Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Insomnium, The Black Dahlia Murder & Stam1na im Konzert (Hamburg, Dezember 2019)

Top-Stimmung in der Markthalle auch an einem Mittwochabend

Insomnium

In der Umbaupause läuft mal kein Metal, sondern Sachen wie „Ghostbusters“ und die Titelmelodie zu „Akte X“, was auch mal ganz witzig ist; nach fast einer Dreiviertelstunde jedoch betreten Insomnium das Podium und legen in Form von „Valediction“ und „Neverlast“ mit einem Doppelschlag vom aktuellen Album „Heart Like A Grave“ los, um anschließend die ältere Nummer „Into The Woods“ nachzuschieben.

Die Stimmung im bunt gemischten Publikum ist ohnehin schon achtbar, der Laden gut gefüllt, wenn auch nicht komplett ausverkauft, und Bassist und Sänger Niilo Sevänen scheint um die besten Mittel zu wissen, diese zusätzlich anzustacheln. Man vermelde lediglich, dass man am Vorabend in einer nicht allzu weit entfernten Stadt gespielt habe und merke außerdem an, dass die Leute dort „sehr laut“ gewesen seien. In diesem Fall handelt es sich um Hannover und die bloße Erwähnung des Namens fördert Buhrufe zutage (was wäre wohl erst losgewesen, hätte er Bremen genannt…), aber spornt die Zuschauer eben andererseits dazu an, deutlich mehr an ihre Grenzen zu gehen.

Alsbald sind permanent Heyrufe zu hören, allerorts Pommesgabeln zu sehen und es wird fleißig mitgeklatscht – man will ja nicht schlechter als die ca. 150 Kilometer südlich gelegenen Nachbarn dastehen. Mit anfeuernden Gesten, die an einen Fußballspieler erinnern, der die Fans in einer schlechten Phase animieren will, heizt Niilo das Publikum weiter an („Dankeschön – bitteschön – wunderschön“ wird stets aufs Neue rezitiert) und stellt schließlich strahlend fest: „Hamburg – now we’re talking!“ Die Musik der Finnen ruft allerdings so viele verschiedene Emotionen hervor, dass bloßes stoisches Zusehen schlichtweg keine Option darstellt. Wie bei den Kollegen von The Black Dahlia Murder steht auch bei den Skandinaviern das aktuelle Album klar im Fokus und wird ebenfalls mit einem halben Dutzend Tracks bedacht – wobei das Highlight wohl das überlange „Pale Morning Star“ bilden dürfte. Sehr geil, dass dieses Neun-Minuten-Epos es auf die Setlist geschafft hat.

Gut gelaunt und sympathisch kommen Insomnium eigentlich immer rüber und da sich die Tour wie eingangs erwähnt bereits dem Ende zuneigt, sollte man inzwischen auch gut aufeinander eingespielt sein. Der neue Mann Jani hat neben den Gitarrenpflichten auch den cleanen Gesang von Ville Friman übernommen und schlägt sich sehr achtbar in dieser Disziplin. Dass er an der Axt was kann, sollte ohnehin jeder wissen – die kleinen Timing-Probleme, die er bei den prägnanten Doppelleads in „Through The Shadows“ und ganz am Ende im Finale von „Heart Like A Grave“ hat (hier ist mal nicht das Publikum schuld, dass das Mitklatschen nicht ganz im Takt ist), sind absolut verschmerzbar und nur kleine Randnotizen.

Auch soundmäßig ist das eine solide Angelegenheit, einzig bei „Ephemeral“ wird es merkwürdigerweise ein wenig breiig, sodass es ein Weilchen dauert, bis man die Nummer überhaupt identifiziert hat. Leider kommen vor allem viele Akustikgitarren aus der Konserve (hier wäre es jetzt nützlich, wenn tatsächlich alle drei Gitarristen auf der Bühne stünden, ich bin mir aber sicher, dass es irgendwann zumindest vereinzelte Konzerte zu besonderen Anlässen gibt, wo dies der Fall sein wird), aber das dürfte der feierfreudigen Meute ziemlich wurscht sein. Im Laufe des Gigs lassen sich sogar gleich mehrere Crowdsurfer über die Menge hieven, die Security hat mehr zu tun, als sie möglicherweise erwartete.

Insbesondere ältere Fans dürfte es freuen, dass der Vierer mit „Change Of Heart“ und vor allem dem überlangen „In The Groves Of Death“ zwei ziemlich alte Klassiker vom „Above The Weeping World“-Album ausgekramt hat. Nach letzterem verschwinden Insomnium zunächst, eine Stunde Spielzeit wäre allerdings dann doch äußerst mager gewesen. Schnell kehrt man unter lautem Jubel zurück, gibt den „Shadows Of The Dying Sun“-Doppelpack „Primeval“/„While We Sleep“ zum Besten (letzteres darf man mit Fug und Recht als eine der stärksten Kompositionen der Band überhaupt bezeichnen) und fragt in Person von Niilo Sevänen danach, was man denn nun spielen solle.

Natürlich wird hier unter anderem auch nach „Winter’s Gate“ verlangt (die Geister, die ich rief…) und das wäre selbstverständlich die Traumzugabe schlechthin gewesen, aber erwartungsgemäß wimmelt der Frontmann diesen Wunsch ab – dies sei dann doch zu viel. Immerhin kündigt er dann aber etwas „ganz Spezielles“ an und die beiden Gitarristen Markus Vanhala und Jani Liimatainen kommen mit Akustikklampfen, Bierflaschen und Cowboyhüten bewaffnet auf die Bretter, um auf dem Bühnenrand sitzend ein Mini-Medley verschiedener Insomnium-Tracks darzubieten. Dabei schnappt sich Jani die Finnlandflagge der bereits erwähnten Fans in der ersten Reihe, legt sie sich auf den Kopf und befestigt sie mit dem Hut. Solche kleinen Einlagen kommen immer gut an und es werden sogar Leute mit „Psst“ zum Schweigen gebracht. Auch Jani entfährt es grinsend: „This is fucking art – you have to listen!“

Da in dem kleinen Medley als letztes „One For Sorrow“ herauszuhören ist, bleibt die kleine Hoffnung, vielleicht noch den gesamten Song zu hören zu kriegen, doch der Titeltrack des aktuellen Albums, den anschließend wieder die gesamte Band performt, ist ja auch nicht schlecht. Vielen reicht das immer noch nicht und während des „Karelia“-Outros wird von einer ordentlichen Anzahl Leute weiterhin vehement „Zugabe!“ gebrüllt, leider erfüllen die Finnen diese Forderungen nicht – nach insgesamt 90 Minuten ist Feierabend. Über schlechte Reaktionen können sie sich jedenfalls nicht beschweren, das wird hier noch einmal untermauert, auch wenn Niilo nicht verraten will, ob Hamburg am Ende tatsächlich mehr gerockt hat als Hannover. Für jeden Hamburger dürfte das aber auch so klar sein...      
 
Setlist:

Intro: Wail Of The North
Valediction
Neverlast
Into The Woods
Through The Shadows
Pale Morning Star
Change Of Heart
And Bells They Toll
Mute Is My Sorrow
Ephemeral
In The Groves Of Death
-----------------------------
Primeval
While We Sleep
Acoustic Session
Heart Like A Grave

Seite
comments powered by Disqus