Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Ghost, The Oath im Konzert (Hamburg, November 2013)

Satanismus und Spaß dabei

Riefen zur satanischen Messe: Papa Emeritus II. und seine Ghoul-Horde

Zum Thema

Ghost

Wer die Schweden schon einmal live gesehen hat, wird wahrscheinlich nicht so überrascht davon sein, dass einem beim Betreten der Halle, wenn man zwischendurch mal draußen war, um der Nikotinsucht zu frönen oder sich zu erleichtern, ein süßlicher Duft von Weihrauch entgegenschlägt. Ghost geben sich sichtlich Mühe, die angemessene Atmosphäre für den bevorstehenden Gig zu schaffen, was gleichsam durch die sakralen Gesänge, die aus den Boxen tönen, gewährleistet wird. Die Voraussetzungen für die kommende (Schwarze) Messe sind also geschaffen, die Vorfreude ist allen Anwesenden sichtlich anzumerken – wann hat man sich wohl zuletzt so auf eine Messe gefreut?

Kurz nach neun stolzieren dann Papa Emeritus II. und die namenlosen Ghouls auf die Bühne und legen mit dem Doppelschlag „Infestissumam“/ „Per Aspera Ad Inferi“ vom aktuellen Album los. Satan sei Dank ist der Sound um Welten besser als noch bei The Oath, was jedoch auch keine große Kunst darstellt. Vor allem die Gitarren könnten zwar deutlich mehr Schmackes vertragen (besonders die Lead-Gitarre; die Soli beispielsweise bei „Ritual“ oder „Jigolo Har Megiddo“ sind viel zu leise, was dann natürlich schon schade ist), alles in allem aber geht das in Ordnung.

Bei zwei Alben, die beide noch und nöcher mit Hits vollgestopft sind, kann die Combo amtlich aus dem Vollen schöpfen und tatsächlich können bei der großartigen Setlist kaum Wünsche offen bleiben: „Opus Eponymous“ und „Infestissumam“ sind mit jeweils sieben Tracks vertreten, hinzu kommen zwei Cover, die ebenfalls bereits als Studioversionen veröffentlicht wurden. Die Idee, das Beatles-Stück „Here Comes The Sun“ als langsame Variante in Moll darzubieten hat schon was, wobei Ghost den Titel eher als die Ankunft des Leibhaftigen interpretieren – schließlich gilt Luzifer auch als Lichtbringer.

Dennoch dürften wohl die wenigsten der Zuschauer vor Ort die satanische Botschaft ernstnehmen, dazu hört man zwischendurch zu viele ironische „Satan!“- oder auch „Papa!“-Rufe, doch dass die Band in erster Linie unterhalten will, zeigt sich ja schon an den zum Großteil äußerst plakativen und daher eher komisch wirkenden Lyrics. Unterhaltung pur wird aber in jedem Fall geboten: Besonders in den ersten Reihen zeigt man sich textsicher, bangt kräftig und reißt die Pommesgabeln in die Höhe; ein paar im Papa-Emeritus-Stil geschminkte Leute (von denen einer während der Show genüsslich einen Joint pafft) haben sich außerdem unters Volk gemischt.

Ähnlich wie Johanna von The Oath redet auch der Ghost-Fronter eher wenig, sondern lässt lieber seinen so herrlich süffisanten, spöttischen Gesang auf die Massen los, gestikuliert in Manier eines Predigers und stakst hin und wieder auch an die Seiten der Bühne – soweit dies sein schweres Gewand zulässt. Die Performance ist völlig tadellos, vor allem wenn man bedenkt, dass die Kerle unter ihren Masken und Klamotten, zusätzlich im Scheinwerferlicht stehend, bestimmt schwitzen wie die Schweine.

Kollektives Ausflippen und Mitsingen ist vor allem bei den megaeingängigen Ohrwürmern „Stand By Him“, „Ritual“, „Elizabeth“ und dem doomigen Düsterbrocken „Death Knell“ angesagt – aber im Prinzip wird ohnehin alles abgefeiert und dem „bösen Papst“ quasi aus der Hand gefressen. Satanismus und Spaß dabei; egal ob Black Metaller, Gothic-Chick oder Altrocker – das bunt gemischte Publikum macht einfach richtig schön Party, auch wenn der Laden nicht ganz ausverkauft ist, was angesichts des akuten Erfolges der Band, den sie sich durch exzessives Touren auch redlich verdient hat, vielleicht sogar ein wenig überrascht.

Sehr erfreulich, dass auch das geile Instrumental „Genesis“ einen Platz auf der Setlist gefunden hat, doch mit „Ghuleh/ Zombie Queen“ und dem mit seinen Sing-alongs sich logischerweise perfekt als Rausschmeißer eignenden „Monstrance Clock“ haben die Skandinavier sich die beiden vielleicht besten Stücke von „Infestissumam“ für den Schluss aufbewahrt. Schon skurril, wie der ganze Saal aus vollem Hals „Come together, together as one/ Come together for Lucifer’s son“ intoniert, aber wie erwähnt: Bierernst nimmt das eh keiner, das Entertainment (plus Anpissen von religiösen Leuten) steht im Vordergrund.

Danach gehen die Lichter wieder an und nach insgesamt 16 Liedern kann wohl niemand meckern – mehr als anderthalb Stunden kann es sowieso kaum jemand in diesen schweren Roben aushalten; umso mehr Respekt an Ghost, dass sie die Nummer durchziehen. Man darf das albern finden, aber der Erfolg gibt den Jungs letztlich Recht. Die einzigen beiden kleinen Wermutstropfen: „Depth Of Satan’s Eyes“ mit seinem mörderischen Mainriff wurde nicht gezockt, und die Merch-Preise (fünf Euro für ein Schweißband, fünfzehn für ein Backpatch und 25 für ein Shirt) sind völlig überzogen.   

Setlist:

Infestissumam
Per Aspera Ad Inferi
Con Clavi Con Dio
Stand By Him
Ritual
Prime Mover
Secular Haze
Here Comes The Sun (The Beatles-Cover)
Year Zero
Jigolo Har Megiddo
Elizabeth
Death Knell
Genesis
If You Have Ghosts (Roky Erickson-Cover)
------------------------------------
Ghuleh/Zombie Queen
Monstrance Clock

Seite
  • 1
  • 2
comments powered by Disqus

Die High- und Lowlights der Redaktion im vergangenen Jahr

Von ausgelassener Stimmung, Perfektion und einer fetten Panne

"Ich mache im Grunde all das, worauf meine Kollegen bei Ctulu keinen Bock haben und was immer schon mal aus mir raus musste."

Überraschungen zum 30-jährigen Geburtstagsrausch

Wer hat Angst vorm Saxophon?

Von Gänsehautmomenten bis hin zum Circle-Pit

Starkes Debüt, welches nach einer baldigen Wiederholung schreit

„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“