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Kamelot, Evergrey, Amaranthe im Konzert (Köln, Mai 2011)

Budenzauber bei halbvoller Hütte

Kamelot

Die Umbaupause zog sich dann ein bisschen, was insofern etwas ärgerlich war, weil so gar nichts mehr auf der Bühne passierte und es augenscheinlich schon hätte losgehen können. So blieb natürlich etwas Zeit, um einen genaueren Blick durch die Live Music Hall zu werfen und die Lage zu sondieren: Die Halle war höchstens zu Hälfte gefüllt. Und man konnte trotz fehlendem Fotograben locker durch die Menge bis zur Reihe fünf spazieren. Außerdem kam der Eindruck auf, dass sich weniger Fans in der Halle aufhielten als kurz zuvor noch bei Evergrey.

Natürlich beherrschte in den Rauchpausen Roy Khans Ausstieg kurz vor der Tour alle Gesprächsinhalte, und nicht wenige waren gespannt, wie sich denn Ersatzvokalakrobat Fabio Lione (Rhapsody Of Fire) so schlagen würde. War es zunächst recht ruhig in der Live Music Hall, so änderte sich das Gebaren der Fans schlagartig, als die ersten Töne sich aus den Boxen drückten, und Kamelot schlugen auch gleich die richtige Strategie ein: ein paar Songs gleich durchspielen und die Fans kaum zu Wort und Luft kommen lassen. Diese ließen sich allerdings wenig im Bewegungsdrang hindern, schließlich wollte so manche Pommesgabel im Zeichen der Ehrerbietung auch gen Hallendecke gelüftet werden, bis sich ein Meer an mehreren hundert Fingern im freudigen Taumel duellierte.

Auf Wunsch von Kamelot war der Fotograben zu einem verkümmerten Rest abgespeckt, die letzten dreißig Zentimeter hätte man sich da allerdings auch klemmen können. Die Nähe zum Publikum kam aber an, und nicht wenige Fans strahlten glücklich, wenn sie doch nur kurz einen Fetzen vom Stoff des Hosenbeines streicheln durften.

Showmäßig hatten sie wie eigentlich bei den Touren zuvor auch reichlich zu bieten: Schon beim dramatischen Intro stolzierte Amaranthe-Püppchen Elize auf eines der neben dem Drumset aufgebauten Erhöhungen und ließ sich gleich vom klatschenden Reigen der Fans anstecken. Was aber noch viel wichtiger war: Gitarrist Thomas und Bassist Sean steppten unaufhörlich über die Bühne, beugten sich tief zu den Fans der ersten Reihen herab, Tastenspezialist Oliver headbangte schon von den ersten Rhythmen an vergnügt im Einklang mit den Saitenverfechtern, und der unter besonderer Beobachtung stehende Fabio – übrigens nicht wie vorher schon fast spöttisch erwartet im Rüschenhemd – lieferte eine ebenfalls starke Performance ab.

Immer wenn die Stimmung zu versanden drohte, sorgte Fabio mit einfachen „Come on“ und „Macht mal Krach“ für Stimmungsaufheller. Für „Center Of The Universe“ räumte er dann ganz die Bühne und übergab das Mikrofon an Gastsänger Tommy Karevik (Seventh Wonder), und Elize sorgte im Hintergrund für die fraulichen Stimmanteile. Den Fans gefiel das, sie klatschten und winkten, die Köpfe flogen, und lautes Gejohle durchzog die mitgesungenen Textzeilen.

Wenig überraschend kam dann „Forever“ bei den Fans besonders gut an, Fabio konnte die mit zahllosen Pommesgabeln gespickte Meute mit „Whoohoo“-Chören dirigieren, und spätestens beim Refrain hätte er sich auch arbeitslos melden können, so lautstark sorgten die Kamelot-Anhänger für eine Gänsehaut. Als weiteres Highlight entpuppte sich dann ebenfalls „The Haunting“, denn Epicas Simone enterte im knappen Lederoberteil die Bühne und verzauberte das Publikum wohl bis in die letzte Reihe.

Die Stimmung in Köln war so aufgeheizt, dass sogar die unsäglichen Solo-Eskapaden mitgefeiert wurden – „Cologne, ihr singt jetzt mit mir, denn jetzt kommt ein langsames Stück“, und im Duett mit Elize bei „A Sailorman’s Hymn“ wurde der Pathos-Faktor nach oben gewuchtet.

Auch wenn viele ganz sicher Roy vermisst haben – in Köln bekamen sie eine abwechslungsreiche Show geboten, und nicht wenige mussten nachher zugeben, dass ihnen der Abend auch gefallen hat. Nur beim nächsten Abstecher nach Deutschland könnten Kamelot wieder etwas kleinere Bühnen aufsuchen, denn dann kommen sie dem Publikum wieder wirklich und richtig nahe.

Setlist:

Rule The World
Ghost Opera
The Great Pandemonium
The Human Stain
Center Of the Universe
Descent
A Sailorman's Hymn
When The Lights Are Down
Soul Society
Keyboard Solo
EdenEcho
Necropolis
The Haunting (Somewhere in Time)
Drum Solo
Forever
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Bass Solo
Karma
March of Mephisto

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