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In Extremo im Konzert (Mannheim, Dezember 2009)

"Nimm einen Schluck, wir trinken auf´s Leben..."
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Am 15. Dezember gaben sich die Spielleute von In Extremo im Capitol Mannheim die Ehre; ein Konzert, welches die Erwartungen nicht übertraf, sondern Lügen strafte, kennt man die Band doch eher von feuchtfröhlichen Gelagen, wo ihre Lieder zu später Stunde gegrölt werden.

Praktischerweise wurde keine Vorband engagiert, der Abend stand also ganz im Zeichen einer akustischen Vorstellung des Septetts. Glücklich waren diejenigen, die auf die Schnelle noch eine Karte für die Akustik-Tour hatten ergattern können, denn schon wenige Tage nach Vorverkaufsbeginn waren einige der Konzerte komplett ausverkauft. Entsprechend zahlreich erschienen die Fans zum Mannheimer Auftritt, bei knackigen 5 Grad Minus im Freien war der Konzertsaal des Capitols auch erwartungsgemäß schnell gefüllt.

Das für In Extremo recht ungewöhnliche Bühnenbild gab schon beim Warten Stoff zu wilden Spekulationen: antik anmutende weiße Straßenlaternen säumten das Bild, in der Mitte der Bühne thronte ein Kanapee, das im Verlauf des Abend zum Lieblingsplatz des Sängers Das Letzte Einhorn werden sollte. Beinah pünktlich um kurz nach 20 Uhr betraten die sieben Musiker dann auch unter tosendem Jubel die Bühne; im Hintergrund hingen riesige weiße Laken, die je nach Stimmung verschiedenfarbig angestrahlt wurden – eine einfache, aber wirkungsvolle Dekoration.

Die „Merseburger Zaubersprüche“ läuteten den Beginn eines wunderbar abwechslungsreichen Abends ein; erstaunlicherweise passte die raue Stimme des Sängers hervorragend in die akustischen Arrangements der Stücke. Besonderer Respekt galt an diesem Abend Herrn Otto, der Schlagzeuger Morgenstern vertrat und sich das komplette Set innerhalb nur eines einzigen Tages in den Schädel gehämmert hatte. Dr. Pymonte wirkte schon bei „Frei Zu Sein“ leicht neben der Spur, weil er ständig zwischen diversen Instrumenten (unter anderem Harfe und Querflöte) hin und her wechseln musste, auch das so genannte Wurstfagott wurde bei eine sehr Rock´n´Roll-lastigen Version von „Lebensbeichte“ von ihm bedient; eine Barockform des Fagotts, das sich laut Das Letzte Einhorn auch wunderbar dazu eignete, Leberwurst zu produzieren.

Überhaupt taute der Sänger erst nach einigen Songs auf, scherzte mit dem Publikum und fühlte sich dazu angehalten, zumindest stimmungsmäßig „ein Licht zu entzünden“, da die physische Ausführung daran scheiterte, dass In Extremo bei einem ihrer letzten Besuche im Capitol beinah den ganzen Laden in Flammen hatten aufgehen lassen. So lauschte man im künstlichen Licht der auf der Bühne befindlichen Straßenlaternen dem eindringlichen Harfenintro von „Singapur“, dem sehr bewegenden „Ave Maria“ und dem zweiten Teil der „Merseburger Zaubersprüche“, bevor die Band eine Raucherpause verlangte und man sich nach draußen in die eiskalte Nacht wagte.

Tatsächlich hatte die Truppe wohl mehr als nur eine oder zwei Kippen geraucht, denn es dauerte eine ganze Weile, bis die Sieben sich wieder auf die Bretter wagten; dafür blieb auch bei der zweiten Hälfte des Auftritts kein Auge trocken: Stücke wie „Vollmond“, der auf Spanisch vorgetragene Anti-Mallorca-Song „En Esta Noche“ oder das von allen Seiten mitgegrölte „Nur Ihr Allein“ brachten tatsächlich jeden Anwesenden zum Tanzen. War Sänger Das Letzte Einhorn vor der Pause noch in eine Art 30er-Jahre-Vaganbundenanzug gekleidet, präsentierte er sich jetzt mit zurückgekämmten Haaren und einem schwarzen Jackett. Die Dame in der ersten Reihe, die lauthals „Ausziehen!“ gerufen hatte, hätte sicher auch nicht gedacht, dass der gute Mann sie direkt zum Abendessen mit der Band einladen würde - mit dem wunderbaren Satz „Denn sieben Köche verderben das Küchenmädchen“ wurde „Sieben Köche“ eingeleitet. Ob die Einladung nun noch eingehalten wurde, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Natürlich ließ die Band es sich nicht nehmen, das Publikum im fast ausverkauften Saal und auf den Emporen mit genialen Zugaben zu beglücken: Bei „Mein Rasend Herz“ steigerte Das Letzte Einhorn sich in ein Mundharmonika-Solo der Extraklasse hinein, AC/DCs „It´s A Long Way To The Top If Ya Wanna Rock´n´Roll“ bewegte die Massen, und das nicht nur wegen der genialen Sackpfeif-Soli von Pfeiffer und Flex, die anstelle der im Original zu hörenden Gitarrensoli gespielt wurden. Zu guter Letzt setzte der Sänger bei „Küss Mich“ das vorherrschende Rauchverbot völlig außer Kraft, indem er lässig rauchend auf dem Sofa herumturnte.

Viel bleibt nicht zu sagen, außer: Danke In Extremo für diesen wundervollen Abend! Die Band, die vor fast 15 Jahren zum ersten Mal auf Mittelaltermärkten ihr Geld verdiente, hat mit ihrer Akustiktour bewiesen, das sie mehr kann als die üblichen Klischees zu bedienen. Stimmungsvolle Instrumente, gemischt mit einer überraschenden Portion Rock´n´Roll und einem glänzend aufgelegten Sänger, das sind die Zutaten aus denen großartige Konzerte gemacht sind.

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