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Laibach im Konzert (Dresden, April 2014)

...von andächtiger Faszination gepackt...

Die abgestimmte Beleuchtung unterstreicht die Songs

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Laibach ist der musikalische Teil des slowenischen Kunstkollektivs “Neue Slowenische Kunst”, kurz NSK. Einer breiten Öffentlichkeit, wenn überhaupt, nur durch ihr Engagement für den 2012 erschienen Film “Iron Sky” bekannt, sorgt die Truppe mit ihrem Auftreten und ihren gern missverstanden Botschaften schon seit fast 35 Jahren für Kontroversen und Konfrontationen.

Nach fast acht Jahren gibt es nun endlich ein neues, reguläres Album und eine dazugehörige Tour. „Spectre“, so der Name der im März 2014 veröffentlichten Platte, sei musikalisch eingängiger (sprich poppiger), aber auch ungewohnt direkt in seinen Aussagen. Alte Anhänger der Band dürften den EBM und Industrialanteil im Sound vermissen. Ungewohnt präsent ist auch die eindrucksvolle Stimme von Mina Špiler, die den neuen Klang von Laibach maßgeblich prägt. Anders, aber immer noch spannend.

Das dachten wohl auch die gut 400 Besucher der Reithalle, einem wunderschönen, über hundert Jahre altem Klinkerbau in Dresden. Ein (in Sachen Akter und Szenezugehörigkeit) bunt gemischter Haufen wartet da bei klassischen Walzerklängen auf die akademisch verspäteteten, ersten Klänge des Openers. „Europe Is Falling Apart!” dröhnt die Losung des eher langsamen, aber dennoch kraftvollen „Eurovision” durch die Boxen. Bereits die ersten Songs deuten an, was später Gewissheit wird: der Sound ist sauber abgemischt, kommt klar und druckvoll aus den Boxen. Das Bühnenbild ist eher schlicht gehalten und kommt gänzlich ohne Deko und Banner aus. Lediglich die beiden großen Videoscreens hinter dem Schlagzeug von Janez Gabrič Sorgen für Abwechslung. Begrenzt wird die Bühne von beiden Seiten durch eine stattliche Anzahl aus Keyboards und Synthesizern der Herren Luka Jamnik und Sašo Vollmaier.

Dominiert eben noch Milan Fras dunkle Gesangskunst, beweist Mina Spiler bereits im zweiten Song „Walk With Me” ihre Live-Qualitäten. Anschließend ertönt das für Laibach sehr ungewöhnliche „Americana” und „We Are Millions And Millions Are One”. Leider können weder das treibende „Bossanova” noch das geniale „Eat Liver!” das Publikum so richtig in Wallung bringen. Nach dem balladesken „Koran” folgt endlich die prägnante (irgendwie an „Im Frühtau zu Berge” erinnernde) Melodie der aktuellen Single „The Whistleblowers”. Vom älteren Herrn mit verstärkten Ellenbogen bis hin zu den martialisch wirkenden Herrschaften in Uniform pfeiffen alle kräftig mit. Nach zwei weiteren Songs verlassen Laibach die Bühne recht unerwartet für eine zehnminütige Pause. Für Unterhaltung sorgt derweil wieder klassische Musik und Werbung, unter anderem im legendären „We Want You!” Stil.

Nachdem wir bisher nur Material vom neuen Album gehört haben, widmet sich das zweite Set auch den mittleren und alten Laibach-Projekten. Das scheint einigen gut zu gefallen, denn schon nach dem düsteren „Brat Moj” (mit pornoreifen Szenen an der Leinwand!?) ist die Meute in Stimmung (aufgegeilt oder angeheizt? Anm. d. Red.) und fängt beim ersten Trommeleinsatz von „Ti, Ki Izzivas” kräftig an zu jubeln, obwohl der Song selbst von Thematik und visueller Hinterlegung in Form einer comicartigen Bürgerkriegsdarstellung wenig Anlass dafür gibt. Bereits bei „B Mashina” wird es Zeit für einige Filmsequenzen aus „Iron Sky”, die für einen nahtlosen Übergang zu „Under The Iron Sky” sorgen.

Neben der martialisch anmutenden Hymne „Leben-Tod” sind die letzten regulären Songs des Konzerts dann einige von Laibachs legendären Cover-Versionen: das altbekannte „Warme Lederhaut” (von The Normal), Bob Dylans “Ballad Of A Thin Man” und das Cover von “See That My Grave Is Kept Clean” (von Blind Lemon Jefferson) neueren Ursprungs. Nach ordentlich Applaus lässt sich die Band dann auch nicht lange bitten und spielen mit “Love On The Beat”  ein weiteres Cover, diesmal von Serge Gainsbourg. Bei dem in EBM-Kreisen recht bekannten “Tanz Mit Laibach” kommt noch mal richtig Stimmung auf, bevor das Konzert nach fast zwei Stunden mit “Das Spiel ist aus” sein Ende findet.

Über weite Teile des Konzerts wirkt das Publikum eher von einer andächtigen Faszination gepackt als in Jubelstürme zu verfallen. Bei den ja größtenteils eher unbequemen Themen und auch mal anstrengenden Sounds eigentlich kein Wunder. Die Band hat auf jeden Fall saubere Arbeit abgeliefert, sieht man mal über die gewohnt gering ausgeprägte Kommunikation mit dem Publikum hinweg. Die beschränkte sich im wesentlichen auf die für Laibach typische ausdrucksstarke Gestik und Mimik und einigen vorab aufgezeichneten „Ansagen” vom Schlage „You are a perfect audience! We love you!” oder „You are so great”. Lobend erwähnt sei hier noch der schön abgestimmte Lichteinsatz und die kunstvollen, aufwendigen Videos passend zum jeweiligen Song. Der durchaus gelungene Abend endet für viele Gäste bei der nahtlos startenden Afterparty oder am üppig und sehr hochwertig ausgestatteten Merch-Stand. So oder so gilt: Resistance Is Futile!

Setlist:

Eurovision
Walk The Me
Americana
We Are Millions And Millions Are One
Eat Liver!
Bossanova
Koran
The Whistleblowers
No History
Resistance Is Futile
------------------------------
Brat Moj
Ti, Ki Izzivaš
B Mashina
Under The Iron Sky
Leben Tod
Warme Lederhaut (The Normal-Cover)
Ballad Of A Thin Man (Bob Dylan-Cover)
See That My Grave Is Kept Clean (Blind Lemon Jefferson-Cover)
---------------------------
Love On The Beat (Serge Gainsbourg-Cover)
Tanz Mit Laibach
Das Spiel ist aus

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