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Katatonia, Agent Fresco & Vola im Konzert (Hamburg, Oktober 2016)

Großartiges letztes Deutschland-Konzert der "The Fall Of Hearts"-Tour

Katatonia

Da die Stimmung ja schon bei den Vorbands prächtig und der Laden bereits gut gefüllt war, konnte man damit rechnen, dass es bei Katatonia nun so richtig hoch hergehen würde. Und tatsächlich ist es nun einigermaßen kuschelig in der Markthalle geworden – viel dürfte nicht mehr fehlen, damit man die Veranstaltung ausverkauft nennen darf. Im Interview hatte Jonas Renkse noch von einer leicht angeschlagenen Stimme gesprochen, doch davon ist glücklicherweise nichts zu bemerken, vielleicht hat er sich auch vorher noch einmal kräftig Tee reingeschüttet.

Der Sound ist auch hier recht gut, bis auf das erneut etwas zu laute Schlagzeug zu Beginn, aber das ist zugegeben schon ziemlich kleinlich, insgesamt ist das eine runde Sache. Wie immer eigentlich macht die Band außer Headbangen nicht viel auf der Bühne, auch Jonas’ Ansagen halten sich wie gewohnt in Grenzen. Doch die Musik und die Performance der Schweden ist so intensiv, dass das nichts ausmacht; nicht einmal der Publikum und Band trennende Fotograben stört die elektrisierte Stimmung.

Blickfang ist natürlich einmal mehr der Frontmann; Jonas steht meist – auch das kennt der Fan – mit den Haaren wie eine Gardine vor dem Gesicht hängend da und löst mit seiner Götterstimme Gänsehautschauer aus. Dennoch gilt ein besonderes Augenmerk natürlich auch Drummer Daniel Moilanen, der mit der Truppe seine erste große Tour absolviert. Erfreulicherweise lässt er die alten Stücke weitestgehend unverändert, spielt in jedem Fall aber präzise wie ein Uhrwerk und fügt sich glänzend in den Gesamtsound ein.

Bei der Songauswahl fällt auf, dass man sich vor allem auf zwei Alben konzentriert: Logischerweise auf der einen Seite die neue Scheibe „The Fall Of Hearts“, die mit fünf Songs vertreten ist – wobei sich von Anfang an die Frage stellte, womit der Fünfer den Abend wohl eröffnen würde, da der Album-Opener „Takeover“ sich dafür nicht unbedingt angeboten hätte, geht er doch direkt nach einer Sekunde mit Gesang los. Auf jene Nummer wird letztlich auch komplett verzichtet, den Auftakt bildet dafür das flotte „Last Song Before The Fade“, das sich aufgrund seines Tempos als Einheizer gut eignet und somit eine gute Wahl darstellt.

Die andere besonders prominent vertretene Scheibe ist das 2006er Meisterwerk „The Great Cold Distance“, welches in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert und aus diesem Grund vor ein paar Tagen in London sogar komplett aufgeführt wurde. Auch wenn Katatonia dem Hamburger Publikum diesen Luxus vorenthalten – immerhin sechs Stücke von dieser fantastischen Platte sind schon auch sehr ordentlich und bei Kompositionen wie dem groovigen „Soil’s Song“ und dem alles wegblasenden „Leaders“ ist komplettes Durchdrehen angesagt. Die Kulisse ist wahrlich mehr als amtlich und die Band kann sich nicht über mangelnde Resonanz beklagen. Es ist das letzte Konzert auf dieser Tour in Deutschland und trotz zwei recht neuer Bandmitglieder (neben Moilanen ist dieses Jahr erst Ex-Kamchatka-Bassist und -Sänger Roger Öjersson als Leadgitarrist hinzukommen) ist die Formation entsprechend top eingespielt und agiert mit absoluter Tightness, was sich gerade in den progressiveren Momenten bei den neuen Stücken offenbart.

Dennoch wird außer den ersten beiden jedes Album bedient und mit „Saw You Drown“ und „For My Demons“ werden zwei eher überraschende Tracks ausgepackt. Schön, dass Katatonia nicht zu den Bands gehören, die bei jeder Tour auf Nummer Sicher gehen und immer nur praktisch dasselbe zocken. Die Schweden können es sich sogar leisten, die großen Hits „Ghost Of The Sun“ und „Criminals“ zu ignorieren und niemand beschwert sich. Wenn man dafür andere Smasher der Marke „Evidence“ oder „Teargas“ (ebenfalls Fanfaves) am Start hat, stört dies auch nicht weiter.

In jedem Fall eine klasse Songauswahl, die mit „Forsaker“ zunächst ebenfalls sehr hitverdächtig ausklingt, doch die Combo ist schnell zurück auf der Bühne und hält in Form von „My Twin“ das Niveau weiterhin ganz weit oben. Das anschließende „Lethean“ verlängert Roger Öjersson mit einer Solopassage, glücklicherweise ohne es zu übertreiben, bevor die Meute mit „July“ (fast schon zynisch, wenn man bedenkt, dass es Ende Oktober ist) in die Nacht bzw. in Richtung Merchstand entlassen wird. Wieder einmal haben Katatonia rund 100 Minuten großes Kino für die Ohren geboten und empfehlen sich als Kandidaten für das Konzert des Jahres.

Setlist:

Last Song Before The Fade
Deliberation
Serein
Dead Letters
Day And Then The Shade
Serac
Teargas
Saw You Drown
Evidence
The Night Subscriber
Soil’s Song
Old Heart Falls
For My Demons
Leaders
In The White
Forsaker
---------------------------------
My Twin
Lethean
July

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