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Helloween, Stratovarius, Pink Cream 69 im Konzert (Hamburg, Februar 2011)

Ein sehr unterhaltsamer Abend mit drei tollen Bands

Helloween

Nach einer tierisch langen Umbauphase von einer guten Dreiviertelstunde (das komplette Schlagzeug-Kit der beiden Vorbands wird abgebaut und durch ein anderes, das etwas weiter hinten auf ein höheres Podest gehievt wird, ersetzt), betritt dann gegen 22:20 endlich der Headliner die Bretter, nachdem zuvor als eine Art Intro AC/DCs „For Those About To Rock“ erklang. Sofort lässt sich zweierlei konstatieren: Der Sound ist im Vergleich zu den beiden Supportacts zunächst viel schlechter (der Bass dröhnt viel zu laut und verursacht damit einen Klangbrei) und Michael Weikath hat es immer noch nicht geschafft, mit dem Rauchen aufzuhören. Mit brennender Kippe im Mundwinkel, die er nach dem Aufrauchen in den Graben spuckt, stiefelt er gemeinsam mit seinen Kollegen auf die Bühne und jeder Raucher im Saal dürfte sich angesichts des eigentlich vorherrschenden Quarzverbots diebisch darüber freuen – was sollen Security, Gesundheitsfanatiker oder wer auch immer schon dagegen machen; von der Bühne schmeißen können sie die Band kaum.

Man startet standesgemäß mit „Are You Metal?“ vom neuen Album „7 Sinners“ und da sich natürlich niemand im Docks vorwerfen lassen will, nicht Metal zu sein, gehen die Pommesgabeln sogleich in die Höhe – und beim anschließenden Klassiker „Eagle Fly Free“ steigt das Stimmungsbarometer noch ein gutes Stück weiter nach oben. Bei diesem Track, bei dem es einige verdammt hohe Gesangspassagen zu meistern gilt (wobei das wohl für so gut wie jeden Song, den im Original Michael Kiske eingesungen hat, gelten dürfte), zeigt sich, dass sich Andi im Gegensatz zu seinem Kollegen Timo Kotipelto offenbar gut erholt hat – seine Leistung ist nahezu makellos und die hohen Schreie kriegt er völlig problemlos raus.

Anschließend wird ein kurzes Päuschen eingelegt, damit Andi erst einmal die Leute begrüßen kann. Der Kerl ist so was von sympathisch und einfach ein brillanter Entertainer – alleine mit seinen Ansagen könnte man diesen Konzertbericht komplett füllen; in dieser Hinsicht ist er doch etwas kreativer und unterhaltsamer als David Readman und Timo Kotipelto. „Es ist gut, wieder hier zu sein“, erklärt Deris, „der Markus, der ja selbst in Hamburg wohnt, hat schon gesagt, wenn wir auf dieser Tour nicht hierher kommen, werden die mich steinigen, wenn sie mir mal auf der Straße begegnen. Und mich habt ihr ja auch schon als Fischkopp adoptiert.“

Und mit den folgenden Worten macht er sämtliche Anwesenden ganz kribbelig, da „March Of Time“ ansteht, und derjenige, der dieses Stück geschrieben hat, laut dem Sänger später noch auf die Bühne kommen soll – na, das ist doch ein Statement, schließlich weiß wohl jeder Kürbiskopf-Anhänger, dass jener Track aus der Feder von Ex-Bandmitglied Kai Hansen stammt. So unwahrscheinlich wäre es nicht, wo der Gamma Ray-Chef doch selbst ebenfalls in der Freien und Hansestadt ansässig ist.
Deris’ Versprechen motiviert die Leute natürlich noch zusätzlich, den Chorus von „March Of Time“ nur umso lauter mitzuschmettern, und zum Glück hat mittlerweile auch der Soundmensch die richtige Mischung gefunden und man kann Helloween endlich mit einem vernünftigen Klang genießen. Alle sind voll dabei und zwischen den Songs werden immer wieder die berühmten „Happy, happy Halloween“-Sprechchöre intoniert.

Die Setlist ist insgesamt okay, von der neuen Scheibe werden neben „Are You Metal?“ mit „Where The Sinners Go“ und „World Of Fantasy“ noch zwei weitere Songs in die Massen gefeuert und mit „A Handful Of Pain“ von „Better Than Raw“ hat man sogar einen Überraschungstrack auf der Pfanne – ansonsten wird natürlich viel altes Zeug von den beiden „Keeper“-Alben dargeboten. Das mag nicht sonderlich einfallsreich sein, aber das ist es nun mal, was die Leute immer wieder hören wollen und zweifellos machen „I’m Alive“, „I Want Out“, „Future World“ oder „Dr. Stein“ auch immer wieder Laune.

Dennoch ist es ein bisschen schade, dass die Band selbst die „Dark Ride“-Platte nicht mehr so richtig mag und gar nichts mehr davon spielt und vom ebenfalls großartigen „The Time Of The Oath“ hätte es vielleicht nicht unbedingt „Forever And One (Neverland)“ sein müssen, da wäre beispielsweise der fette, düstere Titelsong geiler gewesen. Immerhin aber präsentiert man diese schon recht schmalzige Ballade im Akustikgewand, das bringt zumindest ein wenig Abwechslung. Hierfür nehmen Andi und Sascha Gerstner (der sich ein paar Stücke zuvor noch mit einem ganz netten Gitarrensolo in den Vordergrund spielen durfte) auf zwei extra bereitgestellten Stühlen Platz und performen das Stück nur zu zweit, während der Rest der Truppe sich erst einmal eine kleine Pause gönnen darf – jetzt kann Weiki also endlich wieder eine rauchen gehen...
„Nehmt eure Else in den Arm und wenn ihr gerade keine habt, nehmt einfach irgendeine, die gerade in der Nähe steht, ich wette, bei dem Song hat die nix dagegen“, lautet Andis augenzwinkernde Ansage zu „Forever And One“, bei dem zahlreich aufblitzende kleine Flämmchen zeigen, dass Feuerzeuge zücken bei Balladen anscheinend doch noch nicht ganz out ist.

Hach ja, es ist immer wieder schön zu sehen und zu hören, was die Herren neben ihren musikalischen Qualitäten auch an Stand-up-Comedy draufhaben. Das Highlight des Konzerts wird ebenfalls sehr amüsant eingeläutet: „Ich muss euch eine Geschichte erzählen“, sagt Deris. „Bei den Songs der ,Keeper’-Saga, also ,Keeper Of The Seven Keys’, ,Halloween’ und ,King For A 1000 Years’, sind wir uns immer etwas uneins, welchen wir spielen sollen – am liebsten würden wir ja alle spielen...“ – „Na, dann macht doch!“, brüllt einer der Zuschauer nach vorne, woraufhin Weiki einfällt: „Jetzt lass den Andi doch mal seine Geschichte erzählen, Mensch!“, was konsequenterweise die nächsten Lacher auslöst. Der Helloween-Mitbegründer ist schon ein kauziger Typ, zumal er beim Spielen durch allerlei Verrenkungen der rechten Hand auffällt, immer nachdem er die Saiten angeschlagen hat.

Da diese drei Stücke zusammen gute 45 Minuten ausmachen würden, was etwas zu lang wäre, habe man kurzerhand beschlossen, einfach ein „Keeper“-Medley daraus zu basteln, damit letztlich alle zufrieden seien. Das ist in der Tat eine gute Idee und so werden den Fans in der folgenden Viertelstunde sämtliche Höhepunkte der drei Epen geboten, wobei logischerweise besonders der Chorus von „Keeper Of The Seven Keys“ aus voller Kehle mitgesungen wird, während bei den spektakulären Soloduellen von Sascha Gerstner und Michael Weikath alle Augen auf die Flitzefinger der Gitarreros gerichtet sind. Die beiden haben jedenfalls ihre Freude dran, wie es aussieht – Gerstner grinst sich einen, während Weiki Grimassen schneidet.

Bei „I Want Out“, dem letzten Song vor der Zugabe-Sektion, macht Deris sich dann einen Jux daraus, das Publikum so schnell wie möglich das Wort „out“ schreien zu lassen, nachdem er „I want...“ gesungen hat; außerdem hat auch er eine ziemliche Lust auf Nikotin entwickelt, indem er verkündet: „Scheiße, würde ich jetzt gerne eine rauchen – aber na ja... die Stimmbänder“ – was dazu führt, dass prompt eine Zigarette aus dem Zuschauerraum auf die Bühne fliegt. Und der Spaß hört nicht auf im Hause Helloween: Als die Band für die erste Zugabe „Future World“ erneut das Parkett betritt, tatsächlich wie versprochen verstärkt durch Kai Hansen an der dritten Gitarre, was erwartungsgemäß Riesenjubel auslöst, verschaukelt Andi die Rhythmusfraktion. Zu Bassist Markus Großkopf sagt er: „Du willst mich hier verarschen und spielst hier dick mit einem fünfsaitigen Bass auf – dabei weiß jeder, dass man für ,Future World’ nur drei Saiten braucht.“ Doch Drummer Dani Löble wird noch fieser durch den Kakao gezogen: „Diese Pussy hat Ohrstöpsel drin, der hört nix“, erklärt Deris und gibt eine Episode zum Besten, bei der der Schlagzeuger den besten Scotch des Sängers mit Cola vermischt habe – ein empörendes Sakrileg, selbstredend! „Habt ihr auch Freunde, die so was machen? Da will man demjenigen doch einfach nur in die Fresse hauen!“ – Nun, unserem ehemaligen The-Pit.de-Mitarbeiter Frank Heise spricht der gute Andi bestimmt aus der Seele!

Mit „Dr. Stein“, bei dem als letztes Gimmick aufblasbare Kürbisse ins Publikum geworfen werden, die die Leute gierig an sich reißen, geht anschließend ein sehr unterhaltsamer und geiler Konzertabend um Punkt Mitternacht zu Ende. Alle drei Bands waren klasse, der Sound stimmte und Helloween sieht man sich in dieser Form und schon allein wegen des stets lustig aufgelegten Andi Deris immer wieder gerne an.     

Setlist:

Are You Metal?
Eagle Fly Free
March Of Time
Guitar Solo (Sascha Gerstner)
Where The Sinners Go
World Of Fantasy
Drum Solo
I’m Alive
Forever And One (Neverland)
A Handful Of Pain
Medley: Keeper Of The Seven Keys/King For A 1000 Years/Halloween
I Want Out
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Future World (mit Kai Hansen)
Dr. Stein (mit Kai Hansen)

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