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Letzte Instanz, Jesus on Extasy im Konzert (Bielefeld 2007)

Zum Thema

Bielefeld ist eine schöne Stadt. Es gibt nur ein paar Dinge, die man in Bielefeld nicht testen sollte.

 

Regel Nummer eins: Folge niemals dem Straßenverlauf! Der Stadtarchitekt hat irgendwas verkorkst, jedenfalls sind einem als Fußgänger unlogische Grenzen in Form von fehlenden Übergängen gesetzt. Die Jungs da oben kennen weder Brücken noch Unterführungen.

 

Regel Nummer zwei: Vertraue der elektronischen Fahrplanauskunft für Bielefeld nicht! Denn trotz der weitverbreiteten Meinung, es würde die Universitätsstadt nicht geben, wird sie von Zügen angefahren. Man kommt halt nur nicht mehr raus.

 

Regel Nummer drei: Wenn Du etwas in Bielefeld kaufst, lasse die Verpackung im Geschäft zurück. Bielefeld hat keine Mülleimer (nur am Hauptbahnhof und den meiden wir ja jetzt, siehe Regel Nummer zwei).

 

Wenn man diese drei Punkte beachtet, ist Bielefeld eine schöne Stadt. Denn was man in Bielefeld unbedingt tun sollte, ist ein Konzert zu besuchen. Am zweitem März spielte die Letzte Instanz im Forum auf - ein Grund also, sich das neue Album auch einmal live zu Gemüte zu führen.

Trotz anfänglicher Bedenken der Zuschauerzahl, die sich vor dem Forum versammelt hatte, wegen, füllte sich der Club bis zum Auftreten der Vor- und Newcomerband “Jesus on Extasy” doch recht ordentlich. Nicht ganz so ordentlich war hingegen der Sound der Band. Sänger Dorian mühte sich am Mikrofon ab, wie er wollte, irgendwie klang er wie eine Zweitstimme, darüber empor hob sich der Gitarrenmisch von Chai und Alicia Vayne und als Krönung sah zwar jeder Ophelia Dax am Keyboard, fragte sich aber ernsthaft, ob sie ihr Instrument angeschaltet war.

 

Das Quintett (inklusive live-Drummer BJ] lenkte aber erfolgreich vom angekratzten Ton ab - durch ihr Art der Präsentation, wobei vor allem eine durchgängig kopfschüttelnde Alicia sowie Ophelia herausstach, die sich über ihr Keyboard räkelte, als wolle sie es... heiraten. Chai hingegen spielte souverän und unverändert konzentriert Gitarre und Dorian beschränkte sich darauf, dass er hin und wieder zu Boden glitt, sich die Seele aus dem Leib schrie und am Ende dort unten liegen blieb - sehr zur Verzückung der weiblichen Fans.

 

Trotz ihres überzeugenden Debutalbums “Holy Beauty” merkte man der Band doch noch an, wie jung sie war. Das Publikum stand meist “neben” der Show, versuchte sich auch gar nicht einzubringen sondern hatte etwas von der Apathie eines Fernsehzuschauers. Die Musiker hingegen verzichteten auch auf so gut wie jede Ansage - ein Highlight des Ablaufplans es war wirklich, als NAME ihre Gitarre umstimmen musste - und schienen doch am Ende recht froh, wieder von der Bühne runterzukommen, wobei man dazusagen muss, dass sie - ebenfalls wie der folgende Hauptact - noch selbstständig Instrumente auf- und abbauten. Die Band wird in der Festivalsaison wohl noch öfter anzutreffen sein - hört einfach mal rein!

 

Setlist Jesus on Extasy:

 

01 Drowning

02 Nuclear Bitch

03 Assassinate Mad

04 2nd Skin

05 Alone

06 Nowhere Girl

07 Puppet

08 Holy Beauty

09 Neochrome

 

Dann hieß es wieder warten; man hatte den ein oder anderen Instanzler schon bei Andraj und dem Lichtpult gesehen, der Merchandise lockte auch mit verlockenden neuen T-Shirts, Schweißbändern und diversen anderen Devotionalien, dennoch hieß es für die Hartgesonnene erste Reihe, die trotz der Reizüberflutung von Jesus on Extasy durch extremen Gebrauch der Nebelmaschine standhaft geblieben waren: Durchhalten! Und so beobachtete man lieber, wie Benni Cellini sich zu seinem Instrument begab um es zu stimmen, Micha einen Basslauf durchspielte oder Holly - versucht inkognito mit Schandmauljacke - auftauchte.

 

Irgendwann verstummte die Hintergrundmusik, es wurde blau, dunkel und nebelig und plötzlich standen Benni und Muttis Stolz, nur von einem roten Scheinwerfer ausgeleuchtet, mitten auf der Bühne und begannen das Intro. Und was für eines! Nach und nach stiegen Specki, Oli und Micha ein, Holly d. war plötzlich auch an der Gitarre und man beobachtete die komplette Band, die fast schon versunken im Spiel ihr Bestes gab. Die komplette Band? Ein Break, gefolgt vom Lichtwechsel lässt den Denkfehler erkennen: Holly entert, bereits singend den Schauplatz und an die wunderschöne Ouvertüre knüpft ein “Du und Ich” an, das ganz klar sagt, was Sache ist. Den Rhythmus vom nachfolgenden “Unerreicht” erkennt das Publikum auf Anhieb und bringt sich durch begeistertes Mitklatschen ein, während es von Holly mit “Bielefeld - Ihr seid Gold!” begrüßt wird.

 

Man habe “viele neue Songs mitgebracht” - es erfolgt eine kurze Zählung derjenigen, die das neue Album “Wir sind Gold” bereits besitzen um so abzuwiegen, wie viel Arbeit Jacky an diesem Abend am Merchstand haben wird - und “ebenfalls viele alte Lieder!”. Wirklich verdammt schwer abzuschätzen, welcher Teil der Ankündigung mehr Applaus mit sich brachte. Das Publikum jedenfalls folgte der Einladung des charismatischen Sängers “ins Meer”, über den “Sturmvogel” bis hin zum “ewigen Kreis”.

 

Es ist beeindruckend. Man sieht die beiden Sänger mit der richtigen Mischung aus Gespräch mit dem Publikum und Performance, beobachtet Muttis Stolz’ energiegeladenen Tanz mit der Geige, Michas Kopfnicken und Olis Gitarrenspiel, sieht aus dem Augenwinkel, wie Benni immer noch seine Dreads schüttelt und dann entlockt einem Hollys Interpretation der Textzeile “Tanz mit mir...” noch ein Lächeln - all diese Details sind es, die die unverwechselbare Livepräsenz der Letzten Instanz ausmachen.

Spätestens als vom “schönsten Wetter, dem schönsten Club, der schönsten Stadt mit den schönsten Mädchen” die Rede war, konnte sich jeder zusammenreimen, welches Stück der “schönsten Band der Welt” nun folgen würde. Man kommt zum schnelleren Teil der Setlist, nach “Tanz”, “Maskenball” und “Worte brennen gut” ist die Temperatur im Forum um einiges angestiegen. “Bielefeld, könnt Ihr noch?”. Aber sicher doch!

Es geht weiter. In der Frühe um sechs, als sie von Bremen aus losfuhren, habe die Band einen unglaublichen Sonnenaufgang mit einem wirklich tollem “Morgenrot” gesehen und nach einem gelungenen Liedabschluss durch das Publikum als Chor, möchte der Sänger “mal alle Eure Hände sehen”. Die bekommt er nachdem Holly d. versprochen hat, nicht zu verraten, wer denn jetzt Schweißflecken habe und wer nicht. Dann heißt es einfach nach recht und links zu fassen, “Nicht gucken!” und dann erklingt das bekannte Gitarrenintro von “Wir sind allein”. Die Band schaukelt auf der Bühne probeweise die Hände mit, das Publikum hält bis zum Ende durch und diesmal ist es Holly, der sich ein Grinsen verkneifen muss, als sich der geplante Publikumsgesang verselbstständigt.

 

Die Setlist hält noch einige Highlights wie zum Beispiel “Rapunzel” oder “Sprachlos 2007” bereit. Für Ersteres hatte Holly d. im Forum bereits die bekannte Erweiterung durch ein anderes Stück angekündigt, man wolle diesmal in die 80er gehen, jedoch das Versprechen gegeben, es sei “kein Bon Jovi und kein ZZ Top”. Es wurde viel besser! Pünktlich zur Bridge betritt Lutz, seines Zeichens Backliner der Band, mit fünf großen Pappschildern bewaffnet, die Bühne, Mutti hält das erste hoch und zu einer Melodie, die uns doch irgendwoher bekannt vorkommt, singt das Publikum gemäß des aufgedruckten Textes “dududududududududu”. Aha? Mit “Tonight I wanna give it all to you” geht’s weiter und der Letzte hat den Song spätestens beim einstimmigen “I was made for loving you” erkannt. Es handelt sich hier um Kiss - eine Erweiterung, die sich überraschend gut mit “Rpunzel” versteht und dem Septett einmal mehr den Beweis antreten lässt, dass man eben doch Rocker ist.

 

Richtig interessant wird es aber bei der aktuellen Version des Akustikklassikers “Sprachlos”, der nach Muttis Ankündigung, bitte bei dem nachfolgenden Stück wenigstens so zu tun, als würde es gefallen, da er kürzlich eine andere Stadt mit Bielefeld begrüßt habe, was die Stimmung für “Sprachlos” mehr als zerstörte und sich im Publikum nichts mehr tat, zwar gewohnt mit Streichern beginnt, die Beiden dann aber die Bühne verlassen und Micha uns ein Basssolo um die Ohren haut, das sich gewaschen hat. Es kommen Zweifel an seinem myspace-Profil auf. Geht da wirklich noch “mehr Bass”? Vermutlich nicht und Micha erntet ordentlich viel Applaus. Specki unterbindet weitere Gedankengänge als er plötzlich im Zentrum der Aufmerksamkeit steht und beginnt breitgrinsend sein Drumsolo. Den Abschluss des Stückes spielt man wieder als Quartett, Herr Stolz stellt die einzelnen Akteure noch einmal vor, und dann nähert sich nach “Jeden Morgen”, einem “Todestag”, den man dem Holly nicht ganz abkaufen möchte weil er dafür doch zu warmherzig erscheint, der “Sandmann” als krönender, mit Wunderkerzen, Händen und Gesang begleiteter Abschluss einer umwerfenden Show. Liebe Letzte Instanz, Ihr seid auch gold!

 

Setlist Letzte Instanz

 

01 Intro

02 Du und Ich

03 Unerreicht

04 Sonne

05 Und das Meer

06 Sturmvogel

07 Der ewige Kreis

08 Das schönste Lied der Welt

09 Tanz

10 Maskenball

11 Worte brennen gut

12 Kopfkino

13 Frei

14 Wir sind allein

15 Monument der Stille

16 Das Stimmlein

17 Ohne Dich

18 Rapunzel (Dein Kuss)

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19 Sprachlos 2007

20 Jeden Morgen

21 Ganz oder gar nicht

22 Kalter Glanz

23 Mein Todestag

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(reguläre Setlist:

23.1 Für immer und ewig

23.2 Meine innere Stimme)

 

24 Sandmann

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