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Lacuna Coil, Motionless In White, Devilment im Konzert (Hamburg, November 2014)

Netter Abend mit leicht fadem Beigeschmack

Lacuna Coil haben es derzeit nicht ganz einfach: Im Februar verließen mit Cristiano Migliore (Gitarre) und Cristiano Mozzati (Drums) gleich zwei langjährige Bandmitglieder die Formation – und das ausgerechnet in einem Jahr, in dem mal wieder ein neues Album ansteht, mit dem selbstverständlich auch wieder auf Tour gegangen wird. „Broken Crown Halo“ erwies sich nach einigen Rotationen als bester Longplayer der Italiener seit längerem und da war es doch Ehrensache, dass man sich mal wieder auf einem Konzert der Sympathieträger blicken lassen musste. Interessant ist zweifellos auch der Support, den sich die Mailänder ins Boot geholt haben: Motionless In White haben einen recht eigenwilligen Bastard aus Metalcore-, Gothic- und Industrial-Elementen erschaffen und mit „Reincarnate“ auch gerade eine neue Platte am Start, und was Devilment, das neue Projekt von Cradle Of Filth-Schreihals Dani, so zustande bringen würde, ist zumindest für Cradle-Fans sicherlich auch eine spannende Frage. Also hieß es für den Verfasser innerhalb weniger Tage zum zweiten Mal zum Grünspan am Rande des Kiezes zu pilgern.

Devilment

Das Debüt dieses Sextetts ist stilecht an Halloween erschienen und man darf angesichts des Titels annehmen, dass es sich um eine musikalische Adaption des Clive-Barker-Romans „The Great And Secret Show“ (wer was mit anspruchsvoller Horror- und Fantasyliteratur anfangen kann: unbedingt lesen!) handelt – klingt an sich ziemlich vielversprechend und bei Cradle Of Filth hat sich Dani ja auch stets gerne von düsterer Literatur beeinflussen lassen.

Nun, ich persönlich habe das Album noch nicht gehört, der Auftritt am heutigen Abend muss für sich genommen jedoch als Enttäuschung bezeichnet werden. Schon der miese Sound trübt das Bild – übertriebene Lautstärke mit einem alles zuknüppelnden Schlagzeug (Trigger inklusive), das merkwürdigerweise hinter einer Art Faltwand aus Plexiglas an der Seite platziert wurde; ähnlich den Teilen, die früher aufgestellt werden, wenn man sich ganz diskret und ohne voyeuristische Blicke umziehen wollte, nur eben durchsichtig. Außerdem will das Publikum so gar nicht mitziehen. Sicher, ein paar Fans ganz vorne feiern und der eine oder andere lässt sich wenigstens streckenweise mitreißen und packt die Pommesgabel aus, aber alles in allem sind die Reaktionen sehr überschaubar und distanziert.

Das scheint Dani, der ehrlich gesagt nicht mehr ganz nüchtern wirkt, überhaupt nicht in den Kram zu passen. „What the fuck?“, „What the fucking hell?“, „Make some fucking noise!“, giftet der Frontmann entsprechend die Leute an und die wenigen Animierversuche verpuffen fast vollständig. Selbst als sich einige dazu aufraffen, doch mal ein bisschen zu schreien, wiegelt er dies mit „That was awful!“ ab. Sympathisch kommt Dani so heute natürlich überhaupt nicht herüber, auch wenn er sich einen Typen in der ersten Reihe ausgeguckt hat, den er mag, wie er sagt, da der wohl ganz gut mitmacht.

Trotzdem: Die Stimmung ist nicht gut, da hat er schon Recht. Aber was erwartet man auch bei einer ganz neuen Band, die gerade mal ein Album draußen hat? Dass die Zuschauer nicht übermäßig steilgehen würden, war ziemlich klar, die meisten sind halt nicht mit dem Material vertraut. Außerdem ist die Performance stark ausbaufähig. Das Songwriting allerdings ebenso: Ein paar Riffs laden wenigstens zum Mitnicken ein, aber insgesamt tönt das Ganze etwas monoton – muss man sich vielleicht noch mal auf Platte anhören. Dani und seine Mitstreiter verlassen jedenfalls nach einer guten halben Stunde völlig frustriert und sehr plötzlich die Bühne. Ein Gig, an den sich schon bald kein Schwein mehr erinnern wird. Nur eines muss man der Truppe lassen: „Even Your Blood Group Rejects Me“ ist ein ganz heißer Kandidat für den Songtitel des Jahres!  

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann