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Hellflame Festival 2006

Zum Thema

Vorab möchte ich mich entschuldigen, dass die Bilder nur mit einem Handy aufgenommen wurden, aber dafür ist die Qualität (trotz fehlendem Fotograben) ja schon ganz ordentlich, wie ich finde (ein Dank dafür an Eike Lübbermann).

 

In Georgsmarienhütte kommen wir eine gute halbe Stunde vor der ersten Band Adversus an und der Parkplatz vor dem Eventcenter ist bereits gut gefüllt. Da stehen die Metalheads an der Pommesbude oder am Bierstand (ein Biergarten ist das trotz der 3 Bänke nicht, liebe Veranstalter) und ein, zwei Wohnwagen kann ich auch erspähen. Einige machen es sich sogar auf Campingmöbeln bequem, was verdeutlicht, dass die Open-Air Saison noch nicht allzu lang vorbei ist. Innerhalb der nächsten Stunden wird sich die Besucherzahl stetig erhöhen, ohne einen bestimmten Pegel zu überschreiten. So soll es doch sein! Aber nun endlich zur Musik.

 

 

 

Der Bühnenaufbau von Adversus irritiert. Und das gewaltig! Wenn man bedenkt, welche brutalen Bands da heute auf dem Billing stehen, überrascht der Anblick von Cello und Geige, die schon bereit stehen, doch sehr. Einer der Verkäufer am Merchandisestand warnt mich auch schon vor der 8köpfigen Truppe. Die Jungs und Mädels werden wohl einen schweren Stand haben. Und so kommt es auch, dass sich nur sehr wenige Leute diese zahnlose Version von Eisregen antun (die ich auch nicht toll finde, aber das nur nebenbei). Zusätzlich zum bösen Gekeife, ich kann es nicht anders sagen, trällert noch eine Sängerin den Zuhörern die Füllung aus dem Gebiss. Zugute halten kann man Adversus aber wenigstens ihr Engagement, auch vor diesem völlig falschen Publikum eine gute Show abzuliefern. Leider unterzeichnet sie damit quasi ihr Todesurteil, da auch die wenigen Interessenten keine Stimmung aufbauen können. „Der nächste Song ist ein romantischer, denn auch Mettler brauchen Liebe!“, lautet eine der Ansagen. „NÄ!“, kommt als prompte Antwort von jenem Verkäufer durch die erschreckend ruhige (und leere) Halle. Adversus, was habt ihr verbrochen, dass ihr hier auftreten musstet? Langweiliger Gothic-Kitsch mit fürchterlich austauschbaren Texten, quasi eine Art „Melancholie nach Zahlen“, wenn nachher noch Unleashed, 1349 oder Marduk kommen?!? Ich glaube nicht, Tim!

 

 

 

Danach steht schon die erste Vollbedienung an und nicht wenige sind wegen 1349 hier, die mit Verspätung und noch dazu mit einem üblem Sound starten. Gesang hört man gar keinen und der Rest versinkt in einer ohrenbetäubenden Symphonie aus Lautstärke und Feedback. Die Menge reagiert verständlicherweise verhalten und hat keine Möglichkeit das eigentlich gute Zusammenspiel zu honorieren. Schade drum, denn die ersten Songs sind gar nicht so schnell, wie ich es erwartet hatte und wirken zumindest sehr gut. Glücklicherweise verdient sich der Mann am Mischpult ein Geld dann doch noch und lenkt den Sound der Band in die richtigen Bahnen. Parallel dazu kocht die Stimmung langsam über und die Qualität offenbart sich selbst Banausen wie mir. Alleine die Art, wie Frost präzise wie ein Uhrwerk sein Kit bearbeitet, lässt mir das Kinn herunterklappen. Aber noch etwas ist mittlerweile unglaublich: Die Lautstärke hat wohl den höchstmöglichen Pegel erreicht, was speziell das Drumming wie Gewehrkugeln in die Gehörgänge feuert. Und genau das haben die Fans wohl erwartet. Guter Auftritt.

 

 

 

 

Auf Necrophobic hatte ich mich schon gefreut, da mir das letzte Album gut gefallen hat. Von eben jenem stammen natürlich das Intro „The slaughter of Baby Jesus“ (ein selten dämlicher Titel übrigens) und der Opener „Blinded by light, enlightened by darkness“. Die Geräuschpegel ist wieder merklich gesunken, was nach dem Inferno von 1349 ganz angenehm ist. Leider ist die Leadgitarre zu leise und auch die Anzahl der Zuschauer hat sich gegenüber 1349 merklich verringert. Diese erfreuen sich aber an einem guten Auftritt der Schweden, welcher mit „Act of rebellion“ sogar eine Deutschlandpremiere beinhaltet. Objektiv gesehen muss man aber erwähnen, dass Necrophobic anscheinend nur 3 verschiedene Gesangslinien haben und diese lediglich immer neu zusammenbasteln. Ein wirklicher Volltreffer verbirgt sich in der Setlist leider nicht. „Spawned by evil“ kommt dem noch am nächsten. Aber was solls, den Fans gefällts, die Band ist gut drauf und der Sound ist auch im grünen Bereich. „Nailing the holy one“ (diese Namen sind echt der Hit!) wird noch dem verstorbenen Jon Nödtveidt gewidmet und Necrophobic haben mich zumindest nicht enttäuscht.

 

 

 

Wären Adversus nicht gewesen, Wintersun würden am ehesten aus dem Billing heraus stechen. Wie man an den T-Shirts sieht, haben sie aber dennoch eine kleine Fangemeinde „mitgebracht“ und viele andere stehen zumindest weiter hinten, um sich die Band mal anzusehen. Machen wir es kurz: Die Setlist ist komplett identisch mit dem Gig in Wacken, den ich an entsprechender Stelle beschrieben habe. Ist der Auftritt nun besser? Ja, auf jeden Fall, denn einige kleine Dinge runden alles perfekt ab. Jari selbst (stilvoll im „Exodus“ Shirt) ist wieder extrem gut gelaunt und spielt ebenso. Was beeindruckt ist die Wandlung seiner Begleiter! Standen diese in Wacken noch stocksteif auf der Bühne und tauten nur langsam auf, so ist hier gleich von Beginn Vollgas angesagt. Vielleicht liegen ihnen kleine Bühnen auch besser. Da wird wild umher gerannt, die Matte geschüttelt und der Drummer knüppelt sich stellenweise in Frost-Dimensionen. Lustigerweise tut er das auch am Ende vom eher behäbigen „Sleeping stars“, als er kurzzeitig aus dem Takt kommt. Seine Mitstreiter sind durch diesen kleinen Spaß sichtlich verwirrt und finden vor lachen kaum wieder in den Song. „Death and the healing“gibt dann einem einsamen McDonald's Ballon die Möglichkeit ein wenig Crowdsurfer zu spielen. Ein super Auftritt, daran ändern auch die zwei volltrunkenen Skater (?) im Publikum nichts, die einfach nur die Leute nerven. Egal, Trottel gibt es leider überall.

 

God Dethroned verpasse ich leider größtenteils, da sich der Besuch beim oben erwähnten Fast Food „Restaurant“ ziemlich hinzieht. Aber witzig sah sie aus, diese Mischung aus Kleinfamilien und Metallern. Zurück in der Halle bekomme ich noch mit, dass die Jungs sich nicht über fehlenden Andrang beklagen können. Die Band bedankt sich mit einem guten Auftritt, der wohl ordentlich Stimmung gemacht hat. Von den, an die frische Luft strömenden Fans sind jedenfalls viele stark verschwitzt.

 

Weiter geht es in die Vollen mit Marduk, was eher Oles Gebiet wäre, aber der ist nunmal nicht hier. Zuletzt hab ich die Band 2004, als Sänger Mortuus gerade seinen Vorgänger Legion ersetzt hatte. Offensichtlich ist er in seine Rolle hereingewachsen, denn er wirkt heute wesentlich vitaler als damals. Als kleines optisches Gimmick trägt er übrigens ein dickes umgedrehtes Kreuz um sein Handgelenk, mit dem er wild herumfuchtelt. „With Satan and victorious weapons“ wird von der Band giftig herausgerotzt und Marduk haben die Menge fest im Griff. Die Soundprobleme scheinen endgültig überwunden zu sein, was bei der extremen Geschwindigkeit Marduks auch sehr gut ist. Genau hier liegt aber auch das Problem des Auftritts, denn die Band donnert wie ein ICE durch den Set. Ein wenig Auflockerung könnte nicht schaden, passende Songs dafür hat die Band genug. „Jesus Christ sodomized“ vermisse ich beispielsweise schmerzlich. Zum Ende hin stimmt die Mischung aber und alleine die Ansage von „Panzer division Marduk“ erzeugt Gänsehaut. Wie gesagt, ein wenig Auflockerung wäre nicht schlecht, aber Marduk sind eine erstklassige Liveband.

 

 

 

Nachfolgend erstmal die Unleashed Setlist:

 

1.Winterland

2.To Asgard we fly

3.I don't want to be born

4.Death Metal victory

5.Into glory ride

6.The longships are coming

7.Destruction (of the race of men)

8.Never ending hate

9.In the name of God

10.Before creation of time

 

Noch Fragen? Was soll ich denn noch sagen? Dass der Auftritt einfach phänomenal war? Dass die Fans Unleashed aus der Hand gefressen haben? Dass hier einfach die Chefs im „Hause Viking“ auf der Bühne standen? Oder das auch der der Ersatzdrummer perfekte Arbeit geleistet hat ? Oder vielleicht, dass zu aufdringliche Stagediver auch gerne mal den Inhalt des Trinkhorns abbekommen?

Nein? Dachte ich es mir doch.

 

Danach muss ich leider Abschied nehmen und Gorefest verpassen, weil ich mir meine Rückfahrgelegenheit nicht nehmen lassen und in Osnabrück übernachten wollte. Aber ich bin mir sicher, dass auch sie das hohe Niveau der Veranstaltung gehalten haben, welches nur einen Totalabsturz hatte. Für das nächste Jahr wurden übrigens schon Gorgoroth bestätigt. Zum Abscheid noch ein Dank an Wintersun für das Foto, auch wenn Jari mir beim nächsten Mal bitte nicht sein Bier ins Auge sticht.

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