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HORSE The Band im Konzert (Bochum 2008)

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Stell dir vor, die bekloppteste Band dieses Planeten lädt zur Welttournee und keiner geht hin. Diese Annahme bleibt zum Glück rein spekulativer Natur, denn "HORSE The Band" wurden sehnlichst in der "Matrix" in Bochum erwartet. Ich finde nach wie vor diesen Club so unterirdisch schlecht, dass ich ihn mittlerweile in keiner Form mehr erwähnen möchte, aber erstmal muss dieser Scheißladen gefunden werden, war nämlich schon eine Zeit her, dass dort 'ne anständige Band lief.

Nach einigem Herumirren in Bochum Langendreer und einigen falschen Auskünften seitens der Zivilbevölkerung treffe ich doch noch ein und mache zwei erschreckende Erfahrungen: Erstens ist es voll, verdammt voll. Hätte nicht gedacht, dass meine kleine Band so groß geworden ist. Zweitens bin ich wohl, von den mitgereisten Amerikanern, die "HORSE" auf der ganzen Tour begleiten abgesehen, einer der ältesten Typen im Publikum; alles nur Gymnasiasten und ihre Freundinnen. Das Zuschauerbild ist ziemlich bunt gemischt, aber doch eher alternativ.

Als um 20 Uhr die Türen aufgehen, macht man es sich erstmal in der ersten Reihe auf der Bühne bequem (das Nichtvorhandensein von Wellenbrechern ist doch was Schönes) und erwartet das Erscheinen der insgesamt drei Vorbands.

 

Die erste Band, die nichtmal einen Linecheck braucht, sind "Chief Inspector Dreyfus" und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sie sich nur für diesen einen Gig spontan gegründet haben. Es ist eine dieser Bands, bei denen der Anspruch, in irgendeiner Form lustig zu sein, qualitativ guter und begeisternder Musik vorgezogen wird.

Außer Blastbeats und Spesen ist bei den Jungs und den zwei Mädels mit Mäusestimmchen nichts gewesen und glücklicherweise ist die Katzenmusik nach 20 Minuten schon zuende (gut, dass ich alleine auf dem Konzert war, sonst müsste ich mich wohl für diese Band rechtfertigen...).

Die Band danach beweist nicht nur mit Aronofskis "Pi", der auf der Videoleinwand läuft, einen ausgezeichneten Filmgeschmack, sondern könnten sowohl altersmäßig als auch von der musikalischen Reife her, durchaus "Dreyfus" Eltern sein: Es handelt sich um "Mulholland Drive" aus meiner Heimatstadt Dortmund.

Diese vier Jungs von der Antifa spielen ein solide groovendes Hardcore-Brett mit deutlichem Alternativerock Einschlag und können durchaus zum Kopfnicken animieren, obwohl ich noch nie einen Song von ihnen vorher gehört habe. Die Truppe mit der insgsamt längsten Vorband-Spielzeit (ich schätze mal, dass sie nur aus ökonomischen Gründen nicht die letzte Vorband gewesen waren, da "Hanni Kohl" gänzlich ohne Drumset auskamen) bieten eine recht eingängige, aber dennoch angenehm brutale Mischung und ihr Sänger gab sich publikumsnah und sympathisch, auch wenn er die Band insgesamt dreimal vorstellte.

Die letzte Vorband waren eben jene "Hanni Kohl" und was man bei einer Band mit Songs wie "Chuck Norris" oder "Scheiß Sozi" erwarten kann, dürfte doch wohl klar sein: Die vier Lünener mit Drumsamples aus der Dose spielen eine durchgeknallte Electronicore-Mischung, die insbesondere beim zweimal gespielten "Chuck Norris" sehr gut ankommt. Ohne "HORSE" gäbe es auch sicherlich keine "Hanni", aber mir gefällt dennoch ihre Version auch ganz gut.

 

Dann folgt die längere Umbauphase, in der die einzelnen "HORSE"-Mitglieder bereits wie Götter aufgenommen, aber ihnen trotzdem nur einen Bruchteil der späteren Euphorie zuteil wurde. Dieses Publikum ist krank: Als dann mit einem militärischen Snarerhythmus geöffnet wurde und Shouter Nathan (ein Gesicht wie eine Landkarte, man sieht ihm die Welttournee deutlich an) mit Bier und ultimativer Nullbock-Miene die Bretter betritt, gibt es kein Halten mehr.

"Birdo" heißt der erste Song und die Meute ging von null auf INSANE in wenigen Sekunden; ich kenne kaum eine andere Independant Band, die eine so ergebene Fanbase hat. Es wurde zwar nicht gepogt, aber insbesondere bei den beliebteren Songs wie "Bunnies", "Murder", "Lord Gold Throneroom" oder "Million Of Exploding Suns" im Sekundentakt gestagedivet; manch ungeschickter Stagediver tritt gerne mal in seine Mitbesucher, aber insgesamt geht es doch recht fair zu.

Der Sound war für "Matrix" Verhältnisse okay, obwohl das Keyboard noch deutlich höher gepegelt werden sollte, um dem CD-Sound näherzukommen.

Ein besonderes Lob gebührt aber nach wie vor Nathan: Ein Frontman, den man, was Publikumsnähe anbelangt, ohne weiteres mit Phil Anselmo auf eine Stufe stellen kann, seine Sprüche bezüglich manchem Konzertbesucher und dem Geburtstag von Aushilfsdrummer John (der übrigens eine Technik der Extraklasse vorweisen konnte) waren einfach nur zum Brüllen komisch. Zusammen mit Bassist Dash Arkenstone - übrigens der Sohn von Soundgenie David Arkenstone - sind die Beiden ein fast bis zum Zusammenbruch geladener Energiepol, den selbst ihre Förderer "Dillinger Escape Plan" nicht überbieten können.

Die Setlist läuft erwartungsgemäß eine knappe Stunde: Als es zum Ende hin geht, wurde der Kracher "Cutsman" angekündigt und einige Gäste betraten die Bühne: Zum einen das "Team Cutsman", eine Gruppe höchstwarscheinlich gut betankter Amis, die alle, wie Nathan auch, das ultrapeinliche "Cutsman"-Bauchfreishirt für Männer spazieren tragen. Der zweite Gast ist ein junges Mädchen, das ein wenig mitsingt und zu dem mir die mitgereiste Merchandiserin neben mir stolz verkündet: "Thats my daughter."

Um mir einen reibungslosen und möglichst schnellen Exit aus der "Matrix" zu ermöglichen, trete ich die Flucht nach vorne an und werde auf der Bühne bereits freundlich von Nathan begrüßt, singe ein paar Zeilen mit und lasse mich wegtragen.

Zum Abschluss gab es noch ein besonderes Vergnügen für die Ohren mit "Sex Raptor", bei dem alle Barrikaden brachen sich die Bühne zusehends mit der Band ; nett, aber ich hätte mit "Cutsman" aufgehört.

 

Ein paar blaue Flecken, eine geile Erfahrung und genügend Körperkontakt für die nächsten Jahre reicher verlasse ich diesen unwirtlichen Ort, nachdem ich mir ein neues "HTB"-Shirt im 80er Look gekauft habe, um nicht völlig verschwitzt nach Hause zu kommen.

UND: Seid die Ersten, die dir großartige Nachricht erfahren dürfen: Es ist ein komplett neuer, von den Machern unterstützter "Earthworm Jim"-Kinofilm in der Mache, der bald erscheinen soll!

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