

1. Ripple of a Tear
2. Waves of Thought
3. Asurim
4. Time and Its Changes
5. An Elusive Need

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