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Katatonia, Swallow The Sun, Long Distance Calling im Konzert (Hamburg, März 2010)

Ein mehr als gelungener Tourauftakt

Feierten eine gelungene Tourpremiere: Katatonia

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Katatonia

Nach einer ziemlich langen Umbauphase ist es um etwa 22:40 Uhr dann endlich Zeit für den Headliner des Abends. Der kleine Club ist mittlerweile zum Bersten voll und auch wenn ich persönlich nach wie vor der Meinung bin, Katatonia hätten eine größere Location verdient gehabt, so lässt sich doch nicht leugnen, dass man im Logo natürlich einfach näher dran ist und das Ganze so ein sehr angenehmes, familiäres Underground-Feeling besitzt. Auch muss ich mittlerweile einräumen, dass – passionierter Raucher hin oder her –, so wie alle dicht an dicht gedrängt stehen und der Schweiß quasi von der Decke tropft, das generelle Rauchverbot in Clubs ein Segen ist. Man will sich lieber nicht vorstellen, wie verpestet die Luft erst wäre, wenn das Quarzen hier drinnen noch erlaubt wäre.

Die freie und Hansestadt Hamburg hat am heutigen 3. März die Ehre, die Tourpremiere von Katatonias „Night Over Europe“-Tournee erleben zu dürfen und dementsprechend gut ist auch die Stimmung. Großer Jubel brandet auf, als die fünf Schweden die Bretter entern. Gott sei Dank fand man für die abgewanderten Norrman-Brüder Fredrik und Mattias recht schnell Ersatz in Per Eriksson (Bloodbath) an der zweiten Gitarre (er übernimmt auch einen Teil der Backing Vocals) und Niklas Sandin am Bass – nicht auszudenken, wenn man wegen des zeitlich äußerst ungünstigen Ausstiegs der Norrmans auch noch die Tour hätte verschieben oder gar absagen müssen.

Erwartungsgemäß wird das Set mit dem gut einheizenden „Forsaker“, dem Opener der aktuellen Scheibe „Night Is The New Day“, eröffnet, bevor man mit „Consternation“ eine weitere Heavy-Nummer vom Vorgänger „The Great Cold Distance“ nachschiebt, dem Album, das seinerzeit alle Bandmitglieder zu ihrem Favoriten ernannten.

Jonas ist gut bei Stimme, gibt wie immer eine sehr leidenschaftliche Performance ab und wirkt wie gehabt schüchtern; das lange Haar hängt ihm ins Gesicht, während er mit der für ihn typischen Pose mit dem Kopf im Nacken singt – ganz anders dagegen Anders, dessen Mikro eigentlich viel zu tief positioniert ist, sodass er sich bei seinen Backing Vocals immer nach unten beugen muss.
Viel geredet wird nicht zwischen den Songs, aber angesichts der Tatsache, dass man doch recht spät begonnen hat – vor allem, wenn man bedenkt, dass heute ein Mittwoch ist und die meisten Leute am nächsten Tag arbeiten müssen –, fällt das nicht wirklich ins Gewicht; so bleibt mehr Zeit für die Musik und bei insgesamt 17 Songs kann sich am Ende wohl niemand beschweren.

Mit dem Dreierpack „Liberation“, „Day And Then The Shade“ und dem mit sphärischen Keyboards unterlegten „Onward Into Battle“ werden dann erstmals auch andere Songs des neuen Albums außer „Forsaker“, welches die Gruppe ja bereits auf dem Summer Breeze und der Tour mit Porcupine Tree spielte, vorgestellt, bevor man nach dem groovigen „Soil’s Song“ ein wenig tiefer in der Vergangenheit wühlt. Alte Perlen wie „Wealth“ (von „Viva Emptiness“), „Teargas“ (enthalten auf „Last Fair Deal Gone Down“) und „Saw You Drown“ (von „Discouraged Ones“; hat schon zwölf Jahre auf dem Buckel, feiert laut Jonas jedoch trotzdem erst am heutigen Abend seine Livepremiere, was selbstredend mit neuerlichen Rufen der Begeisterung aufgenommen wird) lassen die Nostalgiker schwelgen und auch die ein oder andere lautstarke Forderung nach ganz altem Stoff von „Brave Murder Day“ aufkommen; dieser Wunsch bleibt jedoch leider unerfüllt.

Obwohl der Sound bisher wirklich gut war – Jonas’ Stimme scheint etwas im Vordergrund zu stehen, aber das stört gar nicht, sondern irgendwie scheint das Live-Feeling dadurch noch authentischer zu sein –, gibt es bei „Idle Blood“, einem meiner persönlichen Favoriten auf „Night Is The New Day“, erstmals Schwierigkeiten. Diese sind allerdings weniger auf den Sound zurückzuführen, sondern hängen wohl eher damit zusammen, dass man sich bei den Keyboardparts, die auf der neuen Platte ja deutlich stärker als bei den Vorgängern präsent sind, auf Samples zurückgreifen muss. Diese klingen nun mal so, wie sie einprogrammiert wurden und lassen sich nicht ändern und so scheint Anders ausgerechnet bei der Ballade – wo es halt jeder hören kann – die Tonart völlig verplant zu haben und greift anfangs kräftig daneben. Aber das kann ja mal passieren und man darf froh sein, dass dieser wunderschöne Tränentreiber überhaupt live zum Besten gegeben wird – ich selbst hatte irgendwie nicht damit gerechnet.

Nach der Performance weiterer unverzichtbarer Klassiker („My Twin“, „Criminals“ – immer wieder schön zum Mitgrölen: „he went too far, the fucker“ –, „July“ und „Evidence“), sowie einem neuen Stück („The Longest Year“), stellt Jonas fest, dass es leider schon zehn Minuten vor Mitternacht ist und man somit leider nur noch Zeit für zwei Songs hat – der Curfew verlangt es so. Das wirkt allemal sympathischer, als von der Bühne zu gehen, sich feiern zu lassen und für Zugaben wiederzukommen – letzteres frisst sowieso nur unnötig Zeit.  
„Leaders“ bleibt unverständlicherweise wieder unbeachtet (hmpf, wann werde ich diesen göttlichen Song endlich mal live zu hören kriegen?), dafür hat die Band mit „Dispossession“ ein As im Ärmel, das man nicht unbedingt auf der Rechnung hatte. Dass der Megahit „Ghost Of The Sun“ das letzte Stück des Abends sein würde, war dann natürlich klar, denn darauf dürfen Katatonia einfach nicht verzichten.

Kurz nach zwölf verabschieden sich die Jungs und können sich über einen gelungenen Tourauftakt freuen. Die weiteren Städte Europas, die die Schweden in den nächsten Monaten abgrasen werden, dürfen sich freuen, wenn die Auftritte weiterhin so überzeugend dargeboten werden. Heute gab es wirklich nichts zu meckern: Toller Gig, guter Sound, gute Stimmung und obendrein noch superfaire T-Shirt-Preise. 15 Euro für ein Shirt nenne ich mal fanfreundlich, da kann sich so mancher größerer Act eine Scheibe von abschneiden!  

Setlist:

- Forsaker
- Consternation
- Liberation
- Day And Then The Shade
- Onward Into Battle
- Soil’s Song
- Wealth
- Teargas
- Saw You Drown
- Idle Blood
- My Twin
- The Longest Year
- Criminals
- July
- Evidence
- Dispossession
- Ghost Of The Sun

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