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Iron Butterfly im Konzert (Siegburg, März 2012)

Lebende Legenden präsentieren zeitlose Musik

Charlie Marinkovich beindruckte die Menge mit einem Gitarrensolo mitten im Publikum

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Fast keine Band wird bei Nennung des Namens so in Verbindung mit ihrem Erfolgshit gebracht wie die kalifornischen Rock-Urgesteine Iron Butterfly mit ihrem legendären Hit "In-A-Gadda-Da-Vida". Mit diesem in der Studioversion 17-minütigen Überflieger hat die Band 1968 nicht nur den Psychedelic Rock geprägt und den Weg für verschiedene Genres geebnet, sondern auch den Soundtrack für eine ganze Generation geschaffen. Der Track katapultierte die Band weltweit nach oben in der Rock-Szene und sogar eine Einladung zum Woodstock-Festival 1969 folgte, doch die Band verpasste leider ihren Flieger nach Bethel und somit auch die Chance, auf einem der legendärsten Festivals der Geschichte aufzutreten. Die Band hatte zudem schon damals mit enorm vielen Besetzungswechseln zu kämpfen, löste sich auf, kam dann wieder zusammen und so gingen die nachfolgenden vier Alben leider ziemlich unter und die Band geriet in Vergessenheit.

Trotz allem tourt die Truppe seitdem mit gelegentlichen Unterbrechungen und ohne erwähnenswerte Erfolge durch alle möglichen Clubs und gibt ihre Songs zum Besten. Das momentane Line-Up setzt sich zusammen aus Bassist Lee Dorman (beinahe beständiges Mitglied seit "In-A-Gadda-Da-Vida"), Keyboarder Martin Gerschwitz (seit 2005 dabei), Drummer Ron Bushy (beinahe beständiges Mitglied seit "Heavy"), und Gitarrist Charlie Marinkovich (2002 eingesprungen für den verstorbenen Eric Brann) feiert sein zehnjähriges Jubiläum in der Band. Mit dieser Besetzung befindet sich die Gruppe zurzeit auf Europa-Tournee und macht auch Halt im gemütlichen Kubana Club in Siegburg. Da der der Verfasser dieser Zeilen leider 40 Jahre zu spät geboren ist und somit noch nie die Gelegenheit hatte, die Pioniere live zu erleben, ist die Vorfreude natürlich umso größer.

Die Location besteht aus einer geräumigen Bar und einem direkt darunter gelegenen Live-Keller. Ein relativ kleiner Konzertraum, gut besucht, aber keineswegs eng und mit Bar und Sitzgelegenheit. In der anderen Ecke des Raums findet eine nette Bühne ihren Platz und überzeugt mit einem auffallend guten Sound. Überaus erfreulich ist auch das strenge Rauchverbot im Club, denn wer kennt das als Nichtraucher nicht, wenn man gerne die Show genießen möchte, aber umringt von Dunst ist. Ehrlich, wenn man nicht mal eine Stunde ohne zu qualmen aushalten kann, sollte man rausgehen oder gar erst zu Hause bleiben. Deshalb kann man sich glücklich schätzen, dieses Problem im Kubana Club nicht zu haben. Doch genug zur Einrichtung, die Rock-Veteranen betreten schließlich in wenigen Augenblicken die Bühne.

Als die fünf Musiker vor die Menge treten, wird zunächst sofort klar, dass seit der Bandgründung einige Dekaden vergangen sind. Sei es die gebückte Haltung, die leicht ansätzigen Falten oder die grauen Haare, sie gehören definitiv nicht mehr zu den Jüngsten. Basser Lee Dorman kann nur gestützt durch zwei Roadies, die ihn auf die Bühne geleiten und ihm seinen Viersaiter reichen, auf seinen Stuhl gelangen, auf dem er dann auch während des Konzerts sitzen bleibt. Doch sobald die ersten Töne mit dem Klassiker "Ion Butterfly Theme" geschwungen werden, wird dieser Eindruck schnell vergessen. Denn auch wenn die Mannen einige Jahre auf dem Buckel haben, spielen sie doch noch einwandfrei, sind mit Herz und Seele bei der Sache und können so voll überzeugen. Die Musik ist selbst nach all der Zeit kein bisschen eingerostet und kommt auch mit dem modernen Bühnensound super rüber.

Die Band spielt sich durch eine klassische Setlist mit Hits wie "Stone Believer" und "Easy Rider" und lässt so richtig den Spirit der alten Zeit aufkommen, nicht zuletzt durch die nostalgischen Ansprachen von Lee Dorman. Es werden zwischendurch immer wieder einzelne grandiose Soloeinlagen von Gerschwitz und Marinkovich dargeboten, ganz zur Freude der Anwesenden, und die Truppe bietet eine sehr unterhaltsame Show. Im Publikum herrscht eine allgemein zwar nicht ausgelassene, aber doch sehr angenehme und reher relaxte Stimmung. Die Zeit der wilden Parties scheint vorbei, mittlerweile heißt es vielmehr: Just sit back and enjoy the show. Vor allem, weil es so scheint, als sei mit der Band auch das Publikum älter geworden, denn dieses besteht beinahe nur aus einer Generation, junge Gesichter sieht man kaum. Doch auch wenn wenig Bewegung herrscht, die Band wird anständig gefeiert und begeistert bejubelt. Zuletzt wird noch "Butterfly Bleu" gespielt, bei dem Charlie Marinkovich kurzerhand ins Pulikum springt und mitten in der Menge ein Gitarrensolo zum Besten gibt, bevor dann der heiß ersehnte Track folgt, auf den schon alle gewartet haben, der Evergreen "In-A-Gadda-Da-Vida". 

Den Song eröffnet traditionsgemäß Keyboarder Martin Gerschwitz, diesmal mit einer einmaligen Interpretation der Toccata von Bach. Wie nicht anders zu erwarten, stellt der Klassiker den Höhepunkt des Konzerts dar, mit Ron Bushys astreinem Drum- sowie Gitarren- und Keyboardsolo, dem psychedelischen Flair und dem markanten Gesang; alles scheint zu passen.

Als die Band sich dann verabschiedet und sich noch einmal vors Mikro setzt, um auf deutsch ihren Dank auszusprechen, werden sie amtlich gefeiert. Schade ist nur, dass der eigentlich eingeplante Song "Are You Happy?" dann im Endeffekt nicht gespielt wurde. Auf die Frage warum, entgegnet Marinkovich später, dass die Band den Song mal spielt und mal nicht, das sei ganz abhängig davon, wie schnell der Rest der Setlist gespielt wurde. Nach dem Auftritt wird sich dann noch Zeit genommen für Autogramme und Fotos am Merch Stand und anschließend noch Pläuschen in geselliger Runde. Die Band zeigt sich sehr fanverbunden und ist bis zum Ende anwesend und unterhält sich mit den Besuchern, lediglich Lee Dorman kann nicht dabei sein, da der Auftritt anstrengend für ihn war und er sich im Hotel etwas Ruhe gönnt. Da kann man sagen was man will, aber dass er trotz der Anstrengung und dem Stress mit seinen 69 Jahren noch immer auf der Bühne steht (oder eher sitzt) und die Fans beglückt, alle Achtung! Ebenso gehört dem nur drei Jahre jüngeren Drummer Ron Bushy Respekt gezollt, der sein Drumsolo in "In-A-Gadda-Da-Vida" so authentisch wie eh und je darbietet. Obwohl Iron Butterfly schon zum alten Eisen gehören, kann die Band sich live immer noch sehen lassen und mit Spielgefühl, Authentizität und einer oldschooligen Atmosphäre überzeugen. Es hat eine Menge Spaß gemacht, sich die Show der sympathischen Kalifornier anzuschauen.

Setlist:

1. Iron Butterfly
2. Unconscious Power
3. Time Of Our Loves
4. Stone Believer
5. Flowers And Beads
6. Easy Rider
7. Butterfly Bleu
8. In-A-Gadda-Da-Vida

9. Are You Happy? (nicht gespielt)

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