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Metalwalk Krefeld 2018

Das Wandern ist des Metallers Lust

"Afterwalkparty" mit den Soldiers Of Rock

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Viel los ist an diesem ersten Augustwochenende hier im Ruhrgebiet für die MetallerInnen nicht. Das Wacken Open Air wirft auch bis hierher seinen kommerziellen Schatten und eine wirkliche „Gegenveranstaltung“ wie noch das Bäääm Festival im nahe gelegenen Sauerland hat auch schon längst die Segel gestrichen. Ein ganz neuer kultureller Ansatz ist dagegen in Krefeld zu finden, welches mit der Kulturrampe, der Kulturfabrik und der Metalkneipe Asgaard ein paar Anlaufstellen hat, die örtliche Szene aber ist, bis auf die großen Vorbilder der blinden Wächter, leider übersichtlich und so auch nur bedingt weiter über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Musik und Demonstration, das passt doch ganz gut zu Heavy Metal, dem man auch anno 2018 noch ein gewisses Maß an Revoluzzertum andichten darf, und so trifft man sich bei hochsommerlichen Temperaturen an diesem frühen Samstagabend am Krefelder Bahnhof. Bedeutungsschwanger steht schon ein riesiger Transporter für die musikalisch so gar nicht fragile Fracht, wobei den Muckern von Gloryful, die sich schon längst auf den großen und kleinen Bühnen der metallischen Welt bewährt haben, dann doch ein bisschen weich wird in den Knien – der Untergrund gerät so also auch metaphorisch in Bewegung.

Und so tingelt man bei angenehmen Schritttempo mitten durch Krefeld, gut dreieinhalb Kilometer mit ohrenbetäubender Beschallung und Zombiewalk-gleich mit einer gegenüber dem letzten Jahr nochmals deutlich angewachsenen Fanmeute durch die Straßen und Gassen. Die beschaulich dreinblickenden Uniformierten der Polizei, die sich sogar teilweise freiwillig für dieses entspannte Wochenende zum Geleitschutz haben eintragen lassen, sorgen für den freien Durchmarsch und erhöhte Aufmerksamkeit der AnwohnerInnen. Schon ungewohnt, dass sogar der öffentliche Nahverkehr der schwermetallischen Durchschlagskraft weichen muss.

Für mehr Nachwuchsförderung und Unterstützung junger Musiker in Krefeld, so das Motto des Metalwalks, wodurch dann Gloryful schnell auch Mittel zum Zweck werden, eingeleitet noch durch ein kurzes Nachwuchs-Stelldichein und dem Klampfen- und Drums-Einstieg „Walk“ aus der Pantera-Ära durch zwei talentierte Grünschnäbel – und gerade den Gitarrero sehen wir später noch mit kleinem Gastauftritt bei den Soldiers Of Rock erneut. Gerstenkaltschalen, Pommesgabeln, Gejohle und Gepose wie auf normalen Konzerten auch, nur wandert man dem PS-starken Ungetüm hinterher, Nebel wabert über den Asphalt und hinterlässt auch mal im sinkenden Sonnenlicht einen leicht apokalyptischen Eindruck und so manch kopfschüttelnde Fenstergaffer zücken in einer Mischung aus Verwunderung, Abscheu und morbider Faszination ihre Mobiltelefone – allein für die gestiegene Anzahl nichts kapierender Smombies hat sich der Metalwalk vollauf gelohnt.

Aber auch das anschließende „Rahmenprogramm“ kann sich sehen lassen, denn ohne weiteren Eintritt gilt es nun, gleich drei Kapellen auf der kleinen Bühne der Kulturfabrik abzufeiern, wobei nicht alle der Anwesenden dann wirklich den Zweck der Veranstaltung verstanden zu haben scheinen, denn anstatt den Bands trotz tropischer Clubtemperaturen eine Chance zu geben, bleibt das Gros der Wandersleute lieber im gemütlichen, lauluftigen Außenbereich. Dabei verpassen viele eben drei komplett unterschiedliche Bands: Mediøkrist sorgen mit sattem deutschsprachigen Metalcore für einen exzellenten Moshpit gerade bei den jüngeren Fans, müssen aber noch reichlich an weiteren eigenen Merkmalen arbeiten, um nicht in der Masse unterzugehen; Corporal Shred locken anschließend eher die HeadbangerInnen vor die Bühne und punkten vielleicht am meisten dadurch, dass Bassist Etsche frisch aus dem Krankenhaus sich der Belastung eines Livekonzertes stellt, den Vogel aber schießen Soldiers Of Rock mit ihrer Coverzeitreise durch die Musikhistorie ab: Schon mutig, wie Frontmann Klaus, der übrigens für den Sound auf der Wandertour zuständig war, in Sporthosen, Unterhemd und ponorös nach hinten gegelten Haaren das Rockbusiness aufs Korn nimmt...Spaß an den Klampfen kann man auch in Perücken haben, man muss nur den augenzwinkernden Hinweis verstehen.

Bis zum nächsten Jahr, mit noch mehr Fans, denn so erschafft man Aufmerksamkeit, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen. Keine übermissionarische Aktion, sondern einfach nur mit dem Herzen am richtigen Nachwuchs-Fleck.

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