Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Knorkator im Konzert (Chemnitz, Juli 2015)

Potpourri der hochwertigen Musik

Im April erschien der gepresste Livemitschnitt der meisten Band der Welt „Knorkatourette“. Und man darf mit Fug und Recht behaupten, dass die Fans von Knorkator durchaus reichlich Zeit hatten, das Werk zu begutachten. Bis auf einige Festivaltermine ließen sich die Berliner dieses Jahr höchst selten gemeinschaftlich auf der Bühne sehen. Umso erfreulicher, dass man sich im Wasserschloss Klaffenbach ein sommerliches Stelldichein gibt. Dieser vergnügliche Anlass lässt wiederum Scharen frohsinniger Musikliebhaber den Innenhof des Schlosskomplexes füllen, wobei sicher angemerkt werden darf, dass es im Bereich der Zuschauerzahlen durchaus noch Potential nach oben gibt.

Mit „Hymne“ wird eröffnet und sicher gibt es keinen Song, der besser die nachfolgenden Minuten beschreiben kann. Auf der einen Seite wartet das Volk so gebannt und in Demut, während auf der Bühne vollkommen und rein die Musik beginnt. Denn obwohl die Berliner sicher bestens dafür bekannt sind, die Lachmuskeln bis aufs Äußerste zu strapazieren, sei ebenfalls angemerkt, dass hier auch auf höchst anständiger Weise musiziert wird. Nachdem also die Fronten geklärt sind, darf Alf Ator sich als Scherenmann betätigen und Frontmann Stumpen aus seinem sonnig glänzenden Lack-Overall verhelfen. Das darunter liegende Teilchen verdeckt dann gerade mal so viel, dass jetzt nicht alle Jugendlichen den Platz verlassen müssen und zudem stellt Stumpen nach einigen Handgriffen fest, dass es auch falsch angezogen ist. Stört außer ihm niemanden und wer daran schuld ist, kann nur er allein beantworten. Zu „Du Bist Schuld“ wird zwar schließlich der Fehler im Publikum gesucht und mit Claudia auch eine Hauptverdächtige erkoren. Dieser darf man aber sogleich auch danken, denn sie ist ebenso schuldig an der extrem guten Laune des Energiebündels.

„Mich verfolgt meine eigene Scheiße“ ist der darauffolgende Titel und dieser wird in einer wohligen Harmonie von Stumpen und Alf Ator vorgetragen. Händchenhaltend und mit Küsschen mag man fast den Text verdrängen und romantische Anwandlungen bekommen. Erklärungen über den Aufbau eines Songs folgen in „Refräng“ und bei „Geld“ darf sich Neu-Schlagzeuger Phillip mit einem kleinen Solo in den Vordergrund hämmern. Dies erzeugt sichtlich gute Laune, so wird dem Publikum auch gestattet, sich bei „Wenn mir einer etwas will“ noch stärker einzubringen. Beim Handheben von Stumpen kann nun still mit den Armen gewedelt werden, während beim Fußheben ruhig gestanden, dafür aber laut mitgesungen werden darf. Dies klappt bei den ersten Tests ganz gut, aber irgendwann müssen sich die Zuschauer doch der Frequenz von Stumpen beugen. Glücklicherweise wird es beim „Schlumpfenlied“, welches dem Sohn von Stumpen gewidmet wird, etwas einfacher und damit auch durchgängig lauter. Von dem einen Sohn geht es auch fast nahtlos hinüber zu einem anderen Sohn und zwar dem von Alf Ator. Tim Tom kann sich zu „Arschgesicht“ an der Stimme beweisen und tut dies auch mit großem Erfolg, zumal er hier auch ordentlich Publikumsnähe sucht. Der Konter von Stumpen erfolgt in einem schwarzen Lackhöschen und endet in einem klaren Remis.

Ebenso unentschieden geht das Duell an den Saiten aus, zu welchem sich Rajko am Bass und Basti an der Gitarre treffen. Dies verleiht zudem „Ich hasse Musik“ zu einem knalligen Auftakt. Bei „L“ wird das Tabuwort Liebe nicht ausgesprochen, dafür zieht aber Alf mit seinem „Alfator“ geschmeidig seine Kreise, während sich Rajko gerade eine Kopfnuss von Stumpen abholen darf. Dies darf man allerdings nach Aussage des Initiators nur als Liebesbekundung für eine tolle Band ansehen.

Mit „Schmutzfink“ schreit Alf Ator wiederum Stumpen in Grund und Boden und mit „Der ultimative Mann“ wird auch schon der letzte Song des Abends angekündigt. Ist er aber bei Weiten noch nicht, „Weg nach unten“ folgt und danach ein langwährender Applaus, welcher vom Publikum an sich selbst gehen darf. Die Bühne verlassen möchten Knorkator mit „Wir werden alle sterben“. Basti und Alf Ator klopfen sich hier anständig die Saiten um die Ohren, währenddessen Stumpen die Bananen aus Alfs Netz an das Publikum verteilt. Letzteres dient nicht nur der Belustigung, sondern kommt als Energiespender auch gerade recht.

Nach den gegenseitigen Danksagungen bleibt man auch direkt auf der Bühne und holt sich noch ein kleines Mädchen aus vorderster Reihe hinzu. Sie darf mittels Armheben nun die Lautstärke des Publikums bestimmen und zudem die Auswahl des nächsten Titels bestimmen. Die Wahl fiel auf schön, anstatt auf doof und damit geht es mit „Absolution“ weiter, welches tatsächlich außerordentlich gut umgesetzt wird. Zu „Böse“ wird sie etwas an den Rand geschoben, denn hier darf Tim Tom seinen Aggressionen freien Lauf lassen. Die letzte Bespaßung für die Ohren folgt mit „Ma Baker“, bei dem Alf Ator und Stumpen zusätzlich dem Tennisspiel frönen.

Trotz lang anhaltenden, enthusiastischen Applauses gibt es kein Erweichen mehr und das immer noch lechzende Publikum muss sich leider vom Hof machen. Das Fazit für den Abend darf man der anfänglich gespielten „Hymne“ entnehmen: „Welch ein großer Moment, unbeschreibliches Glück
und ein Echo davon, bleibt für immer zurück.“

Setlist:

Hymne
Schwanzlich willkommen
Ding inne Schnauze
Schüchtern
Du bist schuld
Mich verfolgt meine eigene Scheiße
Zoo
Refräng
Geld
Wenn mir einer etwas will
Alter Mann
Arschgesicht
Du nicht
Ich hasse Musik
L
Schmutzfink
Der Werwurm
Eigentum
Der ultimative Mann
Weg nach unten
Wir werden alle sterben
Absolution
Böse
Für meine Fans
Ma Baker

comments powered by Disqus

Das Wochenende klingt mit Volldampf aus

 

 

„Das ist genau der Punkt, kein erhobener Zeigefinger“

Perfekter Tour-Abschluss, der mehr Zuschauer verdient hätte

Kurzweiliger Abend mit kleinem Vorgeschmack auf das kommende Album

Wenn es im August schneit und trotzdem alle schweißgebadet nach Hause gehen

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging