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In Extremo, Hämatom im Konzert (Dresden, Oktober 2016)

… und der Schlachthof brennt

In Extremo

Gut angeheizt geht es nun zum Hauptact, insofern wundert es nicht im Geringsten, dass selbst beim Fallen des Bag Drops schon die ersten Entzückungsschreie ertönen, die zum Start mit „Quid Pro Quo“ in die reinste Jubelarie übergehen. Damit können In Extremo einen Auftakt nach Maß verbuchen, der sich in puncto Stimmung wohl kaum noch überbieten lässt.

Mit „Feuertaufe“ wird scharf nachgewaschen und hiernach ist es erstmal an der Zeit die völlig durchdrehenden Dresdner zu begrüßen. Von denen kommt ein T-Shirt zurück und nein, es handelt sich nicht um eins der zuvor von Hämatom verschenkten, es ist ein nachträglicher Glückwunsch zum 20. Jubiläum und wandert direkt in die Hände von Dr. Pymonte. Eine Anprobe folgt nicht, dafür stimmt der Beschenkte kurz darauf den Klassiker „Vollmond“ an und startet damit die nächste Welle der Euphorie, die auch bei dem neuen „Störtebecker“ und dem etwas gemäßigteren „Unsichtbar“ nicht abreißt. Damit bleibt eigentlich kaum Zeit und Muße, sich mit dem Bühnenbild zu beschäftigen, erwähnt sei es aber unbedingt, da nicht nur der Aufbau äußerste gelungen ist, sondern auch die Hintergrundbilder häufig und vor allem stimmig getauscht werden. So befindet man sich stellenweise in einem Weinkeller, um dann wieder in einer abendlichen Gasse wiederaufzutauchen.

Pyrotechnik ist mit Sicherheit ein Bestandteil der In Extremo-Shows, der kaum noch wegzudenken ist, und zu „Sängerkrieg“ fahren die Flammenwerfer einmal mehr zur Höchstleistung auf. Untermalt wird dies vom Mitklatschen der Fans, welches sich auch weiterhin als ständiger Begleiter zeigt, allerdings beim nachfolgenden Song doch eingestellt wird. Angekündigt wird dies von Frontmann Michael Rhein mit „ein Lied, zu dem es eigentlich nichts zu sagen gibt“, und tatsächlich spricht „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ komplett für sich. Aber auch bei diesem ruhigen, gar in sich gekehrten Titel kann der Siebener absolut überzeugen, zumal er wie auf dem Album mit einem grandiosen zerstörerischen Finale aufwartet und die über die Bühne schießenden Flammen dem Ganzen noch mehr Nachdruck verleihen. Der leise und aber ebenso starke Moment wird mit einem Pyro-Knall weggeballert und mit „Rasend Herz“ geht es wieder hinüber zur Fanraserei, bei der die Hände automatisch in die Höhe fliegen und die Stimmbänder weiter aufs derbste strapaziert werden.

Ein „könnt ihr noch?“ wird in die Menge geschmissen, die Betonung liegt hier sicher besonders auf dem Wörtchen noch, immerhin dürfte die Dauerparty doch langsam etwas anstrengend werden, zumal die Temperaturen nun langsam jeder finnischen Sauna Konkurrenz machen. Trotzdem zeigen sich die Zuschauer nicht annähernd flügellahm und „Spielmannsfluch“ grölt man dermaßen laut mit, dass man sich langsam um sein Trommelfell Gedanken macht. Der eingeforderte Applaus für die Crew lässt es dann endgültig bluten, aber wenn sich der Tinnitus nun schon ankündigt, kann man ihm auch richtig Zunder geben und mit „Sternhagelvoll“ findet sich die beste Vorlage hierfür. Der Grölmarathon endet allerdings nicht mit den letzten Takten, sondern der Saal hängt noch eine A-cappella-Runde dran, die man schließlich mit „Schwarzer Rabe“ unterbricht.

Einige Buh-Rufe sind schließlich dennoch zu hören, immerhin wird mit „Moonshiner“ jetzt der letzte Titel angekündigt. Bleibt er aber nicht, denn recht schnell zwingen Applaus und Zugabe-Rufe die Band wieder für eine Dreingabe auf die Bühne. Das Stimmungshoch hält man auch zu „Himmel und Hölle“ und kann mit „Nur ihr allein“ tatsächlich jetzt noch einen draufsetzen. Wie die Zuschauer immer noch diese Energie aufbringen können, bleibt völlig unklar, aber man kann dem Treiben nur allergrößten Respekt zollen. Mit „Pikse Palve“ wird schließlich das Set beschlossen, selbst wenn jetzt langsam die Arme schwer werden und die Kehlen bis zum letzten geschunden sind, das Konzert hört so auf wie es begonnen hat: voller Euphorie.

Setlist:

Quid pro Quo
Feuertaufe
Zigeunerskat
Vollmond
Störtebeker
Gaukler
Unsichtbar
Sängerkrieg
Lieb Vaterland, magst ruhig sein
Rasend Herz
Roter Stern
Frei zu sein
Spielmannsfluch
Ave Maria
Ai Vis Lo Lop
Sternhagelvoll
Küss mich
Schwarzer Rabe
Moonshiner

Himmel und Hölle
Nur ihr allein
Liam
Belladonna
Pikse Palve

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