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Kreator, Sepultura, Soilwork & Aborted im Konzert (Essen, März 2017)

Essener Süden im Ausnahmezutand

Kreator

Seit Wochen nimmt die Spannung hier im Pott zu, in der letzten Woche vor heute Abend wurde Facebook gar zugepflastert und überall gab und gibt es nur ein Thema: Kreator beim Heimspiel, ganz nach dem Motto: „Das ich das noch erleben darf!“. Mille selbst platzt dann ja auch mitten in der Show selbst vor lauter Stolz, dass man darauf doch hingearbeitet habe und man sich heute auch einen Traum selber erfülle, mit dem Zusatz versehen, dass man nun auch jedes Jahr hier spielen würde, wenn denn auch alle kommen. Wer nicht dabei ist, kann sich kaum den ohrenbetäubenden Jubel vorstellen, der durch die Gänge der ehrwürdigen Grugahalle tönt. Das wird wohl nur noch dadurch getoppt werden können, wenn die Essener Thrash-Institution in der kultigen Zeche Carl spielen würde...

Schon die Umbaupause wird zu einem spannungsgeladenen Gemurmel und als endlich das Intro „Choir Of The Damned“ für ein bisschen Erlösung sorgt, „Hordes Of Chaos“ mit einem Konfetti-Knall wie ein Startschuss die Fans in den Moshpit katapultiert, da sieht man überall, auch auf den üppig rechts und links besetzten Sitzgelegenheiten, lediglich glücklich strahlende Gesichter und nicht wenige Fans  könnten fast weinen vor lauter Glück...irgendwie muss sich halt die emotional aufgestaute Vorerwartung auflösen.

Klar, über die Setlist ließe sich einmal mehr trefflich streiten, denn auf der einen Seite will natürlich das Nummer-Eins-Album „Gods Of Violence“ vorgestellt werden, aber ebenso dürfen die Essener auch zahlreiche Klassiker nicht aus dem Blick verlieren – eine Aufgabe, die eh nie alle zu hundert Prozent zufrieden stellen kann. Optisch holen dazu Kreator heute auch alles raus, denn neben der fantastischen Lightshow, den Flammenwerfern wie besonders in „From Flood Into Fire“ oder aber auch nur den vertikalen Nebelkerzen gibt es auch so reichlich Abwechslung auf der Bühne. Und wenn man schon beim Aufbau der Bühne ist, dann reibt man sich sicherlich verwundert in „Phobia“ die Augen, thront doch Bassist Speesy über dem Drumkit von ultimate Wemser Ventor – ein tolles Bild.

Mille scheint zwar etwas lustlos beim Umgang mit seiner CO2-Kanone in „Gods Of Violence“ zu sein, das ist es dann aber auch schon mit miesen Gedanken, spätestens die extrem phonstarken Kreator-Sprechchöre sorgen für meterdicke Gänsepelle und auch das Einschwören auf den „Ruhrpott-Style“ klingt nicht anbiedernd käsig, sondern tief verwurzelt mit heimatlichen Glücksgefühlen – die Weltenwanderer wissen einfach, wo sie zuhause sind, inklusive eines Waltari-Soumi-Klampfers Sami, der ja einen schönen Ruhrpottslang in seinem Deutsch abbekommen hat.

„Ihr wisst, was jetzt kommt...habt ihr Bock mitzumachen?“, so Milles Ansage, Fahne schwenkend, zum größtmöglich eingeforderten Moshpit, und wer auf den Rängen steht, sieht, wie sich ein gefühlt vierzig Meter langer Graben im Publikum auftut und sich hunderte Fans anschließend aufeinander stürzen. Keine Panik, der Aufforderung, sich doch gegenseitig zu töten, kommt auch hier niemand nach, wäre ja auch kontraproduktiv, hätten Kreator irgendwann auch keine Fans mehr. Viel zu schnell kommt dafür das Ende, man hat noch das Gefühl, man hätte doch noch ein paar Chöre mehr singen, ein bisschen mehr Luftgitarre spielen können. Aber nein, alles ist gut so wie es ist, Kreator haben eine wahrhafte starke Demonstration abgeliefert und Thrashfans weit über den Ruhrpott hinaus nach Essen gelotst. Jetzt wissen alle, was eben Ruhrpott-Style bedeutet. Und wer nachher noch ins Nord geht, hat ab zwei Uhr die Chance, dort mit Speesy ein Bierchen zu trinken. So geht Erdung, so geht Ruhrpott, nur so. Danke.

Setlist:

Intro Choir Of The Damned
Hordes Of Chaos
Phobia
Intro Bells
Satan Is Real
Intro Gods Of Violence
Gods Of Violence
People Of The Lie
Total Death
Intro Mars Mantra
Phantom Antichrist
Fallen Brother
Army Of Storms
Enemy Of God
From Flood Into Fire
Intro Apocalypticon
World War Now
Hail To The Hordes
Extreme Aggression
Civilization Collapse
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Intro The Patriarch
Violent Revolution
Flag Of Hate
Under The Guillotine
Pleasure To Kill
Outro Death Becomes My Light

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