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Moonspell & Septicflesh im Konzert (Hamburg, März 2015)

Griechen und Portugiesen rocken gemeinsam im "Knast"

Moonspell sind nicht da, um ihre Fans abzuzocken

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Moonspell

Es ist kurz vor zehn, als der Mainact die Bühne betritt, bejubelt von einer inzwischen deutlich angewachsenen Masse. Ausverkauft ist zwar nicht, man kann sich sogar relativ problemlos durch die Reihen manövrieren, sofern die Natur ruft oder man sich Biernachschub organisieren will, dennoch kann sich die Stimmung durchaus sehen bzw. hören lassen. Und dann ist da ja außerdem noch der hochgewachsene Frontmann Fernando Ribeiro (mit dem wir vor der Show ein Interview führten, welches demnächst auf The-Pit.de zu lesen sein wird), der charismatisch durchs Programm führt, die Leute stetig anpeitscht und dabei mal wieder die Sympathie in Person ist.

Dass die Portugiesen sehr stolz auf ihre neue Platte „Extinct“ sind, wird anhand der Songauswahl schnell deutlich. Das Eröffnungsdoppel aus „Breathe“ und dem Titelsong wird auch live als Startrampe genutzt und diese beiden recht straighten Düsterrocker sorgen selbstredend umgehend dafür, dass das Stimmungsbarometer immer hübsch im oberen Bereich verbleibt. Insgesamt haben Moonspell ganze sieben Kompositionen vom aktuellen Album im Programm, wobei sie erstaunlicherweise auf das getragene, aber sehr eingängige „Domina“ verzichten (den Favoriten des Verfassers), das sie bei den vorigen Shows noch zockten. Aber man kann halt nicht alles haben und so oder so kommt das neue Material genauso gut an wie der alte Stoff. Noch keine zwei Wochen ist „Extinct“ auf dem Markt und doch zeigt sich so mancher Anhänger bereits sehr textsicher, wie in den ersten Reihen zu erkennen ist.

Songs wie das mit einem Sahnerefrain gesegnete „Medusalem“ oder das flotte „Funeral Bloom“ vermögen es allerdings auch problemlos, die Zuschauer bei Laune zu halten, während Ruhigeres à la „Malignia“ (intensiv) oder „The Future Is Dark“ (atmosphärisch) für die nachdenklicheren Momente sorgt. Ein paar Klassiker wie das nahezu unverzichtbare „Opium“ oder „Herr Spiegelmann“ streut das Quintett zwischendurch zwar ein, doch der Fokus liegt klar auf dem aktuellen Output. Erst zum Ende gibt es einen Block, der nur aus alten Klassikern besteht – nicht nur die letzten beiden, ebenfalls äußerst starken Werke „Alpha Noir“ und „Night Eternal“ werden bedauerlicherweise komplett ignoriert, sondern im Prinzip alles nach dem Zweitling „Irreligious“ von 1996.

Aber was soll’s: Auf Altbekanntes und -bewährtes steht der Metalhead gemeinhin ja auf jeden Fall und so wird es bei den alten Evergreens gleich noch mal ein Stück lauter im Publikum, und natürlich gehen alle Fäuste und Pommesgabeln in die Höhe, wenn Senhor Ribeiro dies verlangt. Ziemlich überraschend für die meisten Anwesenden dürfte wohl die Performance von „Ataegina“ sein, einst als Bonustrack des „Wolfheart“-Debüts veröffentlicht. Fernando erzählt, manche hätten ja an dem Stück herumgemeckert, er selbst jedoch hätte kein Problem damit. Nun, tatsächlich wirkt die Nummer im Zusammenhang mit der restlichen Auswahl etwas schräg, aber die meisten Leute scheint dies nicht zu stören. Die schon etwas penetrante folkige Hauptmelodie erinnert eher an eine finnische Band, doch Fernando nimmt es mit Humor und meint nur, man solle sich nicht wundern, wenn aus dem Keyboard (das mit seinen archaischen Pfeifen sehr abenteuerlich aussieht) plötzlich „komische Geräusche“ kommen würden.

Anschließend wird der Anhängerschaft noch das ewig junge, immer wieder unglaublich geile „Alma Mater“ kredenzt, das für bangende Köpfe sorgt, bevor sich die Iberer zunächst kurz vom Acker machen. Für die eigentlich auch nie fehlenden beiden Epen „Wolfshade (A Werewolf Masquerade)“ und „Full Moon Madness“ kehren sie jedoch sofort zurück. Man wolle die Fans schließlich nicht abzocken und sich schon nach 70 Minuten aus dem Staub machen, so Fernando; eine Aussage, die naturgemäß Applaus hervorruft. Auch die Ankündigung, Deutschland sei das Land, in dem man die meisten Auftritte überhaupt verbuchen könne, erfreut das Publikum – niedlich übrigens, dass Fernando den Namen der Location immer „Knast“ ausspricht, statt „Knust“. Ein unfreiwilliges, aber durchaus amüsantes Wortspiel.

Danach ist nach etwas über anderthalb Stunden aber tatsächlich Feierabend und man kann beim Rausgehen auf dem aufgestellten Fernseher noch gerade mitbekommen, wie Leverkusen in der Champions League das Elfmeterschießen gegen Atlético Madrid in den Sand setzt. Da hat es sich anscheinend dann doch eher gelohnt, zum Konzert zu gehen als in die Glotze zu gucken. Tolle Performance, wenngleich der Sound hätte besser sein können. Das Schlagzeug war eigentlich durchgängig zu laut, aber alles in allem hat es definitiv sehr viel Spaß gemacht.

Setlist:

Breathe (Until We Are No More)
Extinct
Opium
Awake
The Last Of Us
Medusalem
Funeral Bloom
Malignia
Herr Spiegelmann
The Future Is Dark
Mephisto
Vampiria
Ataegina
Alma Mater
----------------------------------
Wolfshade (A Werewolf Masquerade)
Full Moon Madness

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