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Laibach im Konzert (Dresden, April 2016)

Perfekt gestaltetes Konzerterlebnis

Laibach liefern eine perfekte Vorstellung ab

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Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass an diesem Sonnabend im April Dresden Kopf steht, dies allerdings wegen des vorzeitigen Aufstiegs des einheimischen Fußballclubs in die zweite Liga. Wenn man sich also des Abends auf den Weg in den Alten Schlachthof macht, bewegt sich die Landeshauptstadt immer noch in einem schwarz-gelben Freudentaumel und es scheint als Ziel nur das Stadion zu geben, um dort mit der Mannschaft zu feiern. Ob es daran liegt, dass sich der kleine Saal nicht komplett füllen will, kann man zwar halbwegs ausschließen, für Erstaunen sorgt dies aber allemal, zumal mit Laibach nicht gerade eine unbekannte Szene-Band auftritt. Vielmehr darf zu befürchten sein, dass die Tatsache, dass die Formation am Vortag bereits in Leipzig spielte, was eine nicht unerhebliche geografische Nähe zu Dresden bringt, nicht besonders förderlich für den Kartenverkauf gewesen ist. Den anwesenden Zuschauern kann dies allerdings egal sein, immerhin hat man so etwas mehr Bewegungs- und vor allem Sichtfreiheit.

Die Slowenen bereichern die Musikwelt mittlerweile seit gut 35 Jahren und sind dabei nicht immer unumstritten. Allerdings sind eben Provokation und Überhöhung durchaus legitime Mittel in der Kunst, welche Laibach nur zu gerne nutzen, selbst wenn man ihrem Auftritt in Nordkorea mit einem skeptischen Auge beiwohnen darf. Ob und welche neuen Inspirationen durch diesen Ausflug erfolgt sind, davon kann man sich nun im nachfolgenden Auftritt überzeugen.

Mit „Olav Trygvason“ erfolgt ein Auftakt, der nicht nur nach Maß verläuft, sondern direkt zeigt, dass es sich hier um mehr als eine Rockband handelt, sondern das Gesamtkunstwerk im Vordergrund steht. Neben der Musik, die einen großen Bogen über verschiedenste Genre spannt, sind die Videoprojektionen, Licht und auch die Eigendarstellung der Band gewichtige Bestandteile ihres Programms. Ganz ohne Licht geht es aber in den ersten Minuten des Openers über die Bühne und der Zuschauer hat damit die Chance, sich ganz auf die anfangs gemäßigten Klänge einzulassen. Insgesamt rücken hier die beiden Vokalisten Mina Špiler und Milan Fras etwas in den Hintergrund, nur mit Streiflichtern bedacht, aber jede Sekunde ihrer Aktionen mit Bedacht interpretiert, ordnen auch sie sich dem Gesamtwerk unter. Wobei eben diese beiden Stimmen über den gesamten Abend faszinieren können, so das klare, fast schon opereske Organ von Mina, die im kompletten Gegensatz zur sonoren Stimmlage Milans steht.

Mit „Eurovision“ setzen Laibach einen weiteren heroischen Höhepunkt in ihrem Konzert. Vor einem Hintergrund, der in EU-Flaggenblau erleuchtet und mit Keyboardern, die im Spot-Sternen-Licht fungieren, schaffen die Slowenen ein monumentales Werk, welches sich hymnisch über die Köpfe der Zuschauer erhebt. Im Gegensatz hierzu stehen „No History“ und „Resistance Is Futile“, welche deutlich eingängiger daher kommen und gegen die teilweise klassisch geprägten Titel schon durchaus tanzbar wirken. Dem Ganzen bleibt aber eins immer gemein: Es wird durchgehend auf eine direkte Kommunikation mit dem Publikum verzichtet. Wenn überhaupt, ertönen Ansagen vom Band oder eben jetzt eine Videobotschaft, die eine fünfzehnminütige Pause vorgibt.

Nach der angewiesenen Ruhezeit legen Laibach verstärkt ihren Schwerpunkt auf das Musical „Sound Of Music“. Auch wenn diese Stücke im typischen Stil des Quintetts vertont sind, erhöht sich die Eingängigkeit im zweiten Teil des Programms deutlich. Stellenweise sieht man, wie bei „Sound Of Music“ oder bei „My Favourite Things“, gar die ersten wippenden Bewegungen und mitklatschenden Hände im Publikum. Hinterlegt werden die Titel oft mit koreanischen Motiven, was insbesondere bei „Edelweiss“ leicht irritierend wirkt.

Mit dem Bob Dylan-Cover „Ballad Of A Thin Man“ kehrt wieder etwas mehr brachiale Gewalt auf die Bühne zurück, zudem kann die in sich zerrissene und dramatische Neuvertonung absolut überzeugen. Das hiernach angestimmte „Bossanova“ zaubert mit seinem rockigen Charakter hingegen etwas mehr Stimmung in den Saal und beendet zugleich den Auftritt von Laibach, der nun frenetisch bejubelt wird. Ohne weitere Umschweife und ohne Dankesworte kehren diese auch zügig zurück und beginnen ihre Dreingabe mit „B Mashina“. Das Werk stammt nicht nur vom Soundtrack zu „Iron Sky“, sondern wird auch mit Ausschnitten aus dem Film untermalt und zeigt starke hymnische Anklänge. Und tatsächlich sind hier gar die Chöre aus den Zuschauerreihen zu hören, was angesichts der nicht gerade geringen Intensität aus den Boxen durchaus als beachtlich zu werten ist.

Eine weitere Cover-Version wird mit „Life Is Life“ ins Rennen geschickt, auch wenn man dieses Liedchen von Opus keineswegs auf Anhieb erkennt. Wie hier ein „Leben ist Leben“ in die Masse gedonnert wird, ist wirklich phänomenal und wird nur durch das großartige Finale, welches so zerstörerisch wirkt und das Gefühl aufkommen lässt, dass in den nächsten Sekunden die Welt zerbersten könnte, getoppt. Damit ist allerdings auch schon die Zugabe beendet, aber das rhythmische Klatschen holt die Slowenen ein weiteres Mal zurück und diese setzen mit dem gemäßigten und sphärischen „Each Man Kills The Thing He Loves“ einen anheimelnden Schlusspunkt unter ein grandioses Konzert. Man muss und darf Laibach zugestehen, dass hier eine perfekte Arbeit vollrichtet wurde. Sound, Licht, musikalisches Handwerk und die Videoprojektionen fügen sich zu einem vollendeten Gesamtbild zusammen, welches dieses Konzert zu einem Erlebnis werden lässt.


Setlist:

Olav Tryggvason
Smrt Za Smrt
Brat Moj
Now You Will Pay
The Great Divide
Eurovision
Walk With Me
No History
Resistance Is Futile

Do-Re-Mi
Edelweiss
The Sound Of Music
My Favourite Things
We Are Millions And Millions Are One
Ballad Of A Thin Man
Bossanova

B Mashina
Life Is Life

Each Man Kills The Thing He Loves

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann