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Manowar im Konzert (Essen, Januar 2015)

…wenn der miese Sound nicht wäre…

Manowar noch live beim OST Fest 2012 - da durften sie noch mit Vertrag abgelichtet werden, in Essen nicht mehr

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Ist es nicht erfrischend, wenn weit mehr als 5000 (die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet von 5200 Menschen) Manowar-Fans in die Essener Grugahalle pilgern und so Zusammenhalt propagieren, wobei man in kleineren Clubs des Öfteren eher mit Spott und Hohn bedacht wird? Gut, die Amis haben in den letzten Jahren immer wieder eher durch großmäulige Ansagen denn durch herausragende neue Songs geglänzt, da fällt es auch dem beinharten Warrior schwer, seine Moneywaren pflichtgemäß und ordentlich zu vertreten.

Manowar in Essen – eine lange Menschschlange, beinahe mehrmals in sich selbst verwickelt, schiebt sich laaangsam Richtung Eingang, die Personenkontrolle fällt recht ausführlich aus, weswegen die Wartezeit bei eisigkalten Temperaturen länger gerät als erhofft. Das spielt natürlich den Bierdosenhändlern in die Hände, wird so doch die eine oder andere Dose mehr zu deutlich zu angezogenen Preisen über die karrige Theke gereicht. Erstaunlich auch, wie viele Fans lange zitternd ausharren, um nur mit dem Manowar-Leibchen auf Einlass zu warten.

Ärgerlich allerdings ist und bleibt, dass nicht alle auch nur annähernd die Chance haben, die „Vorband“ zu begutachten, denn angetreten ist das Orchester der Essener Goethe Schule, welches neben drei eigenen Stücken auch drei Manowar-Klassiker in die Mangel nimmt und am Schluss sogar mit der La Ola gefeiert wird – ernst gemeint oder aufkeimende Realsatire? Eine gute halbe Stunde Vorgeplänkel, eine gute Dreiviertelstunde Umbaupause, da zeigen schon die Zahlen, dass das Verhältnis nicht stimmt. Wer es positiv sehen will, hat jetzt natürlich ausreichend Zeit, sich am Merchstand mit hochpreisigen Waren einzudecken – das Tourshirt entführt schon mal 35 Tacken aus der Geldbörse, für ein Longsleeve muss man dann schon 55 Schleifen abdrücken.

Um genau 21 Uhr aber fällt endlich der Vorhang der Manowar-Show, und die bietet in den nächsten 110 Minuten so manche lobenswerte Erwähnung, aber auch massive Kritik – nein, nicht die Art der Show, die polarisiert, sondern richtiggehend spaltet. Denn während die Masse sich die Feierlaune nicht vermiesen lässt, verlassen die ersten Fans schon nach dem ersten Drittel der Show tief enttäuscht die Halle, schon in der Nacht nach dem Konzert spiegelt sich genau das auch in den sozialen Medien wider.

Aber was ist denn genau passiert? Zu allererst muss man den Sound ansprechen. Laut ist gut, das kennen alle von Manowar, aber dass er zugleich auch noch mehr als bescheiden sprichwörtlich aus den Boxen dröhnt, ist schon eine Frechheit ohnegleichen. Je nach Standort hört man die Bassdrum oder Bass oder aber eben den Bass und die Bassdrum. Die Riffarbeit eines Karl Logan geht vollkommen unter, und bei den Soli kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass mal kurz der Regler eines Boosters am Mischpult hochgeschoben wird, damit wenigstens hier die Speaker auch im Hochtonbereich mitarbeiten dürfen.

Ansonsten aber gibt es natürlich von der Setlist her gesehen einmal mehr die volle Manowar-Breitseite und selbstverständlich werden nicht alle individuellen Wünsche erfüllt werden (können) (wie, haben die schon wieder nicht dein „Violence And Bloodshed“ gepielt? „Blow Your Speakers“ hattest du dann ja auch schon so; Anm. d. Red.).

Mitklatschen bei „Sign Of The Hammer“, die gekreuzten Fäuste bei „Hail And Kill“, heisere Kehlen für alle, die bei der Lautstärke mithalten wollen – das alles ist dem Manowar-Fan hinlänglich bekannt. Die Truppe auf der Bühne aber geht auch showtechnisch ein anderes Konzept an, denn statt mit den Fans zu reden, gönnen sich die Herren immer wieder Pausen, die durch Videoeinspielungen überbrückt werden – und auch hier wird deutlich, wie sehr die Fans hin und her gerissen sind. Während die einen diese Form der Unterhaltung als gelungen einstufen – zugegeben, die Erinnerung an alte Freunde und Wegbegleiter gehört zu den emotionalen Höhepunkten –, würden sich andere wiederum über ein paar Songs mehr freuen und rechnen schon die „Nettospielzeit“ zusammen.

Leider wirken Gitarrist Karl und Bassist Joey auch ein wenig lustlos, sodass hier auf keinen Fall das große Freudenfeuer entzündet wird, da kann sich Frontmann Eric noch so sehr in Pose schmeißen. Im Gegenteil, Joeys Basssolo ist Realsatire pur, ein grüßender Hohn an alle erfolglosen guten Bassisten da draußen, da kann man eigentlich noch froh sein, dass er dabei wenigstens die Klappe hält, was er nur drei Songs später dann doch noch nicht mehr  macht und natürlich mit seinen Sexkapaden glänzen will – hier hatten sie wenigstens in der Vergangenheit ein paar Pleasure Slaves im Hintergrund, die sich gegenseitig zu befummeln hatten, heute muss man mit dem liebevoll auch Joey Mayonnaise genannten Kerl solo vorlieb nehmen.

Der Bizeps ist noch gut aufgepumpt, die Klischees werden bedient, am Ende rupft Joey noch bei „The Crown And The Ring“ entsprechend theatralisch die Basssaiten von seinem Spielgerät, wickelt diese zusammen und gönnt sie kostenlos den entgegengereckten Fanhanden, fast zwei Stunden Unterhaltung sind passé. Auf der einen Seite pure Enttäuschung, auf der anderen Seite dagegen gesteigerter Enthusiasmus; die Diskussion um Ausverkauf, True Metal Warriors und „nächstes Mal wieder dabei sein oder nicht“ wird zumindest nicht enden, solange zumindest noch niemand für den Metal gestorben ist.

Setlist:

Manowar
Call To Arms
Kill With Power
Sign Of The Hammer
The Lord Of Steel
The Dawn Of Battle
A Warrior's Prayer MMXI
The Blood Of The Kings MMXIV
Kingdom Come
Fallen Brothers - Karl's Solo
Heart Of Steel
Joey's Solo
Wheels Of Fire
Hail And Kill
Kings Of Metal
Joey's Speech
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Warriors Of The World
Black Wind, Fire And Steel
The Crown And The Ring

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