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Nightwish, Pain, Krieger im Konzert (Berlin 2008)

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Die Frage, die sich alle Welt stellte – nun gut, alle Metal-Welt -, war natürlich: Wie macht sich Anette Olzon, die neue Frontfrau, nachdem Tarja Turunen 2005 die Band verlassen hatte? Verdammt, das Mädel macht sich gut! Damit wäre die wichtigste Frage geklärt. Wer immer noch Lust hat, zu erfahren wie sich Nightwish als Ganzes am 21. Februar in der Arena Treptow in Berlin geschlagen haben und wie die Vorbands Krieger und Pain angekommen sind, der möge weiterlesen. Denn auch dies alles ist mehr als erwähnenswert.

 

Allerdings beginnt der Abend gleich mit einem Ärgernis. Der Einlass war für 18:30 angesetzt und der Beginn für 20:00. Da man sich unnötiges Warten in einer großen, nicht gerade umwerfend aussehenden Halle ersparen möchte, kommt man pünktlich um kurz vor acht. Und was müssen meine Augen und Ohren feststellen? Die deutschen Industrial Metaller Krieger hat man schon auf die Bretter geschickt. Ich komme gerade rechtzeitig zum dritten Song, sodass noch ein paar Fotos drin sind, schade ist es trotzdem. Auf der anderen Seite ist so ein Möchtegern-Bodybuilder, der sein Shirt nur auszieht, um seine Muckis zu präsentieren, auch nicht gerade der Traum aller Metal-Fans. Nunja, was zählt, ist die Musik. Und die plätschert eher so daher, als dass sie einen in Beschlag nimmt. Industriell angehauchter Metal mit ein paar kleineren Punk-Einschüben ohne große besondere Vorkommnisse. Rammstein trifft auf die Beatsteaks – allerdings in der Ausführung „unspektakulär“.

 

Während der Umbaupause bietet sich Zeit, die Arena im Osten Berlins ein wenig genauer zu erkunden. Die Deckenhöhe ist enorm, der Platz auch. Und hätte man die Bühne nicht so weit vorgezogen, so hätten auch locker noch einige tausend Personen mehr hineingepasst. Die Sitztribünen und die tolle Idee der Rollstuhlfahrererhebung nehmen ebenfalls ein wenig Platz ein. Nichtsdestotrotz bietet sich für geschätzte 5000 Fans an diesem Donnerstagabend noch genug Platz, nicht darum fürchten zu müssen, seinem Vordermann mit gepflegten Headbanging die Schulterknochen zum Bersten zu bringen. Die Getränkepreise sind für eine Veranstaltung dieser Größe durchaus bekannt und die Toilettensituation scheint auch keine riesigen Probleme darzustellen. Lediglich die Preise für den Merchandise erschrecken mich bei solchen angeblich fannahen Hochkarätern doch von mal zu mal. Wer bitte bezahlt 25 Euro für ein T-Shirt?!

 

Pain – ein Grund, warum ich mich auf dieses Konzert so sehr gefreut habe. Peter Tägtgren, bekannt als Mastermind von Hypocrisy und Produzent vieler, vieler Metalalben, lässt hier seinen Fantasien, die er mit seiner Death Metal Band nicht umsetzen kann, freien Lauf. Elektronik trifft auf halbwegs klaren Gesang und feinste Metal-Riffs. Rockig, groovig, ja sogar tanzbar kommen die Songs daher und überzeugen selbst die Rocker und Metaller älteren Semesters. Wesentlich besser ging man hier mit den Industrial-Elementen um und auch das Auftreten trotz vieler Posereien diente der Atmosphäre viel mehr, als es Krieger davor getan hatten. Der Hit „Shut Your Mouth“ begeisterte und bewegte dann auch den letzten Kritiker, während die Lichttechniker noch einmal fein die Logos rot glühend ausleuchteten. Toller, aber viel zu kurzer Auftritt, der eine Solotour von Pain zu einem unbedingten Unterfangen werden lassen muss.

 

Man lässt sich viel Zeit bei der Umbaupause, aber die Show, die nachher noch aufgefahren werden sollte, erforderte wohl doch ein wenig mehr Vorbereitungszeit als üblich. Nightwish legen nach Sprechchören und gereckten Pommesgabeln mit zwei Songs voller Pyrotechnik los. Krach, Bumm, Peng und dazu so eine fette Lightshow, wie ich sie schon lang nicht mehr habe sehen dürfen – wow! Das Fotoschießen im Graben macht enorm Spaß angesichts der Posing-Freude aller Musiker und Musikerinnen. Im Fokus aller Aufmerksamkeit steht natürlich Anette Olzon. Trotz ihrer nun schon weit mehr als 30 Jahre andauernden Verweildauer auf diesem Planeten, wirkt die Sängern, welche das schwere Erbe von Tarja Turunen antreten sollte, unglaublich jugendlich und sexy. Sie flirtet mit dem Publikum und ihren Bandkollegen, während sie freudetaumelnd und energetisch im ansehnlichen, roten Minikilt über die Bühne tänzelt. Sie reißt Witzchen über finnisch-schwedische Beziehungen und umgarnt ihre Mitmusiker, während diese in bester Metallermanier das Haupthaar schwingen. Ebenjene knüppeln auch einen derart heftigen, aber dennoch sehr differenzierten Sound zusammen, dass der gewonnene Echo der Finnen und die Chartplatzierungen überall auf der Welt mehr als nur gerechtfertigt erscheinen. In den Songs von „Dark Passion Play“ kann Anette auf ganzer Linie überzeugen, stellt dies ja auch ihr erstes Album mit den weltberühmten Symphonic Metallern dar, bei den älteren Songs muss sie ob des hohen Schwierigkeitsgrades vieler Tarja-Gesangslinien doch Abstriche machen. Alles in allem hat Anette Olzon aber allen bewiesen, dass sie nicht nur Lückenfüller oder Ersatz ist, sondern ein fester Bestandteil von Nightwish, der den Sound wieder einmal mehr in die bomastische Richtung treibt ohne aber den harten Metal mit einigen poppigen Einflüssen zu vergessen. Für die Härte zeigt sich des Weiteren noch Bassist Marco Hietala verantwortlich, der nicht nur einmal seine Stimme dem Publikum präsentiert. Aber auch in den akustischen Songs überzeugt die Truppe voll und ganz und die Atmosphäre in der riesigen Halle bei „The Islander“ erinnerte wohl nicht nur mich an Blind Guardians „Bard's Song“.

 

Vollkommen gelungene Auftritte von Pain und Nightwish liegen nun hinter mir, auch wenn beide ruhig länger hätten sein können. Krieger ging eher emotionslos an mir vorbei, was aber auch nicht weiter schlimm war angesichts der wirklich beeindruckenden Show der beiden anderen Bands. Selbst der Klang in der Arena hat mich positiv überrascht. Einzig an der Freundlichkeit der Security sollte noch ein wenig gefeilt werden, verhielten diese sich doch nicht gerade freundlich gegenüber Fans und Pressevertretern.

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