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Long Distance Calling, Leech im Konzert (Münster 2008)

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Es gibt Bands, denen nimmt man ihre Musik nicht ab. Da wirkt dann auf der Bühne alles einstudiert, gestellt und irgendwie unecht. Dass es auch Formationen gibt, die ihre Musik fühlen, ja, mit ihr verschmelzen und eins werden, bewiesen am 16. Oktober im Münsteraner Triptychon Leech und Long Distance Calling.

 

Die zwei Post-Rock-Bands, die nicht nur die fehlende Besetzung am Mikro verbindet, gaben in der gut gefüllten Location eine Headliner-Show, die es in sich hatte. Beide Bands hatten jeweils etwa 75 Minuten Zeit, einen Auszug ihrer bisherigen Songs zum Besten zu geben. Dass trotz über zehn Jahre mehr Banderfahrung die Schweizer Jungs von Leech als erstes auf der Bühne standen, muss wohl regionale Gründe gehabt haben. Schließlich stammt ein Teil der Besetzung von Long DIstance Calling aus Münster. Den Anlass für die Tour hatte man in der neulich veröffentlichten Split-CD beider Bands, „090208“, gefunden. Der 9. Februar 2008, von dem der Name abgeleitet wurde, war der Tag, an dem die zwei Bands das erste Mal gemeinsam auf der Bühne standen.

 

Um kurz nach 21 Uhr betreten Leech die Bretter der gemütlichen Location und legen mit dem Opener der gerade erschienenen CD „The Stolen View“ (unsere Wertung: 9/10) los. Die Nebelmaschine läuft auf Hochtouren, und während „Silent State Optimizer“ sich von anfänglichen Soundeffekten zum Hauptthema aufschaukelt, sind praktisch nur die Schemen der gerade im Vordergrund stehenden Bandmitglieder zu erkennen. Erst als die verzerrten Gitarren losdonnern, sind alle fünf zu sehen – visuell sehr schön gemacht.

 

Leech spielen im Prinzip ihr neues Album in abgewandelter Reihenfolge durch. „Totem & Tabu“, der wohl härteste Song der neuen CD, steht an Stelle drei der Setlist. Hier, genau wie auch sonst während des Leech-Auftritts, ist der Sound glasklar abgemischt. Man sieht vor allem den drei Saiteninstrumentalisten deutlich an, dass sie sich auch selbst vollkommen in ihrer Musik verlieren. Fast schon wirkt es, als spielten sie nicht für das Publikum, sondern allein für sich. Es wäre nicht weiter verwunderlich, sähen die Proberaumsessions des Quintetts trotz all der Bewegung auf der Bühne ähnlich aus.

 

Dem Publikum gefällt es. Weiter geht es mit „The Man With The Hammer“, dem wohl stärksten Song der neuen CD, und „Inspiral“. Auch der exklusiv auf der Split-CD vorzufindende Titel „Oktober“ fehlt nicht, bevor die fünf ihren Auftritt schließlich mit einem Song von älterem Material ausklingen lassen. Bei diesem Auftritt stimmte einfach alles.

 

Als wenig später Long Distance Calling die Bühne betreten, ist zumindest der Sound nicht mehr so klar wie bei Leech. Auch die Nebelmaschine hat weniger zu tun. Das passt allerdings gut zum Auftritt der Combo, da ihre Musik allgemein nicht nur etwas härter, sondern durch weniger Synthesizer-Einsatz auch bodenständiger ist. Nach einem kurzen Intro geht es los mit „Jungfernflug“, dem Opener des Debütalbums „Satellite Bay“. Und auch hier sieht man der Band an, dass sie sich auf der Bühne pudelwohl fühlt. Zwar wirken die fünf nicht ganz so aufeinander eingespielt wie Leech, aber das ist bei einer Bandgeschichte von lediglich zwei Jahren auch nicht allzu verwunderlich

.

Während Leech ihre Titel komplett ohne Ansagen durchzocken, steht bei Long Distance Calling sogar ein Mikrophon auf der Bühne. Doch außer einem Dank an die Schweizer Kollegen fallen auch diesmal nicht viele Worte. Stattdessen geht es weiter im Set: Mit „Metulsky Curse Revisited“ wird gleich an zweiter Stelle die neue Split-CD bedacht, ehe „Aurora“, „Fire In The Mountain“ und „The Very Last Day“ wieder auf die Full-Length-Debüt-CD verweisen.

 

Die Songs werden vom Publikum mit gebührendem Applaus bedacht und nach „Black Bird Vs. Red Bug“ werden sogar Zugabeforderungen laut. Denen kommt die Band natürlich nach und verabschiedet sich letztendlich mit einem neuen Song, der seine zweite Live-Premiere feiern darf und noch auf keiner Veröffentlichung der Band zu finden ist.

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