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Lordi, Silverlane, Fatal Smile im Konzert (Januar 2009)

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Die finnischen Monster, die sich mit ihrem aktuellen Album „Deadache“ auf große Tour machten, schauten am 31.Januar 2009 in der Oberhausener Turbinenhalle vorbei. Nachdem das Album bei weitem nicht mehr so erfolgreich war wie „The Arockalypse“, was auch die Chartpositionierungen aufzeigen, war es nicht verwunderlich, dass auch der Zuschauerandrang ein wenig verhaltener war. Trotzdem warteten schon 70- 80 Leute gut eine Stunde vor Einlass in eisiger Kälte vor dem Eingang, um einen möglichst guten Platz direkt an der Bühne zu ergattern.

Fatal Simle

Mit ein wenig Verspätung erlosch dann das Hallenlicht, um durch das Blaulicht Alarm zu geben, das es nun endlich los geht. Und wie es losging, Die Schweden Fatal Smile erklommen die Bühne und legten mit einem Tempo los, dass es eine wahre Freude war. Der ein wenig auf Partystimmung ausgelegte Musikstil der Sleaze Rocker sorgte für tüchtigen Adrenalinanstieg bei dem Publikum. Der Opener „Neo Natural Freaks“, welcher auch gleich der Titelsong des zweiten Albums ist, ging direkt in die Vollen.

Sänger Blade sorgte mit seiner Show für viel Bewegung und Mikroständerakrobatik. Das Publikum ging von Minute zu Minute immer mehr mit. Das kräftige „Stranger“ pushte fast noch mehr als das tolle „Out Of My Head“. Wow, Lordi haben mal wieder bewiesen, dass sie ihrem Ruf, immer richtig gute Opener mit auf Tour zu nehmen, wirklich gerecht werden. Vor zwei Jahren The Dogma und nun Fatal Smile und Silverlane. Kraftvoll hämmerte man „Run For Your Life“ in die gut mitgehende Menschenmasse. Man merkte der Band an, dass sie schon einiges an Bühnenerfahrung haben, denn diese Show passte perfekt zur Musik, die irgendwie eine gute Mischung aus Mötley Crüe, Kiss und Poison ist. 

Dass die Band ihr Pulver aber bisher noch lange nicht verschossen hatte, zeigen dann die beiden musikalischen Hämmer „Learn-Love-Hate“ und „S.O.B.“. Gerade letzterer weist recht starke Kiss-Attribute auf. Ganz großes Kino, was Gitarrist Y, Bassist ALX, Drummer Zieff und eben Frontmann Blade hier abgeliefert haben.

Setlist Fatal Smile

Neo Natural Freaks
Stranger
Out Of My Head
Run For Your Life
Learn – Love – Hate
S.O.B.

 

Silverlane

Dann wurde es Zeit für Silverlane. Die Band um Subway To Sally-Drummer Simon Michael durfte schon nach nur gut 15 Minuten Umbaupause die Bühne entern. Die Powermetaller sorgten von Beginn an für noch mehr Publikumsreaktionen, obgleich sie ihr Set lediglich des zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienenen neuen Albums „My Inner Demon“ spielten. Musikalisch hob sich ihr Power Metal natürlich vom Opener ab. Hier wurde deutlich mehr Augenschein auf Arrangements und komplexere Melodien gelegt. Nach dem starken Opener „The Dark Storm“ folgte „Miracle“. 

Keine Frage, die Band bot eine gute Show auf technisch hohem Niveau, aber war es vielleicht die enthusiastische Show von Fatal Smile, die Silverlane irgendwie ein wenig alt aussehen ließ? Die Spielfreude konnte zumindest nicht wirklich transportiert werden. Musikalisch war es aber das Sahnehäubchen des Abends. Mit „Kingom Of Sand“ folgte zugleich auch das erste Highlight in der Setlist von Silverlane. Unnötig, dass Ecki Singer danach darauf hinwies, dass dann mit „Full Moon“ ein neuer Song des neuen Albums kommen sollte. Die Setlist bestand ja nur aus Songs von „My Inner Demon“! Hervorheben muss man auch die starke Gitarrenarbeit von Ui Holzermer und Chris Alexander, die im Verbund mit der etwas im Dunkeln stehenden Keyboarderin Dodo Schmitt für viel musikalische Freude sorgten. 

„The Fligt Of Icarus“ (kein Iron Maiden Cover!) sorgte dann nochmal für richtig Freude, denn der Song gehört zu den richtig heraus stechenden Titeln, welche die Band im Gepäck hatte. Das Publikum war auch schon über der normalen Betriebstemperatur. Und als Ecki dann auch noch fragte, ob denn das Publikum schon für Lordi bereit wäre, wurde es natürlich noch mal um so lauter. Trotzdem bat er, noch einen spielen zu dürfen, wobei seine Frage natürlich absolut unnötig war, denn das mehrheitlich begeisterte Publikum wollte eh noch mehr. Und so haute man noch eben den hammermäßigen Opener „Wings Of Eternity“ des aktuellen Albums raus.

Besser hätte man das Set nicht beschließen können als mit diesen beiden Krachern und so verwunderte es auch nicht, dass die Fans bis in die hintersten Reihen ihre Arme in die Luft streckten und in der darauf folgenden Umbaupause der Merchandise-Stand der Band gestürmt wurde. Schade, dass man nur gute 35 Minuten Spielzeit zur Verfügung hatte.

Setlist Silverlane

The Dark Storm
Miracle
Kingdom Of Sand
Full Moon
The Taste Of Sin
My Inner Demon 
The Flight Of Icarus
Wings Of Eternity

 

Lordi

Was dann über das Publikum herein brach, könnte man glatt als „Pyromania“ bezeichnen. Die im wahrsten Sinne des Wortes monstermäßige Show sorgte mal wieder für mehr als nur offene Lagerfeuerromantik. Nach dem Intro ging man direkt „Girls Go Chopping“ in die Vollen und Mr. Lordi, Ox, Awa, Kita und allen voran Amen sorgten für eine richtig starke Horrorshow. Lediglich eineinhalb Lieder wurde mit Pyroeffekten gegeizt, denn man musste ja die Fotografen im Fotograben schützen. Schade, dass danach das Fotografieren strengstens untersagt wurde. Unsere Lieblingsmonster werden doch wohl nicht kamerascheu?

Da ein Roadie nicht schnell genug arbeitete, zertrümmerte Ox seine Gitarre auf dessen Rücken. Bei Lordi als Roadie zu arbeiten, ist was anderes als ein Urlaub auf einem Ponyhof. Das Publikum war schon längst außer Rand und Band, auch wenn die Halle nur zu gut dreiviertel gefüllt war. Die Eurovision Songcontest-Gewinner wurden wahrlich abgefeiert. Zum wohl besten Lordi Song „Blood Red Sandman“ holte das Obermonster gelb-blaue Papierschnipsel aus seinem Jutesack und beschmiss das Publikum.

Das danach einsetzende Sirenengeheul war kein Feueralarm, der heute sicher öfters ausgelöst hätte werden können, sondern der Einstieg zu „Man Skin Boots“. Ein Sternenregen wurde vom Bühnenboden aus abgeschossen der Erinnerungen an Silvester aufleben ließ. Zu „The Night Of The Living Dead“ wurde eine nicht mehr ganz taufrische Omi im Schaukelstuhl enthüllt, welche das Schaukelprinzip auch gut beherrschte. Klar, dass es dann langsam etwas zu laut im Publikum wurde und Ox mit seiner Panzerfaust eingreifen musste, was den Lärmpegel aber nur zusätzlich erhöhte. Der nächste Showhöhepunkt sollte dann das Erstechen der beiden tanzenden Zombies werden. Leider konnte man nur schon vor dem Aufspießen zu deutlich sehen, wo Awa die Lanze anzusetzen hatte. Das schafft Alice Cooper deutlich realistischer. 

Zum Anfang von „Deadache“ streichelte Mr Lordi der Schaukelstuhlomi richtig zärtlich, fast liebevoll über das leicht schüttere Haar. Mit Wolfskopfkappe und der bekannten funkensprühenden Dynamitstange wird „Bringing Back The Balls To Rock“ visuell unterlegt. Klar, dass nun auch mal Köpfe rollen mussten und so wurde ein Zombie geköpft und der Kopf am Schlagzeug angebracht, bevor Mr. Lordi mit einem Eimer Gehacktem die Bühne betrat und „Monster Monster“ gezockt wurde. Lustig, wie er sich mit dem abgetrennten Arm am Hinterteil kratzte. Damit dürfte auch die Frage geklärt sein, ob Monster Juckreiz verspüren. Seine funkensprühende Kettensäge wurde auch immer wieder begeistert vom Publikum aufgenommen.

Gerade Amen agierte sehr aktiv auf der Bühne und zog, soweit es seine Maske zuließ, seine Grimassen. Was die Aktivität anging, mauserte er sich zum Publikumsliebling. Und demzufolge durfte er zu „Wake The Snake“ auch ein ausgedehntes Solo spielen.
Der Einstieg zu „Dr.Sin Is In“ als Mitsingpart des Publikums ging dann leider ein wenig daneben, aber das sollte nicht lange stören, denn Mr. Lordi enterte als Chirurg den OP und extrahierte Eingeweide des bemitleidenswerten Patienten. Da ja aber alles gegessen wird, was auf den Tisch kommt, knabberte er auch recht vergnüglich an denselbigen.

Stark war dann der Abgang mit „Missing Miss Charlene“ und dem tollen Kinderchor. Leider aber schlecht geplant, denn mit einem älteren Gassenhauer hätte man zum Bühneverlassen mehr Publikumsreaktionen heraufbeschworen. So gab es nur einen kurzen Sprechchor und es zog ein wenig Ruhe in der Turbinenhalle ein. 

Klar, dass Lordi trotzdem wiederkamen, mit einer sprechenden Kinderpuppe kehrte der Meister zurück und leistete sich ein Sprechduell mit derselbigen, welche zu dem Schluss kam :„Ich hab dich ganz doll lieb!“. Welcher Song nun kommen musste, ist doch wohl klar: „Would You Love A Monsterman“. Mit einem riesen Knall wurde der Song eröffnet und roter Konfettiregen sorgte für zusätzliche Stimmung. Das Publikum war wieder voll da und feierte, was das Zeug hielt. Zu „Devil Is A Looser“ gab es einen wahren Funkenregen, auch wenn sich ein Flügel von Mr. Lordi nicht so recht zu öffnen schien. 

Als die Band dann die Bühne verließ, kochte die Halle und es wurde lautstark nach mehr verlangt, was klar war nach den beiden Hits. Da die Zugabe-Rufe nicht abrissen, erklomm Awa die Bühne und begann mit den ersten Tönen von „Hardrock Hallelujah“. Lordi schnappte sich sein Axtmikrofon und es knallte schon wieder gehörig aus der Pyroecke. Ein beachtlicher gelb-blauer Funkenregen ergoss sich über die Bühne und wurde nur noch von dem großen finalen Knall abgelöst. Ein erwartungsvolles „See You Next Time“ wurde dem Publikum noch entgegengeschmettert und dann war die Show vorbei, zumindest für heute.

Setlist Lordi

Intro
Girls Go Chopping
They Only Come Out By Night
Raise Hell In Heaven
Bite It Like A Bulldog
Who`s Your Daddy
Blood Red Sandman 
Man Skin Boots
The Night Of The Loving Dead
Deadache
Bringing Back The Balls To Rock
Monster Monster 
Evilyn
Wake The Snake 
Dr.Sin Is In
Missing Miss Charlene
Would You Love A Monsterman 
Devil Is A Loser 
Hard Rock Hallelujah

 

Ein wirklich tolles Konzertereignis haben die Veranstalter hier mal wieder aus dem Hut gezaubert. Der Beweis, dass man auch mit nicht ganz so starken Songs begeistern kann, wenn nur die Show stimmt, wurde auch erbracht. Trotzdem, Lordi waren, sind und werden wohl auch immer ein atemberaubender Live-Act sein. Fatal Smile dürften trotzdem der Gewinner des Abends sein. Sie überzeugten mit ihrer Spielfreude und überzeugendem Stageacting, gepaart mit richtig gutem Rock. Silverlane boten die größte musikalische Komponente, auch wenn mich die Spielfreude nicht überzeugen konnte. Und Lordi boten selbstverständlich die beste Show. Somit gab es drei Highlights, wobei da natürlich die wohl unbekannteste Band am meisten Punkte sammeln konnte. Daumen hoch für diese Tour.


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