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Metal Invasion VII

Grandiose Bands sorgen für ein volles Haus

Mit hypnotischen Tönen fangen Negura Bunget ihr Publikum ein

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Negura Bunget

Nach Master ist die Halle erst einmal ziemlich geleert. Beim Soundcheck von den darauf folgenden Negura Bunget zählt man maximal 50 Leute in der Halle recht übersichtlich verteilt.

Das Intro dröhnt nun aus den Boxen. Die fünf Rumänen bedienen neben der Standard-Instrumentierung von zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug noch eine Reihe weiterer außergewöhnlicher Instrumente. Teils hypnotisierend erklingen daneben diverse Flöten, Trompeten sowie Klopftöne aus einem undefinierbaren, monströs aufragenden Holzkonstrukt.

Zum nahenden Ende der ersten Darbietung „Hora Soarelui Versuri“ aus dem sehr erfolgreichen, 2007 erschienenen Album „OM“, sind nach und nach wie von Geisterhand nahezu 200 Interessierte einher gezogen. Es folgt „Pamint“, beginnend mit einer unbeschreiblich mystisch verträumten Panflöte - wie Rufe aus dem fernen nebelumwobenen vampiristischen Transilvannien. Die Hörwilligen beobachten und lauschen schweigend, fast starr, jedoch mitunter äußerst fasziniert das nahezu hypnotische Geschehen. Der Meister an der Front, Chakravartin, hebt dazu mehrfach beschwörend und unheilverkündend seine Arme gen Himmel. Er schirmt wie in ewiger Verdammnis und verflucht schützend die Hände über sein Antlitz, ehe nach wenigen Minuten ruhigere, melodischere Momente, unter geheimnisvollem Geraune, doomig erlösende Wellen ans Ufer spülen. Sehr voluminös, emotional tief durchtränkt und gleichzeitig gemächlich schwappt zusehends die auf der Bühne vorherrschende magische Atmosphäre auf das empfangsbereite, mittlerweile extrem gebannte Volk über.

Die mit drei Mikros bestückte Truppe legt eine mit teils mächtig viel Hall unterlegte gesangliche Glanzleistung an den Tag. Die düsteren, spirituellen Laute schwingen ergreifend über die gereckten Köpfe der Zuschauer hinweg, mehrmals auf einem wohligen Panflöten-Teppich gebettet. Die zum Teil verzerrten Melodielinien der Saiten-Gefährten vermischen sich harmonisch mit der Vielzahl der verschiedensten zum Einsatz kommenden exzentrischen Instrumente. Zu den diversen Flöten gesellt sich auch mal eine Trompete und gar ein Horn hinzu und entführt in ein fernes unwirkliches Zauberland, von uralt gespenstischer Düsternis umringt. Vom Bewegungssektor zumeist eher verhalten, in teils Trance-artiger Ekstase verharrend, werden ab und an doch mal bei einzelnen heftigen Passagen die Mähnen kräftig mobilisiert. Das Schlagwerk ist im Vergleich zu den vorangegangenen Bands eher in den Hintergrund gemischt, wohl um den einzigartigen Charakter dieses berauschenden Soundgebildes weniger zu zerstören, als umso mehr zu untermauern und damit das Wesentliche optimal in den Vordergrund zu rücken.

Von Zeit zu Zeit verzweifelt traurige Laute entspringen der Kehle des Fronters und ergänzen das besondere Klangbild beim gewaltigen Anschlag durch den einzig neueren Song im Verlauf des Gigs „Curgerea Muntelui“, aus deren aktueller EP „Gînd a-prins“ entnommen.

Zwischenzeitlich geht es auch mal ein wenig flotter im Takt. Schräge Melodie-Einsprengsel lockern die allgemein eher sanften Grundgedanken etwas auf. Cleane Vokals behalten die Oberhand, Growls und geraunte Passagen setzen dem Ganzen ein zur Vervollkommnung beitragendes Hütchen auf. Teilweise eingesetztes Schwarzlicht beleuchtet und unterstreicht das unheimlich schaurige Schauspiel. Die Chöre aus dem Publikum steigen von Mal zu Mal spürbar an.

Bei Song Nummer sechs „Norilor“ kommen erstmals Synthesizer-Klänge, vorwiegend im Akkordmodus zum Einsatz und untermalen stilvoll das düstere Szenario. Der Sänger erhebt klatschend seine Arme und sofort wird dies von einer ansehnlichen Anzahl seiner Anhängerschaft erwidert. Immer wieder hebt dieser beschwörend seine Arme, so als wolle er das gesamte Volk in seinen unheilvollen Bann ziehen. Zwischenzeitlich kommt auch wieder die Trompete zum Zug, welche ziemlich schräge Töne abliefert. Ultraböse kreischt Chakravartin dazu. Daraus resümiert ein außergewöhnlich verwirrendes Klangbild, welches einen regelrecht erschauern lässt. Das überaus interessante Holzinstrument am linken Bühnenrand wird ebenfalls von ihm bearbeitet. Zu Anfang geht das Geklöppel leider noch etwas im allgemeinen Drum-Gewitter unter, jedoch schon bald bekommen die Herren am Mischpult die Sache in den Griff und die Klopflaute dringen mystisch, experimentell und zutiefst ursprünglich hindurch. Man versinkt hierbei förmlich in der transilvannischen Unterwelt und lässt sich freiwillig durch weite dunkle Wälder vertraut hinfort treiben. Im Anschluss ertönt verdientermaßen heftiger Applaus, Pfiffe und Jubelchöre. Es gibt zwar kaum bangende Häupter zu sichten, jedoch ist diese Spezies von Sound grundsätzlich sowieso eher weniger dafür geeignet. Dröhnende Sounds dringen bis ins Innerste der Seele vor. Wummernd vibrierend, extrem tief gestimmte Tonlagen lassen das Dasein erzittern. Man fühlt sich unweigerlich in eine dunkle abgründige Schattenwelt gezogen, welcher man sich kaum entreißen mag und aus der es auch kein Entrinnen zu geben scheint.

Spirituell angehauchte Sprechgesänge durchsetzen dieses grandiose Schauspiel. Überwältigende Soundlandschaften schweben über das Volk hinweg. Die besondere Aura, welche von der Bühne herüber weht, überträgt sich ungebremst elektrisierend auf die Hörerschaft. Begeisterung und Faszination gleichermaßen setzen sich von Mal zu Mal fort. Intensive atmosphärische Chöre, von sanften Trompeten-Melodien getragen, schweben wie leise Nebelschwaden über die sattgrünen düsteren Gefühlswälder. Total ergreifend ummanteln sie des Hörers Seele. Dazu hagelt es noch Hymnen wie „Cunoasterea Tacuta“ und „Tara De Dinicolo De Negura“ bevor sich zum krönenden Abschluss „Dacia Hiperboreana“ majestätisch gen Firmament erhebt.

Das Quintett hinterlässt tosenden Applaus sowie überzeugt beeindruckte Gesichtsausdrücke. Trotz der zum Ende hin rund fünfhundert Versammelten ist es nach Verklingen der letzten Takte und euphorischen Jubelrufe erstaunlich ruhig geworden im weiten Saal. Das Schweigen der Wälder hallt augen- und ohrenscheinlich nach und lässt manch einen noch geraume Zeit später in wohligen Erinnerungen sanft erschauern.

Setlist:

  • Hora Soarelui Versuri
  • Pamint
  • Cunoasterea Tacuta
  • Tara De Dincolo De Negura
  • Curgerea Muntelui
  • Norilor
  • Dacia Hiperboreana
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