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In Extremo, Fiddler's Green im Konzert (Köln, April 2011)

Der Tourauftakt beschert den Kölnern gleich zwei Tage hintereinander eine Show, die sich selber übertrifft

Die Shows von In Extremo sind eine gute Mischung aus alten und neuen Liedern und gespickt mit Pyros

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In Extremo

Auf der Bühne sind die Umbauarbeiten im vollen Gange. Während sich die einen noch ein bisschen weiter nach vorne drängeln, nutzen die anderen die Gelegenheit sich noch ein kühles Bierchen zu gönnen, bevor es im wahrsten Sinne des Wortes heiß wird. Ein entscheidender Unterschied zwischen den beiden Tagen im Kölner E-Werk ist auch die Auswirkung der Anzahl an Fans. Während am ersten Tag der Balkon für die VIP’s gesperrt ist, haben diese am Donnerstag das Privileg nicht mehr. Der Balkon ist auch für die Fans geöffnet und bietet einen hervorragenden Blick auf das gesamte Bühnengeschehen. 
Der Anfang von dem Auftritt In Extremo`s ist jedoch an beiden Tagen gleich. An einer Leinwand taucht zunächst das kleine, verspielte Flugzeug vom aktuellen „Sterneneisen“ Albumcover auf, das laut knatternd von einer Seite der Leinwand zur anderen fliegt. Als es wieder von der Leinwand verschwunden ist, wird ein großer Countdown-Zähler eingeblendet, der von 5 bis 0 hinunter zählt. Bei null angekommen, schießen drei Raketen mit einem lauten quietschen von der Galerie bis zur gegenüberliegenden Bühne und In Extremo beginnen ihren Gig mit „Sterneneisen“.

Zum Tourauftakt ist auch bei den beliebten In Extremo scheinbar alles ein wenig ruhiger. Die Fans scheinen erst noch wach werden zu müssen, während In Extremo einfach sie selber sind. Micha präsentiert seine typischen Gesten, und Dr. Pymonte ist mit van Lange am scherzen. Doch gerade an Donnerstag scheint ihnen eine gewisse Last von den Schultern genommen worden zu sein. Die gesamte Band wirkt lockerer und Pymonte scheint Spaß an kleinen Faxen zu haben. Entweder scheinen ein paar hundert Fans und die Dichte dieser, entscheidend für deren Lust am Feiern zu sein, oder aber die Fans müssen beim Tourauftakt selber erst warm werden. Jedenfalls schreien, singen und hüpfen diese an Tag Nummer zwei um ein Vielfaches mehr.

Die Setlist ist an beiden Tagen gleich und erweist sich schon nach kurzer Zeit als ausgesprochen abwechslungsreich. Titel von dem aktuellen „Sterneneisen“ wechseln mit Liedern von „Sängerkrieg“ und alten Klassikern wie „Liam“ und „Erdbeermund“ ab. Natürlich darf bei den Klassikern auch ein ganz bestimmter Song nicht fehlen. „Meine Damen und Herren, ein Mann wie aus dem Bilderbuch!“ wird Pymonte angekündigt. Welcher Song auf eine solche Ankündigung folgt, bedarf nicht vieler Überlegungen.

„Vollmond“ sorgt für einen weiteren Ausbruch der Freude bei den Fans. Als Dr. Pymonte sich mit seiner Harfe in die Mitte der Bühne stellt, diese zu zupfen beginnt und ein Regen aus roten Papierschnipseln über ihn hinabrieselt, singen die Fans den Refrain des Liedes, wie immer komplett, aber nicht im Takt. Das ändert sich auch an keinem der beiden Tage.
Direkt nach „Vollmond“ rückt Pymonte wieder für einen kurzen Augenblick in den Mittelpunkt des Geschehens. Mit einer Art Alpenhorn, dass goldig und wunderschön verziert im Scheinwerferlicht funkelt und locker eine Länge von zwei Metern erreicht, erzeugt Py die dumpfen Töne, die „Unsichtbar“ einleiten. Der Titel von „Sterneneisen“ der mit Mille, dem Sänger der Kult-Thrash Metal Band Kreator eingesungen wurde, haut mächtig rein. Die Töne rutschen alle noch ein Etage tiefer und der Song „Unsichtbar“ rockt gewaltig. Insgesamt scheinen die Stücke des neuen Albums jedoch nicht ganz so gut anzukommen, wie alle anderen älteren Titel. Das ändert sich an Tag zwei ein wenig. Die Fans scheinen insgesamt offener und party-wütiger zu sein und reagieren dementsprechend besser auf jedes der Lieder der Setlist.

Von der Leinwand werden während des gesamten Auftritts passende Bilder eingeblendet. Bei „Zigeunerskat“  sind das zum Beispiel Spielkarten. Die passenden Bilder wechseln immer wieder mit Liveaufnahmen des Geschehens von der Bühne ab. So können auch die kleinen Menschen, die in mitten der Fanmenge stehen hin und wieder etwas mehr von der Band zu Gesicht bekommen.

Ein Lied, das auf der letzten Tour nicht im Set vorhanden war ist „Horizont“. Auf der Leinwand werden Teile des Videos von diesem Stück projiziert und die Textsicherheit der Fans ist gewiss.

Einen ganz entscheidenden Unterschied gibt es. „Heute ist der 06. April, richtig?“, erkundigt sich Micha. Genau heute, vor einem Jahr hat Specki den Vertrag bei In Extremo unterschrieben, und hat sich in dieser Zeit wunderbar in die Band integriert und macht einen hervorragenden Job. Dafür bekommt er auch einen ordentlichen Applaus, den er sich redlich verdient hat.

„Herr Mannelig“ wird von van Lange mit einem schicken Gitarrensolo gespickt und der obligatorische Zauberspruch ist auf dieser Tour der aktuelle „Zauberspruch Nummer 7“.  Beim Tourauftakt fordern die Fans nach etwas altem Material und rufen laut „Spielmannsfluch“ im Chor. Micha kann jedoch beruhigen und weist darauf hin, dass er später noch folgen wird.

Die gesamten beiden Gigs hindurch jagt ein Feuerwall den nächsten. Die Pyros werden auch auf der „Sterneneisen“-Tour wieder ganz groß geschrieben. In den ersten Reihen wird es dementsprechend heiß und Micha fordert am ausverkauften Donnerstag die Securitys dazu auf, Wasser für die Fans zu besorgen. Da diese ihre Plätze jedoch nicht verlassen können, kommen ungefähr zwei Lieder später Mitarbeiter des E-Werks mit Eimern und Pappbechern, um den brenneden Durst der Fans ein wenig zu löschen.

Am zweiten Tag der Tour sind nicht nur restlos alle besser drauf, sondern anscheinend auch schon um einiges sicherer. Micha fühlt sich dabei wohl ein wenig zu sicher und blickt nicht mehr ganz so häufig auf die durchaus hilfreiche Setlist. So kommt es, dass er sich im Laufe des Sets gleich zweimal in der Reihenfolge vertut. Das ist jedoch überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, es sorgt für erheitertes Schmunzeln und macht ihn nur noch sympathischer. Selbstsicher kündigt Micha den folgenden Titel an „Das nächste Lied heißt „Stalker“! Oder doch nicht? „Siehst du das Licht“ ist es!“. „Sieht du das Licht“ lässt einmal mehr den Blick von der Bühne in Richtung Galerie schweifen. Dort tummeln sich hunderte kleiner, weißer Lichterpunkte, die eine ganz besondere Atmosphäre hervorzaubern.

Auch die Konversationen zwischen Fans und Band sind heute gänzlich anders. Während Micha anmerkt, dass es ihm wirklich viel Spaß macht heute in Köln zu spielen, lässt er die Mitarbeiter loben, die das Wasser heran geschafft haben. Sofort fangen die Fans lauthals „Oh wie ist das schön!“ zu singen und bringen damit nicht nur In Extremo zum lachen. Micha entgegnet kurz darauf „Wir wissen das sehr zu schätzen! Wirklich!“.
„Spielmannsfluch“ ist an beiden Tagen das letzte Lied, bevor die Band die Bühne verlässt. Insbesondere am Donnerstag wird „Spielmannsfluch“ in einer gewaltigen Lautstärke mitgesungen und wird auch dann noch gesungen, als die In Extremo schon längst die Bühne verlassen haben.

Als Micha am 07. April die erste Zugabe ankündigen will, beginnt er lang und breit auszuschweifen und berichtet von den üblichen „Viva La Vida“ Geschichte. „Shit! Ich habe mich wieder vertan!“, aber auch das folgende Lied ist aus dem Leben gegriffen. Da bleibt wohl nur zu sagen: „Viva La Vida“, so ist das Leben. Das Lied scheint im jeden Fall ein neuer Klassiker von In Extremo zu werden. „Viva La Vida“ ist ein richtiger Gassenhauer und lässt gar keine andere Wahl als ihn einfach nur gewaltig zu feiern.
Für den Titel „Gold“ verlässt Pymonte für einen kurzen Moment die Bühne. Mit einer goldenen Schublade kommt er zurück. Diese ist gefüllt mit tausenden goldenen Plastikschnipseln, die er breit grinsend durch die Gegend wirft, bevor er letztendlich den gesamten restlichen Inhalt der Schubkarre über sich selber auskippt. Ein Bild für die Götter.

Voller Gefühl und mit Tatkräftiger, stimmlicher Unterstützung der Fans folgen noch die beiden Klassiker „Rasend Herz“ und „Küss mich“, die auf keinem Konzert von In Extremo fehlen dürfen, bevor die beiden Abende in Köln mit „Omnia Sol Temperat“ beendet werden.

Der Tourauftakt und der zweite Tag der „Sterneneisen“-Tour waren grandios. Fiddler’s Green und In Extremo sind ein wunderbares Gespann und die beiden Abende haben ganz offensichtlich sowohl der Band als auch den Fans eine Menge Freude bereitet. Als Schlusswort soll der Satz hier stehen, mit der Micha „Auf’s Leben“ angekündigt hat. „Das Leben ist schön! Es lohnt sich!“

Setlist
1.    Sterneneisen
2.    Frei zu sein
3.    Liam
4.    Erdbeermund
5.    Zigeunerskat
6.    Vollmond
7.    Unsichtbar
8.    Herr Mannelig
9.    Horizont
10.    Zauberspruch
11.    Siehst du das Licht
12.    Stalker
13.    In diesem Licht
14.    Ave Maria
15.    Hol die Sterne
16.    Spielmannsfluch
17.    Rotes Haar
18.    Viva La Vida
19.    Sängerkrieg
20.    Auf’s Leben
21.    Gold
22.    Rasend Herz
23.    Küss mich
24.    Omnia Sol Temperat

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