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Maks & The Minors im Konzert (Hamburg, April 2010)

Eine überschaubare Menge an Zuschauern, aber gute Stimmung
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Maks & The Minors sind auf dem Weg nach oben. Die Band spielt schon längst auch weit außerhalb Hamburgs und wo sie auftritt, sind die Leute begeistert von dem ungewöhnlichen, aber eben sehr eigenständigen Sound, dieser Mischung aus Rock, Ska, Polka und Balkan- beziehungsweise russischer Folklore. Ihre „Wahlheimat“, wie die Jungs selber sagen, ist jedoch der Downtown Bluesclub im Hamburger Stadtpark – dort ist man in der Tat schon sehr oft aufgetreten und gibt sich auch an diesem milden April-Abend wieder mal die Ehre.
Zuvor ist allerdings noch Danny Bryant’s Redeye Band an der Reihe, die stark in die bluesrockige Ecke gehen soll. Von dieser bekomme ich jedoch nichts mit, da ich zu der Zeit ein Interview mit Bandkopf Max Kretzenbacher durchführe, das ihr an anderer Stelle auf dieser Seite lesen könnt.

Gegen 22:30 treten dann Maks & The Minors auf, die momentan lediglich als Quartett agieren, da Gitarrist Roman Werner, der den letztes Jahr ausgestiegenen Chris Henschel ersetzte, schon wieder raus aus der Band ist, was bedeutet, dass Max heute alle Gitarrenparts selbst übernehmen muss. Bevor es so weit ist, gibt aber noch ein junger amerikanischer Gitarrist mit Namen Keaton Simons eine Kostprobe seines Könnens ab; er wird mit seiner Band im Mai im Bluesclub auftreten, doch da er heute ebenfalls anwesend ist, können sich die Zuschauer jetzt schon mal ein Bild von seiner Musik machen. Einen Song spielt der Lockenkopf alleine nur mit seiner Gitarre und überzeugt mit kräftiger, souliger Stimme, und für zwei weitere Stücke kommen dann Maks & The Minors hinzu, um ihn tatkräftig zu unterstützen. Eine sehr schöne Einstimmung auf die nächsten anderthalb Stunden, in denen dann natürlich Max das Mikro übernimmt.

Angesichts der Tatsache, dass der Bluesclub so etwas wie die zweite Heimat der Gruppe und es noch dazu Freitag abend ist, ist es doch erschreckend leer heute – vielleicht liegt das am Eintrittspreis von 13 Euro, der zumindest, wenn man bedenkt, dass die beiden Combos noch nicht den Bekanntheitsgrad so manch anderer Legende, die hier schon Konzerte zum besten gegeben hat, erreicht haben, nicht unbedingt gering ist. Die Stimmung ist dennoch prächtig, und die kleine, aber treue Fangemeinde, die heute anwesend ist, gleich voll dabei. Wenn weniger Leute da sind, bleibt wenigstens genug Platz, um sich zu bewegen – um zu tanzen, wild zu gestikulieren, im Takt zu bangen oder sonst wie aus sich herauszugehen.

Wie nicht anders zu erwarten, wird das Set mit einem Song der aktuellen Scheibe „Good Morning, Samsara!“ eröffnet, der zweite Track „The River“ ist es, und die Band gleich mit voller Spielfreude dabei. Man hat das Gefühl, dass es dem frisch gebackenen Vater Max nicht nur nichts ausmacht, wieder alle Gitarrenparts zu spielen und damit eine Doppelbelastung zu haben, sondern dass er auch unheimlich viel Spaß daran hat (auch wenn er sich wohl erst wieder dran gewöhnen muss, da er nicht weniger als dreimal auf sein Gitarrenkabel latscht und es unfreiwillig aus der Klampfe befördert) – bei so manchen Soli scheint er sich geradezu in Ekstase zu steigern. Na ja, singende Gitarristen waren schon immer cooler als Frontmänner, die nur singen. Das Einzige, was dadurch leider flach fällt, sind die Stücke, bei denen die Mundharmonika eine tragende Rolle spielt – ein Groove-Monster der Marke „Movin’ Out“ oder das tierisch geile „It’s Not True“ sind in dieser Besetzung kaum umsetzbar, denn gleichzeitig zu singen, Gitarre zu spielen und Mundharmonika zu spielen, ist sicherlich etwas viel verlangt.

Aber bei der Fülle an Hits fällt das im Prinzip gar nicht so auf und auch die restlichen Bandmitglieder haben sichtlich Bock auf den Gig: Jakobs filigranes Pianospiel ist immer wieder ein Fall für große Augen, Niki trommelt energisch wie eh und je und Bassist Artjom zockt seine Lines souverän runter und scheint innerlich den Text zum famosen „I Was Wrong“ (Max’ erklärte Lieblings-Eigenkomposition, die hier in schön lang ausgedehnter Version präsentiert wird) mitzusingen, wie man an den Lippenbewegungen erkennen kann.

Bei „Far Away“ und „Children’s Song“ vom ersten Album betritt dann mit Sebastian Helm ein ehemaliges Bandmitglied die Bühne, um seine Ex-Kollegen mit der Akustikgitarre ein wenig zu unterstützen. Sebastian hatte die Gruppe nach den Aufnahmen von „Movin’ Out“ verlassen, um sich auf seine Arbeit als Schauspieler zu konzentrieren, aber glücklicherweise hat man offenbar immer noch guten Kontakt zueinander. Nach den beiden Stücken schlägt er jedenfalls bei allen vieren ein und holt sich einen verdienten Applaus beim Publikum ab.
Insgesamt zockt die Band eine gute Mischung aus ihren bisherigen beiden Alben, wobei Überflieger-Nummern wie „I Don’t Know“, „I Just Don’t Know What I Want“, „Boys ’N Girls“ oder „Better Things“ (bei dessen Intro sich Max kurz ans Keyboard setzt, damit Jakob wieder seinen berühmten „Hirschdance“ aufführen kann, die Bedeutung könnt ihr auf der Fanseite desselben Namens nachlesen) nicht fehlen dürfen und aus vollem Halse mitgesungen werden.

Als das Quartett sich dann nach etwa achtzig Minuten verabschiedet, ist der Jubel groß und dementsprechend lässt man sich nicht lange bitten und kredenzt noch den unverzichtbaren, wunderschönen „Last Song“ (der keineswegs der letzte Song an diesem Abend sein soll) und mit „City’s Choir“ eine etwas härtere, Riff-lastige Nummer, die noch auf keinem Album erschienen ist, obwohl es sich eigentlich um ein älteres Stück handelt. Dieses sollte laut Max eigentlich bereits auf der ersten CD zu hören sein, fand den Weg darauf jedoch nicht, weil der damalige Produzent Ken Hensley davon wohl nicht so begeistert war. Nach meiner bescheidenen Meinung hört sich das Ganze aber mehr als passabel an und bietet gutes Headbanger-Futter für die Fraktion, die es etwas härter mag, und auf der nächsten Scheibe soll „City’s Choir“ dann dementsprechend auch in der Tracklist auftauchen.

Danach gehen zwar die Lichter an und es scheint endgültig Schluss zu sein – doch gesteht man der Band mit „Most Disgusting Town“ letztlich noch eine weitere Zugabe. Hierbei handelt es sich um den Opener des aktuellen Silberlings, der aufgrund seines hohen Tempos als Rausschmeißer allerdings ebenso gut funktioniert. Um welche Stadt es sich handelt, ist natürlich eine interessante Frage, mehr dazu in unserem Interview.
Inzwischen aber ist es weit nach Mitternacht und somit nun wirklich Feierabend. Maks & The Minors haben bei sehr gutem, ausgewogenem Sound – im Bluesclub kann man in der Hinsicht allerdings meistens nicht meckern – wieder einmal für einen unterhaltsamen, spaßigen Abend gesorgt, der in gemütlicher Runde bei ein paar Bierchen ausklingt.

Anmerkung: Die Reihenfolge der Setlist stimmt garantiert nicht zu hundert Prozent. Ich hatte nichts zu schreiben mit und eine Setlist lag nicht aus.


- The River
- I Don’t Know
- I Was Wrong
- Boys ’N Girls
- I Just Don’t Know What I Want
- Far Away
- Children’s Song
- Rainy Days
- Three Words (?)
- Better Things
- Beautiful (?)
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- Last Song
- City’s Choir
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- Most Disgusting Town

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Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging