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Manowar, HolyHell, Metalforce im Konzert (Köln, Januar 2010)

Value for money? Wohl die schwierigste Frage überhaupt.

Manowar

Die Umbaupause zog sich hin, ein riesiger schwarzer Vorhang verhinderte jeglichen Blick auf die Bühne, und langweilige Eurodisney-Musik sülzte die Gehörgänge schmantig. Selbst einige der zahlreichen Ultimate-Manowar-Fans, die deutlich mehr Talerchen hinlegten, um in einem abgesperrten Bereich im Fotograben den Stars ganz nah zu sein, muckten etwas auf und versuchten, ihren Unmut zu artikulieren.

Das Intro erklang – der Vorhang blieb. Erst als die ersten Riffs vom Opener „Call To Arms“ für schmalzfreie Ohrzonen sorgten, fiel der Vorhang und legte den Blick auf eine spärlich dekorierte Bühne frei. Aufwändige Bühnenbebauungen waren nicht vorhanden, lediglich die Präsenz der Manowaren ließ die Iris gen Schauplatz schielen. Druckvoll und bei klarem Sound erschallten die Songs, und über die Setlist ließe sich bei Manowar eh allemal streiten. Für traditionelle Old-School-VerehrerInnen zählen nur die Songs aus der Anfangsphase, für traditionelle NeuzeitverehrerInnen stellen die letzten Alben die ultimative Vollbedienung dar.

Details zum Berichten gibs es allerdings viele: So sammelten Manowar Pluspunkte, als sie die Show unterbrachen, um zwei Pogowilligen die Leviten zu lesen und zu mäßigen. Sie wurden aufgefordert, den anderen den Spaß nicht zu verderben und aufzuhören oder zu gehen und sich das Geld von der Security erstatten zu lassen. Oder aber die ellenlange Einschwörung, dass alle Anwesenden wahre Metalfans seien (den Tod haben sie allerdings ausgeklammert). Und natürlich durfte mal wieder ein junger Mann aus dem Publikum zum Gitarre spielen auf die Bühne; acht Chicks wurden dazu geholt – die Bühne füllte sich.

Und natürlich durfte die Ansage nicht fehlen, wie heiß doch die Mädels wirkten, der Aushilfsgitarrist wurde zu sexuellen Handlungen mit den jungen Dingern aufgefordert, sonst müssten sich die Herren Man Of War selbst darum kümmern. Ins völlig klischeebeladene Bild passte die Lesbenshow zweier Damen, angefangen vom Zungenspiel bis zum Blankziehen der Hupen, was durchaus zur Folge hatte, dass doch einige Vertreter der männlichen Zunft zurück in die Steinzeit fielen.

Da die Shows in Deutschland nicht ohne Komplikationen verliefen, wurde in einem Monolog auch daran erinnert, dass es wohl Elemente gäbe, die der Band schaden wollen. Die zwei Stunden Bühnenpräsenz waren schnell vorbei, und zwiespältig blieb der Eindruck zwischen den Toren des Palladiums haften. Warum? Manowar waren in den letzten Jahren immer wieder dem Ruf ausgesetzt, die Fans nur noch abzuzocken. Und leider konnten sie das an diesem Abend nicht widerlegen. Eine neue DVD wurde angekündigt (dabei erschienen doch schon gefühlte drölfzig in den letzten zehn Jahren), Bühnenaufbauten waren nur marginal vorhanden, die Lightshow war recht nett, aber nicht überirdisch, noch nicht einmal erdig. Und zu allem Überfluss brauchte der Manowar-Fan noch nicht einmal mehr bar zu zahlen, denn gleich vier kartenfähige Automaten standen am Merchstand bereit. Noch zahlreiche Schoten, Zoten, Peinlichkeiten, aber auch sonderbar Schmunzelbares wäre hier aufreihbar, unterm Strich blieb eine unterhaltsame Show mit fragwürdiger Setlist. 

Seltsam nur, dass nicht wirklich alle KonzertbesucherInnen die Begeistung teilten. Nachdem lediglich beim ersten Track fotografiert werden durfte, blieb während der Show folglich reichlich Zeit, die Positionen zu wechseln und ein Stimmungsbild einzufangen. War die Party in Bühnennähe recht ordentlich, so waren doch die hinteren Partien sowie die Flanken links und rechts seltsam lethargisch. Nur bei den älteren Songs kam deutlich mehr Stimmung auf. Ob sich Manowar in Zukunft ihr Herz aus Stahl erweichen lassen und wieder mehr die Erwartungen der Fans erfüllen werden, bleibt abzuwarten. Allerdings liegt es sehr nahe, dass bei einer weiteren Tour und einem nur mäßigen Studioalbum die Kämpfer für den wahren Stahl in deutlich kleineren Hallen für Unterhaltung sorgen werden.

Value for money? Wohl die schwierigste Frage überhaupt – beinharte Manowar-AnhängerInnen werden dir mit gekreuzten Armen ein heftiges Ja entgegen schreien, die Gegenpartei wird den Kopf hängen lassen und eine Band zu Grabe tragen oder deren Shows nicht mehr besuchen. Und eine neue Runde in den Diskussionsforen dieser Welt bekam somit neuen Nährboden für zukünftige hitzige verbale Schlachten.

Setlist:

Call To Arms
Hands Of Doom
Kings Of Metal
God Or Man
Swords In The Wind
Bass Solo
Die With Honor
Let The Gods Decide
Die For Metal
Sons Of Odin
The Gods Made Heavy Metal
Sleipnir
Loki God Of Fire
Thunder In The Sky
Warriors Of The World
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House of Death
Black Wind Fire And Steel

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