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Ghost, Dead Soul im Konzert (Hamburg, Dezember 2015)

Beste Stimmung in einer ausverkauften Markthalle an einem Donnerstagabend

Dass Ghost mit jedem Album gewachsen sind, ist wahrlich kein Geheimnis mehr. Mit der für eine Band häufig als besonders wichtig deklarierten dritten Platte jedoch scheinen die schwedischen Maskenträger endgültig auch den Mainstream erobert zu haben. Glücklicherweise haben sie sich dabei musikalisch nicht verbogen, denn „Meliora“ ist vom Sound her eindeutig wieder näher am Debüt „Opus Eponymous“ als am bombastischeren Zweitwerk „Infestissumam“. Auch die Eintrittspreise sind mit etwa 25 Euro völlig in Ordnung. Lediglich bei den Merchpreisen wurde noch mal kräftig hingelangt – 30 bis 40 (!) Steine für ein T-Shirt gehen gar nicht, noch weniger, dass man für eine Ghoul-Maske ebenfalls stolze 20 Euro hinblättern muss.

Vor allem aber ist schlichtweg die Masse, die die Band auf ihrer sehr cool betitelten „Black To The Future“-Tour sehen will, beeindruckend. Ich hab es wirklich lange nicht mehr erlebt, dass sich vor der Markthalle auf der Straße eine lange Schlange gebildet hat und es seine Zeit dauert, bis alle drinnen sind – überflüssig zu erwähnen, dass der Laden ausverkauft ist. Wie schon vor zwei Jahren bei der „Infestissumam“-Tour ist das Publikum bunt gemischt: Kuttenträger, Gothics, Black Metaller, Altrocker, Alleshörer; männlich, weiblich, jung, alt – alle munter vereint, um (natürlich mit Augenzwinkern) die satanische Messe der Skandinavier zu zelebrieren. Es gibt momentan aber eben auch nur wenige Bands, die es schaffen, so viele verschiedene Zielgruppen anzusprechen, ihrem cleveren und vielfältigen Songwriting sei Dank.

Dead Soul

Zuvor gilt es jedoch, die einzige Vorgruppe des Abends zu überstehen. Die ebenfalls aus Schweden stammende Band besteht aus lediglich zwei Leuten, Sänger Anders Landelius und Gitarrist Niels Nielsen; letzterer hat außerdem ein Keyboard vor sich, das er hin und wieder bedient bzw. programmiert. Live hat man um einen weiteren Gitarrero aufgestockt, einen Schlagzeuger und einen Bassisten gibt es hingegen nicht, diese werden durch elektronische Beats und Synthesizerbass ersetzt. Diese Beschreibung allein dürfte zumindest bei beinharten Metallern auslösen, dass ihnen sämtliche Haare zu Berge stehen, aber es spricht definitiv für Ghost, dass sie nicht nur selbst stilistisch recht breit gefächert agieren, sondern anscheinend auch bei den Vorbands nehmen, was ihnen gerade passt oder gefällt – das kann wie vor zwei Jahren mit The Oath mal eine Doom-Metal-Band sein, nun ist es eben eine Band, die mit elektronischen Elementen arbeitet und mit dem ultraverzerrten Klampfensound auch eine Nähe zum Industrial aufweist.

Die Formation selbst nennt ihre Mucke „Dark Electronic Doom Blues“ oder auch „Industrial Doom Blues“ und nicht selten muss man an Gruppen wie Depeche Mode und Konsorten denken und fühlt sich ein wenig an Achtziger-Synthie-Rock erinnert, wenn auch wegen des harschen Gitarrensounds mit aggressiverer Note. Schon eigenständig, aber mein Ding ist es trotzdem nicht, zumal einige Passagen wie bei „The Fool“ bis zum Geht-nicht-mehr wiederholt werden. Der Laden ist allerdings bereits amtlich gefüllt und Dead Soul dürfen sich zwischen den Songs durchaus respektablen Applaus abholen, für den sie sich sehr höflich bedanken – dennoch stehen draußen noch jede Menge Leute beim Rauchen und Quatschen, die teilweise noch nicht einmal wissen, wie die drinnen gerade musizierende Combo eigentlich heißt. 

So oder so haben Dead Soul sicherlich ihre Chance genutzt, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren, zumal sie gerade erst ihr zweites Album „The Sheltering Sky“ veröffentlicht haben. Freundlich wünschen sie allen viel Spaß mit Ghost und man merkt, dass sie sich ehrlich über die Reaktionen freuen. Nur gut für sie, dass die Ghost-Fanschaft so bunt durcheinander gewürfelt ist, bei einem reinen Metal-Publikum wären sie wahrscheinlich gnadenlos durchgefallen, denn musikalische Flexibilität ist schließlich nicht unbedingt die Stärke von Otto-Normal-Metaller. Allerdings: Wer weiß eigentlich, ob nicht vielleicht einer der Ghost-Musiker bei der Truppe mitmischt?

Setlist:

They Will Pay
The Fool
Shattered Dreams
Home By The Sea
Do Your Job
Until The Last Breath
Burn Forever
Inbetween

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