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Ghost Brigade, A Storm Of Light, Intronaut im Konzert (Hamburg, Oktober 2011)

Gut, aber da ist noch Luft nach oben

Ghost Brigade waren gut, können es aber garantiert noch besser

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Ghost Brigade

Die folgende Umbauphase dauert übertrieben lange, sodass es schon nach elf Uhr ist, als die Geisterbrigade endlich auf den Plan tritt. Im Vorfeld hatte die Band angekündigt, das komplette neue Album zu zocken und bei einigen Gigs zuvor in ihrer Heimat haben die Jungs dieses Vorhaben auch schon in die Tat umgesetzt. Anscheinend haben sie diese Idee aber auch schon wieder über den Haufen geworfen, denn bereits nach dem Opener „Clawmaster“ wird zumindest die Reihenfolge der Tracks auf „Until Fear No Longer Defines Us“ nicht mehr eingehalten, da plötzlich statt „Chamber“ „Divine Act Of Lunacy“ erklingt, und als danach der Schon-jetzt-Klassiker „My Heart Is A Tomb“ zum Besten gegeben wird, ist klar, dass es heute wohl doch nix mit Neues-Album-komplett-spielen ist. Na ja, so bleibt zumindest ein klein wenig die Überraschung im Set erhalten.

Andererseits haben Ghost Brigade ja erst drei Alben veröffentlicht, weswegen sie nun auch nicht unbedingt aus einem Riesenfundus an Songs schöpfen können. Etwas erstaunlich ist es dennoch, dass von der aktuellen Scheibe nur fünf, von „Isolation Songs“ jedoch sieben Stücke gezockt werden (das Debüt wird mittels „Hold On Thin Line“ lediglich mit einem Track bedacht) – aber wahrscheinlich kann man sich ewig darüber streiten, ob nun das zweite oder das dritte Album besser ist.

Der Sound tönt von Anfang an zweifellos besser als bei den beiden Acts zuvor, wenngleich man auch hier konstatieren muss, dass da auf jeden Fall Luft nach oben ist. Gleiches gilt für die Leistung von Frontmann Manne Ikonen, der live erneut nicht an die Studioalben anknüpfen kann. Besonders bei „Soulcarvers“, dem letzten Song vor den Zugaben, bekommt er am Ende die hohen Töne überhaupt nicht mehr und vergeigt es ziemlich. Der Mann ist so ein toller Sänger, er sollte unbedingt an seiner Livekondition arbeiten, denn es kann nicht sein, dass ihm schon nach einer guten Stunde trotz kleiner Pause in Form des Instrumentals „22:22 Nihil“ die Stimme abkackt - vor allem, wenn man bedenkt, dass die Band nach diesem Konzert ja noch einige weitere Termine auf dem Zettel hat. Auch ein großer Ansager wird er in diesem Leben wohl nicht mehr werden: Das Wenige, was er sagt, grummelt er unverständlich in seinen Bart hinein, und vom Animieren der Zuschauer ist er ungefähr so weit entfernt wie der HSV davon, in dieser Saison deutscher Fußballmeister zu werden. Aber zu der Depri-Mucke der Finnen würde es andererseits ja auch wenig passen, die Leute mit „Hey!“-Rufen oder ähnlichem zum Abgehen aufzufordern und es hat ja auch schon wieder was, wie es dem Fünfer einfach scheißegal ist, ob vor der Bühne nun der Bär steppt oder sich gar nichts tut.

Alles in allem ist die Stimmung aber in Ordnung und der Abgang der Gruppe nach „Soulcarvers“ einfach mal arschcool: Zuerst verlässt Ikonen die Bretter und anschließend nach und nach die Saitenfraktion; sie lassen ihre Instrumente einfach stehen und die daraus resultierende Rückkopplung passt erstaunlich perfekt als Hintergrund zum Drumming von Veli-Matti Suihkonen, der einfach weiterspielt und so die Bridge zu den Zugaben schafft, die allesamt von „Isolation Songs“ stammen. Und während „Architect Of New Beginnings“ und „Lost In A Loop“ zu frenetischem Headbangen auffordern, ist das göttliche „A Storm Inside“ eher von der etwas ruhigeren Sorte. Auch in gewisser Weise typisch für die Band, mit einer Nummer, die eben nicht den typischen Rausschmeißer markiert, das Konzert zu beenden.

Fazit des heutigen Abends: Ghost Brigade könnten live definitiv noch viel besser sein, haben heute aber vielleicht auch einfach nicht ihren allerbesten Tag erwischt. So ein bisschen kommt dennoch das Katatonia-Feeling auf, mit denen die Band ja so gerne verglichen wird. Auch die liefern ein geniales Album nach dem anderen ab, die zudem superbe produziert sind, live können sie aber irgendwie nie zu hundert Prozent überzeugen. Allein aufgrund der unbestreitbaren Qualität der Songs aber hat es natürlich trotzdem Spaß gebracht und selbstverständlich wird auch der nächste Gig des Quintetts aus Suomi besucht.

Setlist (Reihenfolge ohne Gewähr):

Clawmaster
Divine Act Of Lunacy
My Heart Is A Tomb
Hold On Thin Line
Breakwater
Suffocated
Traces Of Liberty
22:22 Nihil
Into The Black Light
Soulcarvers
-------------------------------
Architect Of New Beginnings
Lost In A Loop
A Storm Inside 

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