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M'era Luna 2005

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Schon letztes Jahr bot das M'era Luna Festival in Hildesheim ein äußerst ansprechendes Line Up: In Extremo, Schandmaul, Saltatio Mortis und Fiddler's Green waren nur einige der folkigen Bands, die weiteren Top Acts der dunklen Szene gegenüberstanden.

 

Und auch dieses Jahr wurden die Bands von gut 21000 Besuchern bestaunt. Wo letztes Jahr im Großen und Ganzen eher die Rock & Metal - Bands dominierten, war das Festival dieses Jahr wieder mehr auf die Elektroschiene ausgerichtet.

 

Rückblickend auf das letzte Festival im Sommer 2004, erinnert man sich neben den eben genannten Bands auch an die Hitze, die es zu überleben galt. 37° Celsius waren die gemessenen Höchstwerte an diesem Wochenende. Bei Betrachtung der diesjährigen Wetterlage, wünschte sich der ein oder andere – zumindest am letzten Festivaltag – doch den blauen, von Wolken verschonten Himmel über Hildesheim zurück. Hitze hin oder her.

 

Schon am Freitagnachmittag setzte der Regen ein und bedrückte die ersten Camper, die ihre Zelte aufschlagen wollten. Während der Samstag weitgehend trocken blieb und man dem Sonntag optimistisch entgegen sah, gab es an jenem Tag ein böses Erwachen. Während am Vormittag nur der Zeltplatz feucht-matschig war, verwandelte sich nach Mittag das gesamte Festivalgelände in eine braune Rutschbahn. Zum Glück sind auf der Location (der Hildesheimer Flugplatz) einige Stellen betoniert, so dass wenigstens der Weg zum Hangar zwar nass, aber sauber, in Angriff genommen werden konnte.

 

Im überdachten Hangar nämlich befindet sich die eine (kleinere) der beiden Bühnen. Die große Hauptbühne dagegen konnte man nur nach einer kurzen Wanderung durch den Schlamm erreichen. Vor sämtlichen Speise-, Getränke- und Merchandisingständen hatten sich mehr oder weniger große Pfützen gebildet, die mit Stroh notdürftig ausgelegt wurden. Von den Buden angeboten wurde ein sehr großes Spektrum an verschiedenen Dingen. Neben kulinarischen Speisen (z.B. Pizza, Nudeln, Pommes Frites, Burger um nur einige zu nennen) gab es ebenfalls alles von CDs bis Kleidung und sogar Särge konnten gekauft werden. Ob diese nun ins Zelt passten sei einmal dahingestellt…

 

Sanitäre Einrichtungen waren genügend vorhanden. Neben den bekannten, aber gefürchteten Dixi Klos, gab es ebenfalls gepflegte Toiletten und Duschen, deren Benutzung umsonst war.

 

Am Samstag, dem ersten von zwei Festivaltagen, ging es um 11:00 Uhr auf der Hauptbühne mit In Mitra Medusa Inri los. Der Platz vor der Bühne war bereits mit überraschend vielen Zuschauern gefüllt. Qntal, so sagte der Plan, sollten um 12:10 Uhr im Hangar beginnen. In der Theorie sah das etwas anders aus. Nach einiger Zeit Verspätung kam die Band dann doch auf die Bühne und entschuldigte sich für die technischen Probleme. Es hieß, diese seien noch nicht gelöst, aber man wolle die Fans nicht länger warten lassen und sich einfach darauf verlassen, dass der Hall im Hangar die akustischen Pannen verschlucke. Es gab zwar – wie seit Jahren im Hangar üblich – den gewohnten Hall und den daraus resultierenden zähen, lauten Soundbrei, dieser war aber nicht dickflüssig genug, nun auch noch die während des Auftritts immer wiederkehrenden Rückkopplungen zu überdecken. Die dauerhaften Entschuldigungen, wie auch einiges an klischeehaften Ansagen („Ihr schwarzen Seelen, ich wünsche euch einen angenehmen dunklen Mittag – das nächste Lied heißt Black“) und die Uneinigkeit in der Band, ob man die Techniker nun in Schutz nehmen solle oder nicht, zauberten ein Schmunzeln auf das ein oder andere Gesicht im Publikum. Höhepunkt eines eher gelangweilt und müde klingenden Auftritts (die Band war erst um 4 Uhr morgens in Hildesheim angekommen) war Totus Floreo, ein Lied, an dem sich so gut wie jede mittelalterliche Kapelle schon einmal versucht hat.

 

Weiter ging es mit Potentia Animi. Die schweren Elektrobeats von Qntal wurden gegen rockige Trommel-, Flöten, Dudelsack- und Lautenklänge eingetauscht und die Müdigkeit gegen aufgedrehte Lebensfreude ersetzt. Nach dem von den Musikern selbst durchgeführtem Soundcheck und anfänglicher Maskentracht waren es Lieder wie Gaudite, in dem jeder der „Brüder“ von seinen begangenen Sünden singt, und amüsante Ansagen, die die Fans begeisterten. Die Stimmung war deutlich lockerer als bei den Vorgängern. „Seit fruchtbar und mehret euch. Amen!“ waren die letzten Worte, die es von den seltsamen Mönchen nach 40 Minuten zu hören gab.

 

Inzwischen begann auf der Mainstage die etwas umstrittene Band Negative mit ihrem Auftritt, im Hangar folgte die Gothic Metal Band Leaves’ Eyes und bewies, dass sie weit mehr musikalisches Potential besitzt als es die Single Elegy, bekannt aus der Rotation auf Musiksendern im TV, vermuten lässt. Kein Wunder, besteht doch das Line Up aus Liv Kristine und Mitgliedern von Atrocity. Diese Band allein war etwas später an der Reihe und meisterte auch diesen Auftritt mit Bravour. Wo eben noch die ehemalige Theatre Of Tragedy-Sängerin auf der Bühne stand, grunzte nun ihr Ehemann Alexander Krull ins Mikro. Geht es bei Atrocity zwar härter ans Werk, als es bei Leaves’ Eyes der Fall ist, fungieren jedoch beide auch in dieser Band. Auch wenn es sich nur um eine Gastsängerrolle Liv Kristines in vielen Liedern handelt.

 

Man näherte sich nun dem Auftritt der Folk Rock-Band Schandmaul. Unmittelbar vor ihnen spielten die Gothic Rocker von The 69 Eyes. Die dunkle Stimme von Frontmann Jyrki gab Songs des aktuellen Albums Devils, wie die aktuelle Single Lost Boys oder die Ballade Sisters of Charity zum Besten, ergänzte das Programm aber ebenfalls durch Highlights der letzen 8 Alben, wie zum Beispiel Gothic Girl von Blessed Be (2000).

 

Nun war es Zeit für Schandmaul. Nach dem instrumentalen Intro des Auftritts waren „Guten Abend, M’era Luna! Habt ihr Lust auf Party?“ die ersten Worte, die über Sänger Thomas’ Lippen kamen. Die Zuschauer hatten Lust. Die Tontechniker weniger. Die E-Gitarre war relativ schlecht zu hören, Geige, Drehleier und Dudelsack dominierten. Eine Highspeed Version von Drachentöter, Teufelsweib und Herren der Winde waren nur einige der Stücke, die von den Schandmäulern in teils im Gegensatz zur Albumversion abgewandelter Form performed wurden.

 

Hocico, VNV Nation und Skinny Puppy waren die letzten drei Bands des Abends, die allesamt musikalisch eher elektronisch orientiert waren. Gerade die letztgenannten boten einen gewohnt skurilen Auftritt und schlossen den Tag ab. Anschließend konnte man sich bei einer Hangarparty vergnügen.

 

Wer allerdings am nächsten Morgen um 11 Uhr wieder auf den Beinen sein wollte, um sich den Tagesopener Scream Silence anzuschauen, hätte sich die Sache mit den durchzechten Nächten einmal mehr überlegen sollen. Wer dagegen aber die Ambition verfolgte, pünktlich zur zweiten Band auf der Mainstage (The Vision Bleak) aufzustehen, konnte dies zwar machen, musste sich aber auf den Regen einstellen, der nun schon seit Stunden fiel und im Verlaufe des Tages (bis auf kurze Ausnahmen) auch nicht stoppen sollte. Daher hielt sich die Anzahl der sich vor der Hauptbühne befindenden Menschen auch in Grenzen. Schade, denn die Musiker, die ihre Musik selbst als „Horror Metal“ bezeichnen, boten einen überzeugenden Auftritt.

 

Anschließend waren die Musiker von Faun an der Reihe. Gewohnt sympathisch führte Oliver Sa Tyr durch das Programm. Es gab jedoch einige Probleme beim Sound, was sich in Form von nicht hörbaren Instrumenten auswirkte.

 

Die Newcomer Gate überraschten anschließend mit norwegischem Folk, gepaart mit Rockmusik. Mehr oder weniger angenehm verlieh die Sängerin meist fröhlich beschwingten Liedern ihre Stimme bis es dann mit zwei Bands aus dem Bereich Gothic Rock weiterging.

 

Zeraphine, schon um halb 5 an der Reihe, durchspielten ihre drei Alben, legten den Schwerpunkt aber logischerweise auf die neuste Publikation Blind Camera. Gerade die Stimme von Sänger Sven Friedrich wirkte doch viel wärmer und gewaltiger als auf den Platten.

 

Überzeugend, dabei aber härter, waren auch Lacuna Coil. Bei strömendem Regen spielten die Gothic Metaller vor einem Meer aus schwarzen Regenschirmen, ließen sich die Spielfreude aber dennoch nicht nehmen. Synchron-Headbanging vom feinsten.

 

Dann, um kurz vor 6, eines der großen Highlights des Festivals. In dem Moment, in dem die 7 Musiker von Subway to Sally die Bühne enterten, hörte es auf zu regnen. Das blieb nach dem ersten Lied Veitstanz auch Sänger Eric Fish nicht verborgen: „Wir versprachen euch, es würde aufhören zu regnen…“. Und weiter ging es mit bombastischen Klängen kombiniert mit dem melodischen Gesang. Der Platz war nun – im Gegensatz zu Lacuna Coil – gefüllt mit Menschen. „Wir waren vor zwei Jahren das letzte Mal hier. Als wir da Kleid aus Rosen gespielt haben, habe ich eine Gänsehaut bekommen, als ihr lauter wart als ich. Ich möchte, dass das hier und jetzt wieder geschieht!“, leitete Eric Fish die Akustikversion des von der CD Herzblut stammenden Liedes ein.

 

Danach waren sich Band und Publikum einig, dass die Gänsehautatmosphäre erfolgreich heraufbeschworen wurde. Insgeheim hatte der ein oder andere schon im Vorfeld auf ein paar Songs des neuen Albums Nord Nord Ost gehofft. Tatsächlich gespielt wurde dann aber nur die aktuelle Single Sieben. Von Enttäuschung war jedoch keine Spur, hatte man doch eben die Live-Weltpremiere des Stückes gehört.

 

Man näherte sich nun dem Headliner des Abends. Nach den Tönen elektrischer Natur von Deine Lakaien war es dann auch soweit: Sisters of Mercy standen auf der Bühne. Seit mehr als 10 Jahren gibt es von der Band nun schon kein neues Songmaterial mehr. Aber solange sie noch immer live performed ist das auch gar nicht nötig: Songs wie This Corrosion knallen noch immer!

 

Dies war nun der gelungene Abschluss des M’era Luna Festivals 2005. Der Regen hat zwar einiges an guter Laune und Lust auf die Bands zerstört, jedoch kann deswegen niemandem ein Vorwurf gemacht werden. Und die eingefleischten Fans und beständigen Festivalbesucher ließen sich die Stimmung wegen dem bisschen Wasser nicht versauen, sondern feierten ihre Bands unerbittlich. Freuen wir uns auf ein M’era Luna Festival 2006 mit besserem Wetter und ebenso guten Bands wie in diesem Jahr …

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