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Letzte Instanz, Coppelius im Konzert (Bochum 2006)

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Es ist kalt an diesem Freitag. Draußen herrschen Minustemperaturen - es weht ein scharfer Wind. Und dennoch: vor der Matrix hat sich ein beachtliches Häuflein vornehmlich schwarz gekleideter Leute eingefunden. Erwartet werden nur zwei Dinge: die erlösende Meldung “Wir können rein!” und der Grund ihres Harrens, die sieben Musiker von Letzte Instanz.

In der Matrix herrscht dann erst einmal kurzzeitig Verwirrung, nicht wenige schauen sich unsicher im Barraum um - wo ist denn hier bitteschön die Bühne? Ein Securitymann gibt durch seine Position vor der geschlossenen Tür Auskunft - Letzte Instanz spielen in der EBM-Halle. Die füllt sich um 8 Uhr dann auch immer rascher, sodass Coppelius schon jede Menge Publikum haben.

Die betreten, nachdem sie ihren Diener Bastille zum Entzünden der Kerzen vorgeschickt haben, geschlossen die Bühne. Die Zuschauer erblicken fünf in Gehrock und Zylinder gekleidete Herren, die vom Publikum keinerlei Notiz zu nehmen scheinen. Souverän beginnen Coppelius mit ihrem ersten Stück “Transilvania”. Mögen Kontrabass und Cello noch ein wenig an Apocalyptica erinnern, zersprengen Max Coppella und Comte Caspar, die sich beide mit Bastille beim Singen ab- oder unterstützen, mit ihren Klarinetten das Bild der melancholischen Streicher gänzlich. Und auch Nobusama am Schlagzeug, unterstützt durch Kammerdiener Bastille, steht dem nichts nach. Dann schließlich stellt Caspar Coppelius vor. Ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert erschienen, ließ die klassischen Musiker am 18. Juni 1815 ein dauerhafter Stromschlag ungebührlich laut werden und endet mit dem Coppelius-Anhängern wohlbekannten Ruf “Coppelius...” “Hilft!” - ein Erkennungsmerkmal, den am Ende auch die “Neulinge“ erlernen werden sollen.

Das Eis ist gebrochen und nach acht Liedern und verteiltem Sekt durch Bastille applaudiert das Publikum restlos begeistert, als dieser zum letzten Mal die Bühne betritt, um die Letzte Instanz anzukündigen. Dann wird es dunkel. Man sieht die schemenhaften Umrisse mehrerer Bühnenarbeiter, schließlich leuchtet blaues Licht auf und es erklingt die Ouvertüre - ein langsames, instrumentales Stück, das, als wolle es das Publikum noch weiter reizen, relativ lang ist. Nebel flutet die Bühne und endlich kann man, mehr erahnt, als alles andere, Specki T.D., Michael Ende und Oli die Bühne betreten sehen und sofort erklingen die Anfangstöne von “Unerreicht”, während auch M. Stolz, Holly D. und Benni Cellini ihre Positionen einnehmen. Holly hingegen lässt sich Zeit und erscheint erst im hell aufleuchtenden Licht, als der Gesang beginnt. Weiter geht es mit dem Opener des neuen Albums “Sonne” und noch merkt man Holly die Nervosität, ausgelöst durch die Frage, wie die Fans wohl auf den neuen Sänger reagieren werden, an. Er scheint nicht recht zu wissen, wohin - was seinem klaren Gesang aber keinen Abbruch tut. Spätestens nach “Dem schönsten Lied der Welt”, das der charismatische Sänger mit der “schönsten Gitarre der Welt” [Oli], dem “schönsten Schlagzeug der Welt” [Specki], dem “schönsten Bass [Michael Ende]”, der “zweitschönsten Gitarre der Welt” [Holly D.], dem “schönsten Cello der Welt” [Benni Cellini] und den “schönsten Füßen der Welt” [M. Stolz, der, wie sein Kollege Cellini, die Bühne barfuss betritt] ankündigt und das vom Publikum begeistert mitgesungen wird, wird auch Holly lockerer und freier.

Nach dem ausgelassenen “ihr seid nicht hässlich, nein, das liegt am Spiegel”-Rufen wird es leiser und Holly beginnt den Sprechtext zu “Jeden Morgen”. Melancholisch singt er die Zeilen und überträgt sichtlich die Emotionen auf das begeisterte Publikum.

Nach Klassikern aus “Kalter Glanz”-Zeiten, in denen Holly Robin stimmlich in nichts nachsteht und Holly D. durch seine Zweitstimme den Liedern einen ganz anderen Charakter als Marta Jandová auf dem Album gibt, stellt Holly die Frage, ob “ihr Schuld kennt”. Kurzzeitig verwirrt, schweigt das Publikum, während Holly die Ansprache mit der Aufforderung “wenn nicht, dann NEHMT MICH!” schließt. Thematisch passend folgt der “Krieg der Herzen” und schließlich “Tanz!” mit der Aufforderung, beim “nächsten Lied doch genau das zu tun und die Temperatur von 25 auf mindestens noch 2 Grad anzuheben” - ein Wunsch, dem das Publikum nur zu gerne nachkommt.

Schließlich erzählt Holly eine amüsante Anekdote aus dem Touralltag: Weil der Instanz nämliche ein Bett fehlt, muss sich immer ein Musiker mit Alex, dem Monitormann, das Zimmer teilen. Letzte Nacht war Oli das Opfer, der morgens traumatisiert von einem schnarchenden Alex berichtete, der ihn geweckt habe und den er neben sich schlafend im Adamskostüm erblickte. Ein unheilhaltbarer Zustand, den die Band durch die Übergabe eines Schlafanzuges löste.

Nach dem “Todestag” schließlich verlässt das Septett zum ersten Mal die Bühne, doch das Auditium fordert mehr - und bekommt es in Form von “Kalter Glanz” und dem Akustikstück “Sprachlos”, bei dem Benni, M. Stolz, Oli, Specki und Michael Ende Holly von der Bühne vertreiben und selbst das “Wort ergreifen”. Während der gesanglosen Minuten umkreist Stolz mit Geige neckisch das Mikrofon und schiebt es schließlich zur Seite, um die Aufmerksamkeit ganz auf die Glanzleistung von ihm und seiner Kollegen zu richten.

Doch Holly und Holly (D.) kommen zurück und der Sänger bittet für das anschließende “Love is a shield”, für das Specki auf der Bühne an einer Trommel Platz nimmt, das Publikum, sich doch hinzusetzen, das diesen Wunsch auch nachkommt und den akustischen Tönen lauscht, wunderbar harmonierend mit Hollys klaren gefühlvollen Stimme - ein Lied “um wieder runterzukommen”, wie der Sänger nach dem Konzert verrät.

Natürlich bleibt es nicht ruhig und bei “Rapunzel” hat der Sänger sichtlich seine Freude an dem textsicheren Publikum, das ihn im Refrain schon ablöst und hört am Ende nur noch fasziniert der Menge zu. Schließlich erzählt er, dass jetzt eigentlich das letzte Lied kommen sollte, Bochum aber ein so tolles Publikum sei, dass sich die 7 spontan entschlossen hätten, zusätzlich ein Lied zu spielen, dass sie weder geprobt noch geplant haben, eine Bemerkung, die auch die Setlist bestätigt - “Hurra” ist definitiv nicht aufgeführt, bzw. wurde erst an eine andere Stelle gesetzt und schließlich durchgestrichen. Die Zuhörer sind begeistert und lassen dies die Band auch spüren, sodass sich Holly schließlich “für die tolle Probe” bedankt.

Der definitiv letzte Song ist der “Sandman”, dem das Publikum berührt und begeistert schaukelnd lauscht. Die Band bedankt sich für den tollen Abend, danken Coppelius und künden ihre Anwesenheit an den Merchandiseständen an - “gebt uns 5 Minuten”.

Ein Konzert, zu dem sich nur eins sagen lässt: immer, immer wieder!

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