Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

In Extremo im Konzert (Abstgmünd 2005)

Zum Thema

Trotz leichten Nieselregens ist das Areal vor der Main Stage des Summer Breeze 2005 brechend voll. Kein Wunder, zumal mit In Extremo immerhin einer der sehnlichst erwarteten Headliner des Abtsgmünder Festivals ansteht. Und gerade nach dem jüngst veröffentlichten Longplayer Mein Rasend Herz, der vielerorts sehr irritiert aufgenommen und kontrovers diskutiert wurde, will man sich nun gerne selbst davon überzeigen, dass bei den Mannen um Das letzte Einhorn doch alles beim Alten geblieben ist – und wird in solcher Hoffnung nicht enttäuscht.

 

Wer erwartet hat, dass die sieben Spielleute neuerdings mit Punk-Outfit und Fortuna-Flagge die Bühne entern, der darf schon gleich beim ersten Song erleichtert aufatmen. Bereits die Bühnenkulisse hat es erahnen lassen: Ein Galgen, ein großes Banner mit dem Coverbild des aktuellen Albums – und natürlich die Berliner Bänkel-Brüder, die in vertrauter Gewandung und in bewährter Manier ihr Publikum mit Dudelsäcken förmlich umpusten.

 

Den Anfang macht an diesem Abend der Erdbeermund, dicht gefolgt von der authentisch mittelalterlichen Hiemali Tempore, Krummavísur sowie Omnia Sol Temperat. Vom neuen Silberling haben die Berliner dessen Namensgeber Rasend Herz oder Titel wie Horizont und Wessebronner Gebet im Gepäck. Und nicht zu kurz kommt natürlich auch die neue Hymne an ihre Fans. „Der nächste Titel ist nur für Euch!“ verkündet Frontman Michael Rhein – und ganz plötzlich, angesteckt von Festival-Stimmung samt Extremo-Flair, ergibt der Titel auch für den letzten Zweifler absolut Sinn. Nur Ihr Allein ist nicht nur eine Hommage der Band an ihre treuen und weniger pingeligen Anhänger. Gleichzeitig schaffen In Extremo damit auch eine einzigartige Brücke zu ihrem Publikum, die gerade bei einem solchen Live Konzert wie dem Summer Breeze noch sehr viel intensiver spürbar wird. Auf der Bühne steht nicht mehr die distanzierte Kapelle, die ihr Programm durch schrammelt. Es sind vielmehr die Jungs auf Spielmannspfaden, die ihre Anhänger einladen, sie ein kleines Stück zu begleiten: „Wollt ihr mit uns vom Leben fliehn – wir sind verehrt und angespien.“

Eine kleine Flucht aus dem Leben wagt an diesem Abend auch eine junge Frau, die von Micha eigens auf die Bühne geholt wird, um ihr Die Gier als Ständchen darzubringen. „Eigentlich wollten wir diesen Titel gar nicht spielen“, räumt das letzte Einhorn ein. „Aber wenn ihr Euch heute Abend gefunden habt – oder auch nicht – dann geht nachher zusammen in Eure Zelte, denkt an dieses Lied – und fickt Euch richtig durch!“ Zwar vergisst der Sänger vor lauter Flirten, seine Auserwählte nach ihrem Namen zu fragen – aber dem Publikum ist sowieso schon klar, wie jede Unbekannte auf einem Metal-Festival zu heißen hat: „Helga, Helga!“ feuern sie die junge Frau an und genießen mit ihr den Klassiker, auf den neben Vollmond und Spielmannsfluch so ziemlich jeder gewartet hat. Bei letzterem gibt’s dann auch noch mal Gelegenheit zum mitsingen: „Es regnet, es regnet Blut“, gröhlen die Fans im Chor – und Micha gönnt sich bei so viel Unterstützung erst mal einen Schluck Wasser und ein Sangespäuschen.

 

Natürlich fackeln In Extremo auch bei diesem Auftritt mal wieder alles ab, was an Pyro-Technik zu haben ist. Es gibt brennende Galgen und Drumsticks, Feuersäulen nebst Funkenregen, und während Vollmond bricht zum sanften Nieseln des abendlichen Firmaments auch noch ein goldener Konfetti-Regen über die Metaller herein.

 

Zum guten Schluss stehen schließlich noch Poc Vecem, Nymphenfest und Spielmann auf dem Programm. Villeman Og Magnhild beschließt die nächtliche Show des heiß gefeierten Summer Breeze Headliners, und die Fans trollen sich mit der Gewissheit: In Extremo werden immer In Extremo bleiben – egal was manche Lästermäuler auch labern und tratschen.

comments powered by Disqus