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Manic Street Preachers im Konzert (Köln, Mai 2014)

Vom Träumen und Verzücktsein

Steht absolut im Mittelpunkt: Manic Street Preachers Fronmann James Dean

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Wenn man sich die heutige Supportband Public Service Broadcasting so ganz im Kontrast zum Headliner Manic Street Preachers anschaut, kann man schnell feststellen: Ein Abend der Gegensätze. PSB stehen für Elektro-Poprock, bestehend aus Samples, Keyboardsounds, Festplattentuning, Drums, ein wenig Gitarre und Banjo – und die Ansagen kommen auch noch vom Band. Einigen gefällt es, bei vielen aber fällt die Band durch, als Fazit kann man gut stehen lassen: Braucht man nicht wirklich, zumindest nicht auf der großen Bühne in der Live Music Hall in Köln. Denn eines ist klar: Die meisten sind heiß auf handgemachten Alternative Rock aus der Waliser Feder, auch wenn sich der Sound über die Jahrzehnte hinweg von den raueren Anfangstagen immer mehr in den poppig souligen Bereich verschoben hat.

Manic Street Preachers

Lediglich vier Shows der Waliser sind hier in Deutschland angesetzt, insofern ist es doch ein wenig verwunderlich, dass heute Abend die Kölner Live Music Hall nicht ausverkauft zu sein scheint. Egal, die Halle ist trotzdem bis in die hinteren Reihen richtig gut gefüllt. Vorne vor der Bühne ist schon lange keine Platz mehr, was natürlich den Gang zu den seitlich angelegten Theken erschwert.

Eigentlich fahren ja die Manic Street Preachers eine Tour zwischen zwei Touren, denn zum einen wollen sie ihr im September 2013 veröffentlichtes Album „Rewind The Film“ vorstellen, und schon in wenigen Wochen nach der Show steht auch noch das Release des neuen Happens „Futurology“ an, der heute sogar auch zum Zuge kommt. Mehr Pop, mehr Kraut, mehr Elektronik, so die modernere Ausrichtung, aber in Köln steht dann doch das erdige Rockprogramm auf dem Prüfstand.

„Ich hoffe, wir können gemeinsam rocken“, so Frontmann James Dean Bradfield, der die Fäden aber sowas von absolut in den Händen hält – natürlich mittig auf der Bühne postiert, wo er dann auch, bis auf wenige kleine Ausnahmen, bleibt. Lediglich Bassist Nicky Wire darf wohl noch ein paar Meter auf seiner Bühnenseite machen, Gitarrist Wayne Murray dagegen wirkt wie beim Keyboarder geparkt und scheint immer wieder eher in sich gekehrt als ausflippend zu spielen.

Bei der Setlist gibt es kaum etwas zu meckern, streifen doch die Waliser nahezu jede eigene kreative Phase, reißen mit dem viel umjubelten „You Love Us“ oder dem eigentlichen Opener „Motorcycle Emptiness“ Debützeiten an und hangeln sich in einem auf und ab in der Discographie bis zu „Europa geht durch mich“ vom kommenden Album durch – eine Zeitreise, die fast ständig dafür sorgt, dass hunderte Fans nicht nur im eigenen Saft vor sich hinbrüten, sondern auch inbrünstig mitsingen. Ganz im Kontrast dazu stehen hinten ein paar Typen, die lieber andächtig dem Sound lauschen und sich sogar durch das Geplapper diverser NachbarInnen genervt fühlen.

Verkommen bei so vielen Shows die ruhigen akustischen Parts gerne zu Stimmungskillern, so sieht das heute Abend komplett anders aus, denn auch die beiden von James Dean Bradfield im Akustikklampfenalleingang dargebrachten „This Sullen Welsh Heart“ und „From Despair To Where“ stehen ganz oben in der Gunst des Publikums und werden ebenfalls mit richtig fettem Applaus bedacht. Mitklatschen, bei „Tsunami“ Herren gegen Damen ausspielen, fettes Aufjubeln, als James „Ocean Spray“ ankündigt – die Fans sind voll dabei. Aber nach guten hundert Minuten ist dann doch Schluss. Genug den Anzug vollgeschwitzt, der Amp abgestellt. Hundert Minuten, die zum Träumen einluden und fast alle restlos verzückten.

Setlist:

Intro A New Career In A New Town
Motorcycle Emptiness
You Stole The Sun From My Heart
(It's Not War) Just The End Of Love
Europa Geht Durch Mich
Suicide Is Painless (Johnny Mandel Cover)
Stay Beautiful
Rewind The Film
Die In The Summertime
Your Love Alone Is Not Enough
No Surface All Feeling
Walk Me To The Bridge
A Design For Life
This Sullen Welsh Heart
From Despair To Where
Revol
Let's Go To War
Ocean Spray
You Love Us
Tsunami
Show Me The Wonder
Motown Junk
If You Tolerate This Your Children Will Be Next

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