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Lynyrd Skynyrd, Lake im Konzert (Essen, März 2010)

Viel Routine, viel Spaß, großartige Klassiker
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Schon zu recht früher Stunde wurden die Tore der Grugahalle in Essen geöffnet, um den Strom an Fans von der feuchtkalten Umklammerung im Außenbereich zu befreien. Noch recht überschaubar war zuerst der Zuschauerzuspruch, am Ende tummelten sich irgendwo zwischen 1500 und 1800 Leute im Konzertsaal, der eigentlich für deutlich mehr Besucher ausgelegt ist. Zwei ausverkaufte Shows in der Bochumer Zeche hätten ihren Dienst auch getan. Vielleicht wurden aber auch die Gäste durch an die an die 50 Euro-Marke kratzende Eintrittskarte abgeschreckt.

Im Vorprogramm konnten die alten Recken von Lake zeigen, wo die Rockharke hängt. Es wäre an dieser Stelle nicht fair, auch über Lake zu berichten, weil auch die berichteschreibenden Fotografen mitten im Set am Sammelpunkt am Haupteingang erwartet wurden, um von dort von einem Mitarbeiter der zuständigen Konzertagentur in der Umbaupause wieder in den Fotograben zum Lynyrd Skynyrd-Gig zurückgeleitet zu werden. Schade, denn hier fiel mehr als die Hälfte der Show zum Opfer, was somit dazu führt, dass von Lake nur Bilder zur Verfügung stehen.

Lynyrd Skynyrd

Dem Applaus für Lake nach zu urteilen, der die Treppen bis ins Untergeschoss hinunterflutete und sich recht ordentlich anhörte, und nach einige Gesprächen über die Performance, soll es recht unterhaltsam, allerdings nicht der Bringer gewesen sein. Lassen wir das hier so stehen und geben der Band die Chance, bei einer eventuellen weiteren Tour eine reifere Leistung abzuliefern.

Klar war, warum die Leute allerdings an diesem eisigen Dienstagabend nach Essen pilgerten. Allerdings für alle Unbedarften hier bei The-Pit.de zuerst eine kleine Geschichtslektion über eine Band, die die Südstaatenrockszene neben Größen wie z.B. ZZ Top maßgeblich geprägt hat. Ursprünglich als Blues-Rock-Band im Jahre 1964 gegründet, tourte man viel durch die südlichen Saaten der USA, der Erfolg war nur mäßig. Auch die erste Scheibe lief nicht wirklich gut an, Anfang der Siebziger standen zahlreiche Line-up Wechsel an, die Popularität wuchs, als man im Vorprogramm bei The Who ein breiteres Publikum erreichte. Die Alben verkauften sich zunehmend besser, Lynyrd Skynyrd tauchten regelmäßig in den oberen Regionen der Charts auf, und mussten dann den wohl schwärzesten Tag der Bandgeschichte hinnehmen: Am 20. Oktober 1977 endete ein Flug in den Nähe von Gillsburg mitten im Wald, Fronter Ronnie Van Zant, Gitarrist Steve Gaines sowie seine Schwester überlebten den Crash nicht. Die anderen waren zum Teil übelst verletzt. Und auch die Band überlebte diesen Schicksalsschlag nicht, denn erst 1987 zum zehnten Todestag reformierte sich Lynyrd Skynyrd für eine Revival-Reunion-Tour. Am Mikro stand nun der Bruder des verstorbenen Ronnie, Johnny Van Zant. Die neu gefundene Truppe hielt mehr oder weniger stabil zusammen und veröffentlichte seitdem regelmäßig neues Material. 2009 erschien das aktuelle Werk „God & Guns“, welches nun durch die Tour durch die europäischen Länder auch vorgestellt werden sollte.

Die Kulisse war richtig spartanisch, und als Lynyrd Skynyrd die Bühne betraten, teilten sechs fette Spotstrahler die Luft in der Grugahalle und leuchtete den Ort des musikalischen Treibens gleißend hell aus. Nur so hell wie die Strahler konnte dann die Band leider nicht mitglänzen. Warum? Ohne Frage, über die Qualitäten der Songs braucht man keinen Streit anzuzetteln, filigran und jederzeit tanzbar rauscht die Slide-Gitarre in jeden Bein- und Armmuskel, doch die Show selbst ist natürlich dem Durchschnittsalter der Band angepasst. Jede Bewegung schien einstudiert oder durch die Routine abgeschliffen, schon wohltuend, dass die beiden in die Jahre gekommenen Tänzerinnen nicht auch synchron ihre Arme schwenkten. Ihre Backgroundgesänge waren eh nur punktuell eingesetzt, zwischendurch haben sie sogar ganz die Bühne verlassen (müssen).

Soundtechnisch gab es dabei nichts zu meckern, der Bass von Neutieftöner Robert Keans wummerte ordentlich, und der ehemalige Schlagzeuger und nun Gitarrist Rickey Medlocke war auch als Aktivposten auszumachen. Ganz frisch mit von der Partie ist auch hinter den Tasten Peter Keys zu finden; der Name schien Programm. Doch hinter den Tasten stellt die Show nun nicht richtig dar, denn eigentlich zeigte er dem Publikum fast ständig seine Rückseite. An amerikanischer Coolness fast erstickend legte übrigens Gründungsmitglied Gary Rossington eine souveräne Leistung an seinem Instrument hin, doch kein so warmer Applaus konnte ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Hätte seinem augenringenverhärmten Ausdruck vielleicht ein wenig mehr Charme verliehen.

Showelemente waren spärlich, wenn man mal von der Südstaatenflagge am Mikrofonständer absieht, oder das Zücken des Deutschland-Banners für wenige Sekunden, was seltsamerweise zum Szenenapplaus führte. Komisches Volk, diese Konzertbesucher bei Lynyrd Skynyrd.

Bei der Riesenauswahl an musikalischer Vergangenheit werden nicht immer alle Fans mit der Setlist glücklich gestellt werden können, und Lynyrd Skynyrd legte eine Zeitreise quer durch alle Schaffensphasen hin. Dabei wurde das aktuelle Album lediglich mit „Skynyrd Nation“ sowie im weiteren Verlauf durch den live ineinander übergehenden „God & Guns/ Still Unbroken“ gewürdigt. Natürlich waren weitere Highlights eingeplant, so auch das geschichtsträchtige „What’s Your Name“ (welches nach dem Flugzeugunglück entstand und 1978 auf einer Single veröffentlicht wurde), oder dem Uralttrack „Simple Man“, welcher nun auch schon fast drei Jahrzehnte auf dem Buckel hat.

Richtig gierig waren allerdings die jungen sowie die angegrauten Fans auf die Übersongs der Lynyrd Skynyrd-Historie, das vielumjubelte und lautstark mitgesungene „Sweet Home Alabama“, welches allerdings noch durch den letzten, in einer ausladenden Jamsession ufernden Hochkaräter namens „Freebird“ würdig getoppt wurde. Fronter Johnny verabschiedete sich ohne großes TamTam, warf einem Roadie seinen Mikrofonständer quer über die breite Bühne zu und war verschwunden, während sich der Rest im oben erwähnten Finalrausch austobte. Unterm Strich boten Lynyrd Skynyrd neben viel Routine allerdings richtig musikalische Leckerbissen, die auch noch in weiteren Jahrzehnten den Zahn der Zeit überstehen werden.

Setlist:

Skynyrd Nation
What’s Your Name
Gimme Back My Bullets
I Know A Little
That Smell
Simple Man
Whiskey Rock’n’Roller
Down South Jukin’
The Needle And The Spoon
Tuesday’s Gone
God & Guns/ Still Unbroken
Gimme Three Steps
Call Me The Breeze
Sweet Home Alabama
Freebird

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