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Letzte Instanz im Konzert (Radebeul, Oktober 2015)

Die sanften Töne der Brachial-Romantik

Seit der letzten Akustik-Tour der Letzte Instanz sind mittlerweile acht Jahre vergangen. Nun sind sie wieder stromlos unterwegs und legen am Tag der Deutschen Einheit einen Zwischenstopp in der Lutherkirche zu Radebeul ein. Im einheitlichen Schwarz zeigt sich die Menschenschlange vor der Tür. Dass diese sich etwas länger darbietet, war schon im Vorfeld klar, denn schon lange vor Termin meldete man ein ausverkauftes Gotteshaus.

Für einige Musiker der Band bedeutet dieses Konzert zugleich ein Heimspiel. Allerdings hat man anfangs nicht immer das Gefühl, dass man diesen Heimvorteil auch völlig ausschöpfen kann. Zwar ist der Start mit „Ewig“ wirklich phänomenal gelungen, dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass eine gewisse Anspannung über dem Geschehen liegt. Aber auch wenn der Beginn etwas verhalten wirkt, der Applaus der Zuschauer ist es keinesfalls und schon gar nicht als man die drei Gastmusikerinnen Frau Schmitt, Ally Storch und Lisa Morgenstern vorstellt. Und dieser Beifall ist durchaus mehr als gerechtfertigt, denn alle drei Musikerinnen binden sich vortrefflich in das Ensemble ein.

Mit „Im Auge des Sturms“ wird die Show fortgesetzt und diese Fassung des Titels, abgerundet mit dem stimmungsvollen Ambiente der Kirche, kommt hier deutlich mehr zum Tragen, als vom letzten Studioalbum. Auf den Rängen herrscht hingegen eine andächtige Stille und nicht wenige Köpfe werden auf den Schultern der Liebsten abgelegt. Lange verharren können sie dort aber nicht, denn das rhythmische Schnippen von Frontmann Holly Loose ist nicht nur der Beginn von „Wieder einmal Rot“, sondern zugleich das Zeichen um aufzustehen, zu singen und zu tanzen.

Hat man bisher nun schon gezeigt, was in den letzten acht Jahren, seit der letzten Akustik-Tour alles an neuen Liedern entstanden ist, gibt es nun auch einen Ausblick auf Kommendes. Holly verkündet die neuen Arbeiten am Album und gibt auch gleich noch den umjubelten Termin für die Veröffentlichung des neuen Werks bekannt. Auch wenn der 12. August noch in weiter Ferne liegt, dürften sich die meisten Fans das Datum schon mal dick im Kalender angestrichen haben. Weiter geht es mit „Der Garten“ und dem schon etwas älteren „Morgenrot“. So erlebt man bis hier ein Programm, was sorgfältig ausgewählt und auch bestens abgestimmt wurde, sich allerdings hauptsächlich auf die letzten Wirkungsjahre reduziert. Dies ändert sich auch infolge nicht maßgeblich, stattdessen kommt das brandneue „Unsere Augen“ auf die Bühne, welches eine anmutige Ballade darstellt und von Lisa Morgenstern und Holly Loose gemeinsam vorgetragen wird.

Von ruhig geht es aber direkt wieder auf schnell in Form des Klassikers „Kalter Glanz“, welcher vom Publikum mit lautem Johlen aufgenommen und durch enthusiastischen Gesang weiter angefeuert wird. Und gab eben noch Lisa Morgenstern eine gelungene Vorstellung im Duett ab, interpretiert sie nun ihren eigenen Titel „Bury Me“. Hier zeigt sie nicht nur ihr breites Stimmspektrum, sondern bringt auch noch eine unglaublich intensive Darbietung zu Gehör, die das Konzert bereichern kann.

Ebenso ausgeprägt ist der Eindruck von „Mein Kind“, welches eigentlich nur vom Cello und der Stimme Looses getragen wird, aber hierdurch eine besonders nachhaltige Stimmung aufbauen und absolut überzeugen kann. Dies wird vom Publikum ebenso euphorisch mit Beifall belohnt, wie das Gitarrensolo von Oli im nachfolgenden „Ohne Dich“. Ein Dank an Pfarrer Tobias Heinze folgt und dieser darf sich zu „Mein Todestag“ gleich mit anschauen, wie gut seine Kirche der Sprunggewalt der Zuschauer trotzt. Dies ist zugleich der Endspurt des Abends, denn mit dem darauffolgenden „Von Anfang an“ schließt das Konzert. Aber das Meer aus Händen, was sich hier bildet und sich auch nach dem letzten Ton nicht zurückzieht, lässt die Hoffnung auf eine Zugabe als sehr berechtigt erscheinen.

Die folgerichtige Dreingabe wird mit „Nur für uns“ eröffnet und bietet mit „Wir sind eins“ ein komplett neues Lied, welches wohl auf dem neuen Album erscheinen wird. Zum Schlaf ruft schließlich der „Sandmann“, der die Zuschauer in die Nacht entlässt. Insgesamt einmal mehr eine gelungene Vorstellung von Letzte Instanz, die hier wieder den Beweis antreten, dass Akustik-Musik zwar oft ruhiger und sanfter wirkt, aber eben keinesfalls langweilig sein muss, sondern sich Titel in neuen Fassungen noch weiter intensivieren können.


Setlist:

Ewig
Blind
Ganz egal
Jeden Morgen
Komm nie zurück
Traum in Traum
Im Auge des Sturms
Wieder einmal Rot
Der Garten
Morgenrot
Sag wo bist du
Unsere Augen
Kalter Glanz
Bury Me
Mein Kind
Ohne Dich
Wir sind allein
Mein Todestag
Von Anfang an

Nur für uns
Wir sind eins
Wo das Meer
Sandmann

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