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Muff Potter, Voltaire, Junges Glück im Konzert (Dortmund 2006)

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Als ich und meine Begleitperson pünktlich zum Doors Open beim Dortmunder FZW ankamen, war die Location bereits bis zum Anschlag gefüllt; sowohl an Tresen als auch im Bühnenbereich drohte die Location, aus allen Nähten zu platzen.

Trotz dem eindeutigen Ausverkauf standen noch etliche Musikbegeisterte stundenlang erwartungsvoll vor dem prestigeträchtigen Jugendzentrum; werfen hier etwa große Ereignisse ihre Schatten voraus?

Jedenfalls war mal wieder "Visions"-Party angesagt, Routiniers bei der Veranstaltung und Hauptact "Muff Potter" hatten als Support noch die oft bejubelten "Voltaire" sowie das mir bisher unbekannt gewesene Trio "Junges Glück" im Schlepptau.

Als ich von meinem Interview mit dem charmanten "Muff Potter"-Leadgitarristen Dennis Scheider wieder in die Location zurückkehrte, waren "Junges Glück" bereits in vollem Gange und präsentierten Material von ihrem Debütalbum "Hier im Vakuum".

Die Kapelle aus Hamburg wartete mit eher minimalistischer Bühnenperformance auf und gab sich gemäßigt und ruhig, aber auf jeden Fall spielerisch interessant; die Stücke waren durch und durch geprägt vom Ausdrucksvermögen des sympathischen Gitarristen/Sänger/Songwriter Niclas Breslein, der von einer tighten Rhythmusgruppe mit originellen Bassläufen begleitet wurde, jedoch nur mäßige Publikumsresonanzen bekam.

Es ließ über den ganzen Auftritt hindurch erkennen, dass die Band durchaus noch nicht das künstlerisches Repertoire erschöpft und vielleicht gerade erst ein Drittel ihres Potentials aufgebracht haben; eine Band, von der es sich lohnen könnte, sie im Auge zu behalten.

Eher das Gegenteil kann ich von den folgenden "Voltaire" behaupten; ihre gesamte Bühnenpräsenz wirkte sehr gezwungen und man hatte das Gefühl, die Jungs wären irgendwie ausgebrannt.

Persönlich kann ich nicht viel mit ihnen und ihrem depressiven, kraftlosen Rumgeplänkel abseits von rifftechnischem Fokus anfangen, da ich deren Hype seitens mancher Undergroundblätter oder der Fangemeinde nie teilen konnte und ihnen nach einem derartigen Auftritt eher bescheidende Zukunftsaussichten prognostiziere, sollten sie nicht an sich feilen und diese Tendenz beibehalten.

Ihr melancholischer, wavelastiger Sound wurde von Manchem aber dennoch überaus positiv aufgenommen; ebenso viele Leute riss er jedoch keineswegs mit und ermüdetet entfernten sich von der Bühne, um gespannt dem Finale entgegen zu fiebern.

Als dann kurz vor elf das letzte Mal das Licht ausging, kannte die Menge kein Halten mehr; ein anständiger Moshpit und eine tobende Masse bestätigten nur, dass "Muff Potter" hier goldrichtig waren und ihre volle Wirkung erst in einem überfüllten, staubigen und überaus stickig-warmen JUZ erzielen können.

Auf ihrer mit zwei Wohnzimmerstandlampen aus vergangenen Zeiten geschmückten Bühne entfesselten sie eine drückende, schwitzende, aber gleichzeitig auch bewegend erfrischende Atmosphäre, die sich nicht aus dem Nichts heraus entwickelt hat, sondern Produkt enormer Spiel- und Gigpraxis ist, sowie der nötigen Fähigkeit, eingängige Songs zu schreiben.

Die Jungs aus Münster gaben sich von der ersten Minute an spielfreudig, publikumszugewandt und in jedem Falle dynamisch; selbst ein Saitenriss von Dennis' Gitarre gegen Ende wurde souverän umspielt.

Insbesondere das Material ihres neuen Albums "Von Wegen", Songs wie "Alles nur geklaut", "der Wecker tickt" oder der nationalkritische "Punkt 9", wurden sehr überzeugend umgesetzt.

Ihr facettenreicher und energiegeladener Auftritt attestierte mir nur, was ich ohnehin schon weiß: "Muff Potter" sind eine Band, von der man noch viel hören wird, haben sie doch jetzt erst den Sprung zum Major Deal geschafft.

Als sich nach einer guten Stunde und mehreren Zugaben die Band vom "Visions"-Volk verabschiedete und man sich mit klingelnden Ohren nach einer gefühlstechnischen Achterbahnfahrt voller deutschsprachiger Musik auf den nach-Hause-Weg begibt, bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass mir dieser Abend etwas gegeben hat.

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